ÜBER DIE
QUELLENGEMEI
NSCHAFT DES
MITTELANG LI SC
HEN...
Emil Theodor Granz, Konrad
(von Würzburg)
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LIBRARIES
3 6105 218 088 826
Über die * s ^{ w }f E R $ \
Quellengemeinschaft""
des mittelenglischen Gedichtes
Seege oder Batayle of Troye
und des mittelhochdeutschen Gedichtes
vom trojanischen Kriege
des
Konrad von Würzburg.
Inaugural -Dissertation
zur
Erlangung der philosophischen Doktorwürde
an der
Universität Leipzig
vorgelegt
von
Emil Theodor Grranz.
-O <*>&<I9 ♦-
Reudnitz-Leipzig.
Druck von Max Hoffmann.
1888.
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Inhalt.
Bett«.
Einleitung 1 — 8
L
Verhältnis des me. Gedichtes Seege oder Batayle of
Troyo zum Roman de Troie des Benott de Sainte -
More . , , , , , , , , , , , , , , 9—61
IL
Verhältnis des me. Gedichtes Seege oder Batayle of
Troyc zum mhd. Gedichte vom trojanischen Kriege
des Konrad von Würzburg hinsichtlich der Ab-
weichungen und Zusätze, welche beide Gedichte
im Vergleiche mit dem altfranzösischen Troja -
romane des B^noit aufweisen ....... 62 — 86
Schluss 86—88
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Inhalt.
Einleitung
Seite.
1—8
L
Verhältnis des me. Gedichtes Secge oder Batayle of
Troye zum Roman de Troie des Benoit de Sainte -
Verhältnis des me. Gedichtes Seege oder Batayle of
Troye zum mhd. Gedichte vom trojanischen Kriege
des Konrad von Würzburg hinsichtlich der Ab-
weichungen und Zusätze, welche beide Gedichte
im Vergleiche mit dem altfranzösischen Troja -
romane des Benott aufweisen ...... 62 — 86
More
9—61
IL
Schlu ss
86—88
Google
Die Hauptquelle für Konrads Gedicht vom trojanischen
Kriege *) ist bekanntlich der altfranzösische Trojaroman des
Benoft de Ste. More.*) Daher deutet der Titel vorliegender
Schrift zunächst an, dass wir Zietsch 8 ) nicht beistimmen, der
das oben näher bezeichnete mittelenglische Gedicht mit Ent-
schiedenheit eine Bearbeitung der historia de excidio Troiae
des Dares Phrygius 4 ) genannt hat. Schon Greif 5 ) erachtete
Zietsch's Behauptung für unhaltbar und stellte daher eine Un-
tersuchung über das Verhältnis des me. Gedichtes zu B.'s
Trojaroman an. Das Ergebnis seiner Forschung war folgendes :
„Der Verfasser des me. Gedichtes benutzte im wesentlichen
unseren*) Dares, .... ausserdem, besonders zu Anfang, den
altfrz. Roman de Troie von B." Greif hat folgende Über-
einstimmungen zwischen dem me. und dem altfrz. Gedichte
entdeckt :
B. VV. 114—16
L (= Lincoln's Inn MS.) I
H (=Harl. MS.) JVV. 17—18
L, H. VV. 26-30 = B. VV. 715—21
„ „ VV. 31—32 = B. VV. 801—2
H. V. 62 = B. V. 967
L. VV. 83—4, H. W. 73—4 = B. VV. 971—2
L. VV. 325—6, H. W. 285—6 = B. VV. 3183—4
L. VV. 467—8 = B. VV. 3849—50
L. VV. 473—4 = B. VV. 3853.
*) Herausgegeben von A. v. Keller, 1868.
2 ) Herausgeg. v. A. Joly, 2 Bde., Paris 1870.
"j A. Zietsch, über Quelle und Sprache des me. Gedichtes Seege
oder Batayle of Troye, Göttinger D. D., Kassel 1883; s. 8. 6; ferner
Herrigs Archiv, 72. Bd., S. 12 u. ff., der von Dr. Zietsch besorgte
Textabdruck der „zwei me. Bearbeitungen der hist. etc. des Phrygiers
Dares' nach Harl. 525 und Lincoln's Inn 150; über die dritte Hs.
vergl. Kolbings Englische Studien, VII. Bd. S. 193, wo Kölbing die
Hs. des Duke of Sutherland beschreibt: „The bateil of Troye, voll-
ständig auf fol. lll b — 134*. Die zweite hälfte der seite ist mit schreib-
proben und Schmierereien gefüllt. Die rtickseite des blattes ist leer
gelassen." Die von Kölbing daselbst angekündigte Herausgabe des
Gedichtes nach dieser Hs. ist bis jetzt noch nicht erfolgt.
4 ) ed. F. Meister, Lipsiae, 1873.
5 ) W. Greif, die mittelalterlichen Bearbeitungen der Trojaner-
sage u. s. w., Bd. LXI von Stengels Ausgaben und Abhandlungen
u. s. w., Marburg 1886; s. SS. 158—63.
*) Im Gegensatz zu der Vermutung, dass es im MA. einen länge-
ren Dares gegeben habe.
1
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I
2
L hat 1988, H 1922 Verse, so dass Greif für beinahe den
vierten Ted des me. Gedichtes die Vorlage des altfranzösischen
Trojaromans von B wahrscheinlich gemacht hat. Zwar waren
auch Zietsch») manche der ron Greif angedeuteten Überein-
stimmungen des me. mit dem altfrz. Gedichte aufgefallen. Er
erklärte sie aber aus der Benutzung derselben lateinischen
Quelle von Seiten des me. und des altfrz. Dichters und sprach
ihnen darum jede Beweiskraft für die Benutzung des altfrz
Trojaronmns durch den me. Dichter ab. Die Hinfälligkeit von
Zietschs Behauptung, dass die Kürze des me. Gedichtes gegen
die Vorlage des altfrz. Trojaromans 8 preche , ist bereit! fon
Greif dargelegt worden. Wir geben jedoch zu dass die eben
angedeutete Eigenschaft des ml Gedichte«, des en Zutückth
Tnler halZ 6 - 7*1 ^ erschwert - »*
TS « A 4 an , dre Ansicl,t Zietsc H wonach wir uns
sien oeide üss. des me. Gedichtes — L. V 20 H V i «
als eine Übersetzung des Dares bezeichneten , während das
Zugeständnis einer franzosischen Vorlage durch die Hs H. v!
LteütTüfde W fc f r nde - ™ der Hs. L nicht
STaTf der T W ' r - i bCr ZietSch6 ) an - dass die
beide auf^u Z m ™ ht Vorla S e hat >
uat dr:L7urcrdrHr H e bf! isches - ? riginai
durch die Hs I „TL- ' S . 6r """krgegeben wird, als
der Hs H. aU ch in dtrT l" V^n- dass V ' 1522
Beinen uns doch £ ^dZ" V^e Z Ter" Hs Ä
eine gereimte jedenfalls französische <^£J££ *
V. 198. peo romaunce me doj, to undurstande;
zweif l 621 = As we * nden in iymei
ST^n^Ä 0 ^ ******** Vor-
muss uns von votnLi A J nnahme einer altfrz - Verlage
die meisten ep sch en D,ch i ,<>n 1 S^nnen,iL
Quellen zugehen ÄTT der , me D Pe " ode auf altfrz.
anlangt, so ist dieseih/^ v d ' e Bernfun & auf Dares
hier Jaran erinnert 1/^^- n f * -«
destruetionis Troiae nirgends B's R„™ "T ' ] J" l"™ hist0ria
quelle war, eenannt tl ir ,• , ßomaa » der doch seine Haupt-
hat, den « ^r wen'ig'L^ £ ft* ^ ""T,^
9 daselbst s. S. 4.
') s. Greif, SS. 58-62.
dagegen 8 'Gfeif B s rt 62. GuW ° C ° lmnna ' Lei P zi ^ D. D. 1877; S. 18;
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3
Eine andere Angabe über die Quelle des me. Gedichtes
finden wir noch in der Hs. H. V. 1701: As bokes of gramer
berith witnesse. Wir können sie in Bezug auf das ihr Voran-
gehende und Folgende nur als eine leere Phrase betrachten.
Wäre die von Zietsch aufgestellte Behauptung, dass der
me. Dichter B.'s Roman nicht gekannt habe, richtig, so ge-
hörte unser me. Dichter nicht zu den unbedeutenden. Denn
aus Dares konnte er sich wenig holen. Dort fand er nur ein
Verzeichnis von Thatsachen und ein Heer von Namen. Die
Schilderung, insbesondere die Schlachtengemälde, musste er
selbst liefern. Greif hat zuerst, wenn auch nur z. T. , das
Ansehen des me. Dichters erschüttert. Denn wenn er nur für
den vierten Teil des me. Gedichtes den Einfluss B's entdecken
konnte, so musste er dem Dichter noch ein grosses Mass von
Selbständigkeit zuerkennen. Liess er ihm doch das Wichtigste,
nämlich die Schlachtgemälde, die Darstellung der langjährigen
Kämpfe vor Troja ! Wir haben es daher für zweckmässig er-
achtet, nochmals eine Untersuchung über das Verhältnis des
me. Gedichtes zur Darstellung B.'s anzustellen, um zu be-
weisen, dass das ganze me. Gedicht aus dem Trojaromane B.'s
hervorgegangen ist. Die Lösung dieser Aufgabe wird im
ersten Teile dieser Abhandlung gegeben werden.
Da nun der Anschluss Konrads an B.'s Darstellung be-
reits erwiesen ist, so werden wir im zweiten Teile unsrer Ab-
handlung die dem me. und dem mhd. Gedichte gemeinsamen
Abweichungen von B.'s Darstellung und die ihnen gemein-
samen Zusätze einer eingehenden Betrachtung unterwerfen, um
zu erörtern, ob jene gemeinschaftlichen Abweichungen und
Zusätze auf Rechnung der Übersetzer B.'s gesetzt werden
müssen oder in einer dem me. und dem mhd. Dichter vor-
liegenden Fassung des Trojaromans von B. schon vorhanden
gewesen sind. Wir werden also die Frage zu beantworten
haben, ob es eine im Sinne Konrads und des me. Dichters
erweiternde Bearbeitung des altfrz. Trojaromans von B. ge-
geben hat. Diese Frage haben Cholevius 0 ) und Dunger, 10 )
welche allerdings auf die Kenntnis des konradischen Gedich-
tes beschränkt waren, verneint. Sie fanden hinsichtlich der
Zusätze Konrads Anschluss an die antiken Vorlagen — Ovid,
Statius — zu eng, um eine vermittelnde französische Vorlage
annehmen zu können. Selbst der bescheidene Einwurf, dass
Konrad durch einen spärlich interpolierten Trojaroman des B.
wenigstens die Anregung zur Einführung neuer Episoden em-
9 ) C. L. Cholevius , Geschichte der deutschen Poesie nach ihren
antiken Elementen, 1. T., Leipzig 1854; s.S. 143 u. f.
10 ) Dunger , die Sage vom trojanischen Kriege i. d. Bearbeitungen
des Ma. , Dresden 1869 ; s. S. 57.
1 #
4
pfangen haben könne, ist unnötig, nachdem Dunger geltend
gemacht hat, dass K. jene Anregung ebensogut durch des
Statius Achilleis erhalten konnte, wo der Traum der Hecuba
— I, 22, die Hochzeit des Peleus und der Thetis — II, 342,
das Parisurteil — II, 386 — angedeutet und die Weissagung
des Proteus über den Tod des Achilles — I, 25 — 36, so-
wie die ganze Jugendgeschichte des Achilles einschliesslich des
Berichtes über die List des Ulixes am Hofe des Lycomedes
mitgeteilt werden. Gleichwohl sprach nach Dunger Meister 11 )
die Ansicht aus, dass Konrad ausser B.'s Roman noch eine
andere französische Vorlage zur Hand gehabt habe. Leider
hat er seine Behauptung durch keine Beweisgründe gestützt.
Letztere waren vielleicht dieselben, welche neuerdings Greif 12 )
veranlassten , für die Beschreibung der Hochzeit des Peleus
und der Thetis, des Traumes der Hecuba, der Jugendgeschichte
des Paris und des Parisurteiles eine mittelalterliche lateinische
Quelle zu vermuten. Eine erweiternde Bearbeitung des alt-
französischen Trojaromans von B. , wie wir sie als Quelle des
mhd. und des me. Gedichtes annehmen wollen, ist allerdings
bis zu dieser Stunde nicht bekannt. Dass es eine solche ge-
geben hat, ist keineswegs unmöglich. Hierfür spricht die Ge-
stalt der Hs. G 13 ) des Trojaromans von B. Der Schreiber
derselben, ein gewisser Jehans Malkaraume, hat zunächst in
der Absicht, sich die Verfasserschaft des berühmten Werkes
zuzueignen, überall B.'s Namen durch den seinigen ersetzt.
Von den mehr als 700 Versen der Einleitung des Originals
behält er nur 50 bei. Er schliesst mit dem Berichte des
Todes der Polyxena und Hecuba, also mit V. 26,484 des
Originals*), das bekanntlich 30,108 Verse zählt. Wie Malka-
raume im Übrigen mit dem Originale verfahren ist, darüber
bemerkt Joly : il continue k rayer tantot quelques vers , tantöt
des passages entiers, et juspu' k des centaines de vers k la
fois . . . abrege les descriptions et les discours . . . Parfois il
eprouve le besoin de completer son auteur cn intercalant . . .
des morceaux de sa composition, ou il fait preuve de lectures.
So schiebt M. nach V. 3966 des Originals eine längere Rede
der Hecuba ein und erzahlt im Anschluss an Ovids Her. XVI
und V den Traum der Hecuba und eine Episode aus der
") s o praefatio XXXV: Contra quod ex accurata comparatione
npparet Iteiieriictuin aecutus est, in multis tarnen sine dubio alium
foiitem Frnucnfrollicum , non quidem Malkaraumium , quocum in qui-
busdam consentit.
1S ) s. o SS. 94—103.
IS ) s. Joly, 2. Bd. 8. 405 u. ff.
*) Die Mitteilung hiervon wurde mir durch die Güte des Herrn
Dr. Grimberg, damals in Paris.
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Jugendgeschichte des Paris. 14 ) Weitere 29 Verse 15 ) schaltet
er nach V. 22,519 ein, um seine Kenntnis der Achilleis des
Statius zu zeigen. Freilich war diese Kenntnis eine sehr un-
sichere. Denn M. bringt die List des Ulixes mit Neoptolemus,
dem Sohne des Achilles, in Verbindung. Die Interpolationen
des Malkaraume werden uns im zweiten Teile der Abhandlung
nochmals beschäftigen. Doch wollen wir gleich hier bemerken,
dass die Hs. G des Trojaromans von B. nicht die Quelle ist,
welche wir suchen. 16 )
Wir werden im Verlaufe unserer Untersuchung haupt-
sächlich von der Hs. H. des me. Gedichtes ausgehen , weil
diese nach Zietsch sowohl der ursprünglichen Fassung näher
steht, als auch, wie wir sehen werden, für unsre Zwecke
mehr geeignet ist, als die Hs. L. Wünschenswert wäre natür-
lich die Kenntnis der dritten Hs. gewesen. Nach Kolbings
Mitteilungen 3 ) scheint diese Hs. die kürzeste von den dreien
zu sein. Die Hs. H. ist von uns eingesehen worden. Das
Wenige, worin wir mit Zietsch hinsichtlich des Textes nicht
übereinstimmen , wird den Anmerkungen zugewiesen werden.
Zietsch hat nicht darauf aufmerksam gemacht, dass die Hs. H.
das Gedicht in 24 Abschnitte teilt und den Beginn eines jeden
durch eine mit schwarzen und roten Linien verzierte Initiale
anzeigt. Diese Einteilung ist zum grossen Teil berechtigt,
wie wir im Folgenden kurz andeuten werden. Einer aus-
führlichen Inhaltsangabe glaubten wir nach dem Vorausgange
der Arbeiten von Zietsch und Greif, sowie besonders aus dem
Grunde überhoben zu sein , weil wir im Verlaufe unserer
Quellenuntersuchung den Inhalt des Gedichtes zur Genüge
kennen lernen werden.
Abschnitt I — VV. 1—20 — Einleitung: Es wird auf den
Gegenstand des Gedichtes hingewiesen, als Quelle des Dares
Historia genannt.
Abschnitt II 17 ) — W. 21 — 62: Jason begiebt sich mit
Hercules auf Anraten des Pelias nach dem trojanischen Gestade,
um das goldne Vliess zu gewinnen.
Abschnitt III 17 ) — VV. 63 — 120: Die Griechen räumen
auf Befehl des Königs Laomedon das trojanische Gebiet und
rufen ihre Landsleute zur Rache gegen die Trojaner auf. Eine
griechische Kriegsflotte landet alsbald vor Troja.
u ) Mitgeteilt bei Joly, 1. Bd., 2. T., S. 13.
lft ) s. Joly, 1. Bd. 2 T., S. 408 u. f.; eine weitere umfangreiche
Interpolation, welche für uns jedoch gänzlich wertlos ist, ist abge-
druckt auf S. 403.
10 ) s. Anm. 11; über den Anschluss Greifs, s. Greif, S. 94.
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Male^rf 1™ ~ U: ™ d ™» ersten
entfnhrt ' La ° med ° n ^ S*"* Seine T °<*<er Hesionä
Abschnitt V — W. 185—238 — umfW 11 .U iri
des Priamns, Laomedons Sohnes der wahrs t l ? K 'T
in der Provinz weilte, über L TTnÄ * K T ata8t >-»phe
2) den Tranm der MecuU i nnd ^l^SLSJ^T^
Abschnitt VI — W 239 Ju e e " d £.esc<iichte des Paris.
Ü£Ä de8Sen FÜhn,n « Hekt - eignen wlM
die iS^T^^lS 6 ' J-Wnsprncht die
Streites mf den geS Apfel ^ ^ ol * e / ei ;..f^eheidnng des
der Venns hoffen darf rf P •>, ^ J Jnt !5 8tuteua g- von Seiten
des FeldzL« v , ü • uberträ gt Warans die Führnne
aä vit- vT,* 0 ri n n 7 o öhne •
660 - berichten über dW Erfolg7d e£ pTris^- ^ 1 "i*
fiihrnng der Helena gipfeln. * ^ m der Ent -
Abschnitt X - VV. 661-812: Zum Zwecke der
Abschnitt XI — VV «n r> r» • J-roja.
die Heransgabe der Hele"',^* t" 1 » <^
Abschnitt XH - VV 869 m «' f "1 der Kam P f -
2., 3. nnd 4. Krienial h! 6 ~ berichtet über das
f -txrieg-sjaür: Jtlektor und Pari« 0 ; n A j- rr
beiden. Jener erschlägt Protesilans ZZ HaUpt '
Patroclus — Padradod P„ . mem&m ~ Portuslay 18 ) — un d
~ ^S 3 \j:z:t^: M r ei r J und
zweck der kommenden Schill? ^ e ff rate * l * den Haupt-
Palamedes-Palmyaes _ enlt / ernichta "? Hektors.
Achilles besiegt werden könne ^ ' *" nnr VOn
Abschnitt XIII 1 7 ) VV ini7 *****
in Kürze die persönl chen S j f ' Nachd emPaIamedes
hat gehen gnihisch ^ bdeUChtet
Achilles herbeizuholen. ° mge L y co ™des , um
Abschnitt XIV — VV 1197 10m „ ,
^cchisehen Lager angekomm^^ Äm^
Zietsc^nio'hr^I^ 6968 AU ° haitt °° wird i. d. Textausgabe von
") Nicht: Portuflay, wie Zietsch annimmt.
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I
7
aufgenommen. Hektor bleibt infolge des ahnungsvollen Traumes
seiner Gattin und auf Befehl seines Vaters zu Hause. Achilles
verrichtet Wunder der Tapferkeit. Die Griechen fliehen.
Abschnitt XV — W. 1211—68: Hektor stürzt sich nun-
mehr in die Schlacht. Der gewaltige Zweikampf zwischen ihm
und Achilles bleibt an diesem Tage unentschieden.
Abschnitt XVI — VV. 1269 — 1324: 19 ) Hektor hat den
Griechen Annys erschlagen und steigt vom Rosse, um jenem
die prächtige Rüstung abzunehmen. Achilles überfallt und
tötet ihn. Die Schlacht nimmt sofort ein Ende. Priamus be-
klagt den Verlust seines Sohnes.
Abschnitt XVH — VV. 1325—42: Polyxena weint einsam
am Grabe des Bruders, welches sich ausserhalb der Festungs-
mauer befindet.
Abschnitt XVHI — VV. 1343 — 1420: Achilles verliebt
sich in die Königstochter und wirbt durch einen Boten um
ihre Hand. Priamus erklärt, den Wunsch des Achilles gewähren
zu wollen, sobald Achilles sein Versprechen, ewigen Frieden
herbeizuführen, thatsächlich eingelöst haben werde. In diesem
Sinne verhandelt Achilles leider erfolglos mit Menelaus, bleibt
deshalb dem Kampfe fern.
Abschnitt XIX 17 ) — VV. 1421 — 58: Die Trojaner erringen
unter der Führung des Paris und Troilus einen vollständigen
Sieg über die Griechen, plündern das Lager und stecken die
Schiffe in Brand.
Abschnitt XX 17 ) — VV. 1450—1538: Neidisch auf den
Ruhm des Troilus beteiligt sich Achilles wieder am Kampfe
und tötet den Troilus.
Abschnitt XXI 17 ) — VV. 1539—1602: Der Schmerz über
den Verlusst ihrer Söhne bringt Hecuba auf den Gedanken,
Achilles durch Verrat umzubringen. Sie lässt an ihn die
Einladung ergehen, nach Troja zu kommen, damit er Polyxena
zur Gattin erhalte.
Abschnitt XXH 17u - 20 ) — W. 1603—69: Achilles kommt
mit nur einem Begleiter in den Tempel. Als er hier nieder-
kniet , verwundet ihn ein Trojaner an den Fusssohlen , der
einzig verwundbaren Stelle seines Körpers — nach XHI und
XXI. Die versammelten Ritter stürmen auf die beiden Griechen
ein, die nach heldenmütiger Verteidigung tot zusammensinken.
Paris misshandelt und schmäht den Leichnam des Achilles.
Abschnitt XXIH — VV. 1670—1848: Der Kampf wird
wieder eröffnet und mit gesteigerter Erbitterung geführt. Paris
10 ) Zietsch nimmt schon nach V. 1304 den Beginn eines nenen
Abschnittes an.
17 u. 20 ) Die verzierte Initiale befindet sich i. d. Hs. erst inV.
1604.
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8
und Ajax töten sich gegenseitig. Die Griechen ziehen einen
engen Belagerungsring um die Stadt. Priamus fordert die
Seinen auf, den Kampf mutig fortzusetzen. Antenor und
Aeneas aher verraten die Stadt an die Feinde. Neoptolemus
wird mit der Leitung des Überfalles betraut.
Abschnitt XXIV — V. 1849 u. ff.: Troja wird, samt seinen
Bewohnern von der Erde vertilgt. Die siegesfrohen Griechen
kehren in die Heimat zurück.
Schon aus vorstehendem Inhaltsverzeichnis wird ersichtlich
geworden sein, dass durch die Einschiebung der Achillesepisode
die Anlage des me. Gedichtes sich z. T. von derjenigen des
Roman de Troie des B. entfernt hat. Dieser Umstand hat uns
zuerst auf die innige Verwandtschaft des me. Gedichtes mit
demjenigen Konrads von Würzburg aufmerksam gemacht.
Wir können nunmehr mit der Lösung der uns gestellten
Aufgabe beginnen.
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I. Verhältnis des nie. Gedichtes Seege oder
Batayle of Troye zum Roman de Troie des Benoit
de Sainte-More.
Schon in der Einleitung des me. Gedichtes bemerken wir
Anklänge an B.'s Darstellung.
B. V. 97: H. V. 7:
Por co qu'ü si graut vit l'affaire, For soche a werre as it was
Que aiuz ne puis ne fu nus maire. Neuer is uor neuer was.
Des Dares Erzählung ist der Bericht eines Augenzeugen
und ursprünglich griechisch geschrieben —
B. V. 100: H. V. 16:
En gregois en escrit i'estoire. In grew he wrot it eueri dele
H. 15:
Chascon jor issi l'escriveit He sawe J)e ende and j>e order
Com il a ses ielz le vceit of hat batayle.
Für VV. 17 — 32 ist der Anschluss an B.'s Darstellung
bereits von Greif nachgewiesen worden. Dass aber Dares zu-
gleich vorgelegen, geht aus H. V. 25 hervor, wo es von
Pelias — Pellcs — heisst : he was kyng of Pelpeson , wie in der
Hs. G des Dares: rex fuit in pelopenenso (sie!). B. erwähnt
den Peloponnes nicht. Der me. Dichter aber hat, wie wir
weiterhin sehen werden, gerade Dares G benutzt.
Wie B. , so zeigt auch der me. Dichter grosse Vorliebe
für die direkte Redeweise, und fast in allen Reden ist B.'s
Einfluss leicht zu erkennen. Weniger ist nun dies der Fall
hinsichtlich der Rede des Jason an seinen Neffen. Der Pelias
des me. Gedichtes setzt nicht sein Reich zur Belohnung der
kühnen That aus. Der me. Dichter kennt auch Colchis nicht.
B. V. 823: H. V. 37:
S'estoies si prouz ne si os, And wuldest{)Ouwith summe gyune
Que tu la toison de Colcos, That wonder feil fromhim 21 ) wynne
Qui est de fin or sans dotance, And bryng me that feil of gold,
827:
Po'issez por nul sen aveir.
Se tu la toison puoz aveir, Thy whyle shuldbenewelliyold. 29 )
De mon regne te ferai eir.
,l ) dem Könige Laomedon von Troja, 8. H. V. 34.
«) Bei Zietsch fehlt i.
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10
Jason erklärt sich bereit, das goldne Vliess zu holen -
" V " 873 : H. V. 42;
La irrai gie . . .
Molt volentiers, vez m'en tot prest.
877;
0 me s'en viendra la toisons,
Ja n'iert si gard6 Ii moltons.'
I wulle do j>at I kunne 88 )
Among {>e Troyeaunce I wolle
gönne.
And if I may ma nly and well
Bryng I wull J> e gylden feil.
seibethfa^^ Schiff Venia *
B. V. 880:
Mander et qnerre fet Argus.
886:
Pr6i6 Ii a et comande,
C'une nef seit fete et hastee
Fort et siglanz . .
951:
Garnir la fist Peleus Wen,
H. V. 48:
And clepeth Ms carpenters eueri
chone
And bad hem . . .
A nobill shep for Jason tomake.
H. V. 51 :
And whanne pe shypp was redy
wrought
Sir Jasonne foryettet nought.
Ne lor defailleit nul rien.
Auserwählte Mannen begleiten Jason _
B. V. 925: „
Despl^p^etdesplnsvainan, . . . hardy
geschieht ^ HerCU ' eS «~*. ™ bei Dares, I, nicht
B. V. 957: _
Ensemble o eis vait Ercnles * , A Y ' 65 :
Günstige Winde be ehlP. ■ ^ him 8ir ErClÜe8 '
B V 961 ChleUm ^ en lhre Meerfahrt -
La veile ont fete el masc drescier, Arerith Jf* ^
gyneth gönne.
Oner fye se the wynde hem dryves
Andatt the havon of Troye aryves.
963:
Dono comencierent ä sigler
A haltes veilles par la mer.
967:
Arriverent as porz de Troie.^)
Wiederholung i n VV. 113~u.
Laomedon lässt di« P rom jr
weisen - 16 * rem <^ge aus seinem Reiehe aus-
B. V. 989:
Li reis de Troie Laomedon - Thp h 63:
1001: The k W of Troye Sir Lamatan
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11
990:
A oi dire que . . .
994:
. . de Grece des pluz esliz
Sont de lor tere ca venu.
He herd teile that
men of Greke beth
In to bis lond com and J>er in
entretb.
Die Griechen sollen bei Gefahr ihres Lehens das Land
sofort verlassen —
B. V. 1039: H. V. 71:
Issiez vos en grant aleure, He bad hem thens swythe gone
Ainz qu'il vous face altre ledure.
1043:
Ne porreiz pnis nn sol bailler Or hey schuld dye euericbon.
Que tot nel fist detrenchier.
Die Schilderung des Eindruckes, welchen Laomedons Be-
scheid auf die Griechen hervorbringt, lehnt sich vorwiegend
an Dares, II, an —
Jason et qui cum eo venerant
graviter tulerunt ... sie se
ab eo tractari,
cum nulla ab eis injuria facta esset.
H. V. 73:
Sir Ercules and Jason also
In to J>at lond were comyn |)oo 24 )
Of J>e kyng tbey were sore agreved
77:
To be so rebuked of a kyng.
H. V. 78:
So as {>ey mysdeden nothyng.
Gleichzeitig ist der Einfluss B's bemerkbar. So werden
die Worte des Dares „graviter tulerunt" weiter ausgeführt —
B. V. 1047:
Jason . .
Grant ire en ot
et grant pesance.
„Grand honte nus a fet Ii reis.
1064:
Damage . .
Ne volions fere en sa terre."
1113:
Ni oserent plus remaneir.
En lor nef entrerent . . .
De la contree s'esloignierent.
H. V. 76:
. . of his wordes sore ashamed
75:
Of [>e kyng they were sore agreved
77:
To be so rebuked of a kyng.
So as ]>ey mysdeden nothyng
To dwell lenger it vaileth nought
They turned her shep and cast
r* t>w i abonght.
Der me. Dichter kennt weder Colchis noch Medea. Letz-
tere erwähnt auch Dares nicht. Die Heimfahrt der Griechen
schildert aber der me. Dichter im Anschluss an B.'s Darstel-
lung der Fahrt nach Colchis —
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12
B. V. 1120: H. V. 81:
Tant ont tire" as avirons So long thei have her wey nome
1123:
Qu'il arriverent en Colcon Ayen to Grece they ben come.
Daher wird die Gewinnung des goldnen Vliesses mit der
ersten Zerstörung Trojas — H. V. 177 — zusammengebracht.
Bis dahin lässt der me. Dichter den Jason ganz bei Seite.
Dieser löst Hercules im Kampfe gegen Laomodon ab — H.
V. 145 u. ff. Dio Leseart L des me. Gedichtes gedenkt im
Berichte über die erste Zerstörung Trojas nicht des Jason.
Hercules gewinnt das goldne Vlicss — L. V. 179.
Sobald die Griechen in die Heimat zurückgekehrt sind,
strengen sie sich an, einen Rachefeldzug gegen Troja zustande-
zubringen. Während nach B. Hercules zu diesem Zwecke
eine Rundreise in Griechenland unternehmen muss, findet er
nach dem me. Dichter die hervorragendsten Fürsten an unge-
nanntem Orte versammelt. So giebt es im me. Gedicht nur
eine Rede und eine Gegenrede. Diese zeigt Anschluss an die
Antwort des Castor und des Pollux bei B. ; jene entspricht der
Rede des Hercules vor Telamonius. Der letzteren Sinn ist:
Der Vorwurf der Feigheit muss die Griechen treffen, so-
bald sie nicht gegen die Trojaner zu Felde ziehen —
B. V. 2115: H. V. 86:
Tote l'ovre Ii a retraite And seyd lordyns all thus atte ende
Et la honte qui lor fu faite: The kyngofTroye thus ganvsshend
2118: 91:
„donc en venez And therfor helpith with socour
A Troie, car nos i alons.
2121:
Molt par seroit let et destros,
93:
Se nos i alons sanz vos Or eis the Troyens . . .
Molt iert honiz qui remaudra". Woll vs holde for losengers.
Die Fürsten entgegnen, dass sie an Laomcdon Rache
nehmen würden, wäre derselbe auch noch so mächtig.
B. V. 2099: H . V. 98:
Li ont promis qu'o lui iront And seyd they wold stoughtly,
Among he Troyens coinen and gone
2103:
Bien puet estre Ii reis seurs Magre |)e kyng sir Lymadone
Ja sie forz tors ne halz murs . . • and all his
N ' aura • • • We well done that vs listis
. . . qu'ä sa honte ne Ii vengent.
Eine Kriegsflotte wird ausgerüstet —
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13
B. V. 2163: H. V. 107:
AI port fet traire XV nea: Theydid (do orde)yn for hem seife
De maa, de veiles, et de tres Good new sheppia twelfe
Les appareillent et garniasent And stoffed hem well and eure
Et de vitaille lea enpliasent. With vittayl and good armore
Das Erscheinen der Griechen erfüllt die Trojaner mit
Schrecken —
B. V. 2368: H. V. 117:
Qo lea a forment effreez. The Troyens were . . .
. . , of her comyng evel afrayed
Furchtbares Geschrei erhebt sich ausserhalb und inner-
halb der Stadt —
B. V. 2369: H. V. 118:
Li criz lieve par lo pais. Thorow out the cite the
2373:
En la vile est Ii criz levez, crye arose
Li plu8 seurs est effreez That eche man of hem afferd waa.
Sobald Laomedon die Ankunft der Griechen erfahren hat,
zieht er ihnen mit seinen Mannen entgegen —
B. V. 2376: H. V. 121:
Quant il oi't conter et dire, The kyng of Troye hathe vnder-
takyn
Que Ii Griu erent retorne, That folke o Grece bene icomyn
Pol lui destruire et son regne, And thenke j)ey will besegen him
Isnelement arme son cora, Him silf armith him aryght
De la ville s'en issit fors And all his meyne well idyght
0 tant de gent com il ot. . . . s ued £e kyDg ont of Town
Das Gefecht beginnt sofort —
B. V. 2389: H. V. 131:
Et dea qu'il vindrent as eap6es, Sone J>ey be to geder mette
Molt 8'entredonent grant coleea, There waa atrokes well isette
134:
La ot maint hialme decerclö, And mony krounea all to crake
Et maint Chevalier decolpe Mony nobill men vnder aheld
2388:
. . maint abatu et ocia. Sone were alayn in hat feld.
Das übrige Schlachtgemälde ist nun scheinbar völlig ab*
weichend von dem B.'s. Diese Meinung wird besonders durch
den Umstand begünstigt, dass — in Hs. H. — Jason wieder
unter den Streitern erscheint. Der Anschluss an B. liegt dies-
mal sehr versteckt. Um denselben aber aufzudecken, müssen
wir die Darstellung des Zweikampfes zwischen Laomedon und
Hercules einer eingehenden Betrachtung unterwerfen. Dieser
Zweikampf setzt sich aus drei Hauptmomenten zusammen:
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14
1) Hercules wird von Laomedon aus dem Sattel geworfen
— H. W. 139—44.
2) Laomedon und Jason kämpfen mit einander. Nachdem
sie ihre Speere verstochen haben , schreiten sie zum
Schwertkampf — H. W. 145—53; nicht in L.
* 3) Unterdessen ist Hercules, der jedenfalls durch die Feinde
bedrängt wurde, durch 200 griechische Ritter befreit und
zu Ross gebracht worden, sprengt mit gefällter Lanze
gegen Laomedon , durchbohrt ihm den Leib — H. VV.
154 — 65; nur z. T. in L.
B. schickt seinem äusserst kurzen Berichte über den Zwei-
kampf zwischen den beiden genannten Helden einen umso
längeren über eine Reihe von Zweikämpfen voraus, den wir
ebenfalls einer Prüfung unterziehen wollen.
L Kampf zwischen Laomedon und Nestor — B. V. 2471
u. ff. : Laomedon wird von Nestor aus dem Sattel geworfen.
II. Kampf zwischen dem Trojaner Cedar, der seinem Könige
zu Hülfe kommt, und Nestor — B. V. 2493 u. ff.
III. Kampf zwischen Cedar und Castor — B. V. 2559 u. ff.:
a. Castor eilt dem Nestor zu Hülfe und gerät unterwegs
mit Cedars Freund Seguradan zusammen.
b. Cedar sprengt zur Befreiung seines Freundes herbei,
schleudert Castor aus dem Sattel und macht ihn zum
Gefangenen.
c. Pollux, 700 Ritter mit sich führend, befreit Castor,
der dann wieder zu Ross steigt und am Kampfe
teilnimmt.
Hieraus folgt, dass es dem me. Dichter an Vorbildern
in seiner französischen Vorlage nicht gefehlt hat. Man wird
vielleicht schon bemerkt haben, dass er sie wirklich benutzt
hat. Nur die Namen der Kämpfenden sind im me. Gedicht
andere geworden. Der 1. und. 2. Zweikampf stehen aber in
demselben Zusamenhange wie I. und H. bei B.: Hercules hat
die Rolle des Laomedon, dieser die Rolle Nestors übernommen.
Jason ist B.'s Cedar. Im Übrigen ist die Situation ganz
dieselbe wie bei B. Ferner herrschen zwischen dem 1. und
3. Zweikampf — den Kämpfen des Hercules mit Laomedon —
dieselben Beziehungen wie zwischen den Kämpfen HIb. und
HIc. bei B.
Laomedon erhält jetzt die Rolle Cedars, Hercules ist B.'s
Castor. Hercules wird wie Castor von seinen Landsleuten aus
harter Bedrängnis errettet, Hercules setzt sich, wie Castor,
wieder auf sein Ross. Es ist ganz natürlich , dass er nun mit
gefällter Lanze auf seinen alten Gegner lossprengt und ihm
den Todesstoss versetzt. B. sagt dies nicht von seinem Castor,
aber es ist selbstverständlich. Es sei sogleich hier bemerkt,
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15
dass sich keine Gründe gegen die selbständige Umgestaltung
der Darstellung B.'s durch den me. Dichter beibringeu lassen.
Denn Konrad von Würzburg hat eine derartige Änderung nicht
vorgenommen. Sie war demnach in der dem me. und dem
mhd. Dichter vorliegenden Fassung des Romans von B. nicht
vorhanden.
Die Richtigkeit dessen, was wir oben über die Art und
Weise der Umgestaltung der französischen Darstellung durch
den me. Dichter gesagt haben, möge noch durch folgenden
Textvergleich erhärtet werden.
Laomedon gegen Nestor — Laomedon gegen Hercules:
B. V. 2469: H. V. 129:
Li reis le vit vers lui venir, The kyng with Ercules mette
2472:
Se vont granz cols entredoner And hard strokes on him sette 26 )
Cedar gegen Castor:
B. V. 2564:
De la lance trencha Ii fers, And with a laiince smote him f ere
256 7 : l'a That out of his sadill he ganne hym
— del cheval jus enversö. bere
Laomedon — Hercules wird auf den Sand geworfen:
B. V. 2485: H. V. 143:
Puis l'a enpeiut par tel vertu, Sir Ercules for that dynt
Que del cheval l'a abatu. Fille downe on {>e pament.
Castor — Hercules befreit, steigt zu Ross:
B. V. 2589:
Mes Pollus l'ot tost secoru.
2595: H. V. 154:
Set cent Grezeis de graut valor There come of Grece to huudrid
2596: kDyghty8 '
Lo sievent enpres eu l'estor.
2604;
par esforz. 15 5:
Est Castor rescous et montez. And brought on hors sir Ercules.
Der Kampf zwischen Hercules und Laomedon wird bei
U. mit vier Versen abgethan. Hercules schlägt dem Laomedon
das Haupt ab - s. B. VV. 2726-9.
Die Griechen dringen hierauf in die Stadt ein, morden
™Vi ai l T DaDn kehren sie in die Heimat z ^ück, wo sie
glücklich ihr Leben beschliessen :
M ) s. H. VV. 131-2; B. VV. 2389-90.
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16
B- V. 2766:
Et d or et d'argent maint Bissel H - V - "9:
g -«« riche drap de color, ' ^ token «».o, mi
POrterent en 1„ contrt cloth
s . . 2794:
m parürent des porz de Trow
»«Wrent et naeierent ^V" 6 Wat6r forth t>ey OTthe
J« Grece repairferent « »uer ^
G-t J0.e en firen« Ior ftmi ' euer, man went to his Bome
0„, • 2807: ftk ° ""»7 •»« *lew care
Ebe„ so wird die zweite TT«.' , , '° ke how I> e y ma y »est fare
den P Besses gelangen ist La . Jetzt m de « Besitz
- D £r ir,^ 6 ^ ttÄ e r hnt ™-
aus dem v' nach HereuJes die w. • ' den Irrtu m des
dem Verständnis der ^.5?*? m * »ich führt,")
en a The.an,on „f^ee W R erk,ä " =
R ^e Ei^hrunX p r -" IeS " ' ^
Ütty^Ä ?r Weise - *
des ftST *5? da ! englische wie das ? f. ümst and, dass
>- e „:r g t„ da : ^ äs v ie ^
Dares 2 » 5 - » ' Und z ^ar in p„ Randes dem Wort-
Laomedon nn fifc aveit H V 186
* « este, ürsr a *r * 2*
s. h. v. I72 . *• «4 u. cud^
> ed - Meister, 8 S fi i «
» 8l ö * 6 , 1; S. 5, 18.
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17
2858:
Et quant co Ii fu annoncie,
(Que Troie et tote la contree
V. 195:
Whan he vndirstode botlie all and
Estoit destruite , arse et robee,)
— Zuvor, sagt der Dichter,
wusste Priamus nicht:
V. 194 :
How the Troyens were down
brought. —
V. 196:
Et sis pere ocis (et sa mere) His fader was slayn Sir Lymadon
Et ses ßerors et tnit si frere, And his thre bredryn Mm by
Fors une sole, la plus sage, And also his sistryn lad away.
Qui en fu menee en servage.
B. erwähnt also hier, dass mit dem Vater auch sämtliche
Brüder des Priamus im Kampfe erschlagen worden sind. Bei
der Schilderung des Kampfes lässt darüber B. nichts verlauten.
Wenn der me. Dichter — H. V. 162 — das Gegenteil thut,
so könnte man glauben, dass er vorweg genommen habe, da
von allen Dares-Hss. nur G so ) die Brüder des Priamus gleich-
zeitig mit Laomedon getötet werden lässt. Der me. Dichter
hat aber gerade Dares G benutzt, denn er sagt von Pelias —
H. V. 25 — he was kyng of Pelpeson, ganz entsprechend
Dares G: 81 ) rex fuit in pelopenenso. — Nur noch Dares M
kennt den Peloponnes, nennt aber Pelias nicht König. Da
ferner B. die Dreizahl der Brüder nicht kennt, so steht ausser
Zweifel, dass die Übereinstimmungen des me. Gedichtes mit
Dares G auch wirklich aus der Benutzung der letzteren Hs.
erklärt werden müssen.
Die Klage des Königs Priamus zeigt einen sehr freien
Anschluss an B.'s Darstellung —
B. V. 2875:
Pere qui vos a mort.
2898:
Et si ont ma seror menee.
2896:
Toz les ont les Grezeis ocis.
2897:
Tote ont destriute la contree.
2879:
Assez plora et fiat grant duol.
Dass seine Brüder getötet worden sind, erwähnt der Priamus
des B. nicht — H. V. 200; nicht in L.
30 ) s. Greif, S. 162; Dares ed. Meister, S. 5, 17 Anm.: Laome-
dontis filii qui cum eo fuerant occiduntur hypsipilus uolcontis ampitus
— also drei Söhne.
31 ) s. Meister, S. 2, 1 Anm.; dazu oben S. 9.
H. V. 199:
Alas who hathe my fadir slauwe.
201:
And raveshed my snster dame
Ysyon.
Alas frendes nowe have I none.
And treuwe Troye is J>us distroyed.
He sorowed ay and was anoyed.
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18
Von den Kindern des Königs macht der me. Dichter nur
die drei Söhne Hektor, Troilus und Paris namhaft und erzählt
hierauf den Traum der Hecuha und die Jugendgeschichte des
Paris — bi s V. 246. Da diese Episode sich nicht hei B.
findet, so fallt die Besprechung derselben dem zweiten Teile
unserer Abhandlung zu.
Die me. Schilderung der neu aufgebauten Stadt regt
äusserst wenig zu einem Vergleich mit derjenigen B.'s an.
Erstere ist einmal sehr kurz — H. VV. 246 — 74; L. VV.
285 — 314. Dann bietet sie manches Neue dar. B. gedenkt
nicht des Lohnes der Maurer — H. V. 253; nicht in
L. — weiss nichts von einem Festungsgraben, der so breit
und tief ist, dass grosse Schiffe zur Zeit der Flut darin fahren
können — H. V. 264; nicht in L. — noch hebt derselbe
hervor, dass die Stadt nur durch Verrat eingenommen werden
könne — H. V. 273. Die Zugbrücken und Fallthore hat B.
auch nicht erwähnt — H. V. 260. Nach H. V. 259 hat die
Stadt 32, nach L. V. 293 jedoch 7 Thore, wie bei B. und
Dares. Gewiss war es für den me. Dichter leicht, das Bild
einer Festung sich nach eigner Anschauung zu entwerfen.
Nur in der Hs. L. des me. Gedichtes ist in Kürze der
Königsburg Ilium gedacht. In einem der prächtigen Gemächer
des Palastes stand ein Altar mit der vergoldeten Statue Jupiters.
Der me. Dichter oder besser der Schreiber der Hs. L. nennt
Jupiter einen „Mahomet, reich an Gold, Silber und Edel-
steinen". Mahomet kann aber im Mittelalter irgend ein Götzen-
bild, also auch eine Jupiterstatue bezeichnen.
Im Übrigen zeigt die Beschreibung Anschluss an die
französische Vorlage —
B. V. 3029:
A une part font Ylion,
De Troie le mestre danjon. L. V. 303:
Cel fist Prianz a son oes fere, In Troye he made a tour
3033: L. V. 304:
Onque nns fet n'en fu autex. Of alle toures hit was flour
3078: 313:
Molt par fu de riche facon. A richer hade neuer no kyng.
3105: 305:
I fist Ii reis un bei autel, And in be tour he made an auter
3111:
L'image au De ou mielz creieient,
3113:
C'est Jupiter Ii dex poissanz: Of ]>e false god sire Jubiter
Cele fist faire Ii reis Prianz A mawmet riche for be nones
Del meillor or qu'il onques ot. Of goldseoluerandpreciousstones.
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19
* B. erzählt — V. 3159 u. ff. — dass nach dem vollendeten
Wiederaufbaue der Stadt ein grosses Fest veranstaltet worden
k sei. Der me. Dichter macht daraus ein Krönungsfest — H.
R V. 277 u. ff. — an welchem der König sich und sein Weih
ät krönt, Hektor zum Mitregenten erhebt, Paris mit einer Graf-
schaft belehnt, und die übrigen Söhne zu Lords macht. Diese
0 Bemerkung findet sich nicht in L. Ob vielleicht ein ent-
b. sprechendes zeitgenössisches Ereignis dem Autor der Hs. H.
1 vorschwebte?
I, Nach Verlauf des Festes beruft König Priamus das Parlament
in ein. Er eröffnet dasselbe mit einer Rede — H. W. 286—97 —
il worin er unter dem Hinweis auf die gewichtigen Gründe den
JD Krieg gegen die -Griechen befürwortet —
be B. V. 3183: H. V. 286:
a Jor a assis de parlement 89 ) And maketh a ryalle parlement
| 3195: H. V. 290:
je Seignor, fet il, entendez mei: Lordyngis he seyd thus and thus
il Bien savez la malaventure Ye wote whannej)ey of Qrece come
H Et la lede desconfiture
i Que Ii Grezeis par lor oltrage (And j>is lond robbed and nome)
Krent de no.tre bnen lignage: 1 om ^ de
Mon pere ocistrent par nul fuerj
Ne m'istra mes Tire del euer, \ _ , , , ,
l o • » • • , > Grete cause have we tobe avenged.
)t Se gie n'en puis venjance aveirj
i Der König gedenkt dann noch der Entführung seiner
Schwester und schliesst den ersten Teil seiner Rede mit der
Erklärung:
B. V. 3219: H. V. 296:
„Molt est bien tens de guerreier". We shnll hem yeve newe batayle
And werre on hem.
das geschehene Unheil vergessen zu wollen sich bereit findet,
sobald die Griechen der Aufforderung, die Hesione frei zugeben,
nachkommen würden. Andernfalls sei der Krieg unerlässlich.
Das ist der Inhalt des zweiten Teiles der Rede. Der englische
Dichter wendet die Sache so, dass der König die Kriegspartei,
das Parlament die Friedenspartei vertritt. Letzteres fordert
daher ganz energisch den friedlichen Ausgleich, den Krieg
nur dann, wenn ersterer sich als unmöglich erweise:
B. V. 3222: H. V. 302:
Mes primes nos covient saveir, And of your baronns send thedyr
305:
Se par nul plait la nos rendront. And loke if j)ey wull . . .
82 ) Dieser Vers ist schon von Greif herangezogen worden.
2*
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20
3225: 307:
Manderai lor qu'il la me rendent, . . . brynge ageyne £y sustir right
310:
Et puis apres s'il la contendent, If J>ey no wull doth your avyse.
A V08 trestoz et ä nies fiz
3229:
Prendrei conseil de guerreier.
Man könnte hier die Frage aufwerfen, ob diese logisch
berechtigte Änderung an der Darstellung B.'s das Werk des
me. Dichters ist, oder ob er sie in einem umgearbeiteten
Trojaroman bereits vorfand. Die Antwort auf diese Frage
wird erst im zweiten Teile dieser Abhandlung gegeben werden
können, zugleich auch eine Erklärung dafür, wie der Verfasser
der Hs. H. duzu gekommen ist, den Hektor anstatt Antenors
als Gesandten nach Griechenland gehen zu lassen. An derselben
Stelle wird der Aufenthalt des Gesandten im Feindeslande zur
Besprechung gelangen.
Unverrichteter Sache kehrt Antenor, bez. Hektor, nach
Troja zurück, wo er dem Könige über den Erfolg seiner
Reise Bericht erstattet:
B. V. 3638: H. V. 347:
. . . Antenors lor a retrait, And told sir Prianms eneri worde
Et les reproches et les diz. How he was rebuked ende and orde.
B. V. 3634: H. V. 350:
Molt fn iriez Prianz Ii reis. He was füll wrothe it was well
sene").
Der me. Dichter erzählt hierauf abweichend von B. und
Dares, wo dieselbe Thatsache weit später geschieht, wie Priamus
40 Kriegsschiffe bauen lässt und die erforderliche Mannschaft
in Kampfbereitschaft stellt. Die Darstellungsweise erklärt sich
insofern aus der B.'s, als nach ihm Priamus dem Parlamente
den Bericht Antenors übermittelt und im Anschluss hieran den
Antrag auf Rüstung und sofortige Eröffnung des Krieges stellt:
B. V. 3679: H. V. 355:
Eslisons tant de nostre gent. And gadered swythe be his conseyle
Com il nos vendra ä talent,
De Chevaliers prouz et hardiz, A nobill ost with out fayle
De totes armes bien garniz; H. V. 359:
Si enveions en lor contree, The kyng thyngketh no longer
to lende
Tot belement et ä celee. Butdyghthim forth redy to wende.
8S ) nicht „sone", wie Zietsch es hat; in der Hs. lässt sich e
leicht mit o verwechseln.
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21
Nach dem me. Gedichte bleibt Priamus auf Hektors Bitte
hin zu Hause und betraut jenen mit der Führung des Krieges.
Auch dieser Umstand erweist sich bei näherer Prüfung als eine
Umgestaltung der Darstellung B.'s. Nach ihm — V. 3700
u. ff. — drückt das Parlament dem Könige, der die Eröffnung
des Krieges wünscht — s. oben — seine Ergebenheit aus.
Daraufhin übertragt Priamus seinen Söhnen vorzugsweise aber
dem Hektor die Führung des Krieges. Hektor erklärt zunächst,
dieselbe übernehmen so wollen. Diese drei Momente die
Zustimmung des Parlamentes zum königlichen Entschlüsse, die
Ansprache des Königs — V. 3710 u. ff. — an seine Söhne,
an Hektor im Besonderen, endlich den ersten, beifalligen Teil
der Rede Hektors — V. 3751 — 75 — fasst der me. Dichter
in der Weise zusammen, dass er Hektor zum Vertreter des
Parlamentes macht, ihn die Würde des obersten Kriegsherrn
verlangen und den König hierzu seine Zustimmung geben lässt
Der zweite, abfällige Teil der Antwort Hektors — B. V. 3776
u. ff. — wonach derselbe sich der ihm zugemuteten Aufgabe
nicht gewachsen erachtet, konnte in dorn me. Gedichte keinen
Platz finden. Besonders war der Einwurf Hektors — B. V. 3810:
Ensorquetot n'avez navie — nicht erlaubt, da, wie wir wissenj
die Flotte zur Abfahrt bereit steht. Vorstehende Behauptungen
dürften durch den Vergleich folgender Verse noch an Wahr-
scheinlichkeit gewinnen.
Priamus an Hektor:
B. V. 3737:
„Hector, biau filz, tu ies Ii maire,
3740:
... tu ies molt sages et proz."
B. V. 3738:
„Sire seras de cest affaire"
B. V. 3798:
„Tu en seras Ii chief de toz.
3746:
De toz auras la seignorie,
La poeste et la baillie."
Hektor an Priamus:
B. V. 3769:
Molt par m'est tart, et mollt coveit
Que de noz genz bataille seit
Envers la lor u . . .
Priamus an Hektor:
B. V. 3741:
„En tei sera Ii recovriers".
H. V. 361:
Ectour the prince that was eldest,
Of all {>e kyngis sones he was boldest
Hektor an Priamus:
366:
„And J>y host I wull take"
H. V. 372:
And — Priamus — taketh him all
bis power
Andbad him take his host and gone.
Hektor an Priamus:
366:
• • . „I wull . . .
. . . werryn with our enmyes
And stoughtly bryng home^e pryce.
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22
V. 370:
And — Priamus — J)enketh he —
H. — wull be good werrer.
Es ist anzunehmen, dass der me. Dichter diese Ab-
weichungen von der altfrz. Vorlage selbständig unternommen
hat, da wir solche bei Konrad von Würzburg nicht finden.
Die Bemerkung des Paris, dass das beabsichtigte Unternehmen
sowohl unter der Leitung des Priamus wie derjenigen Hektors
fehlschlagen werde, der Einwurf des Priamus, Paris müsse
Beweisgründe dafür beibringen, dass er auf grösseren Erfolg
hoffen dürfte, als Hektor, dessen „zehnfache" Überlegenheit
doch anerkannt sei, haben nichts Entsprechendes bei B. Im
Übrigen scheint der me. Dichter vorweggenommen zu haben,
was B. dem Berichte des Paris über den Apfelstreit der Göttinnen
folgen lässt. Das scheint aus der Art und Weise hervorzugehen,
in der Paris die Übernahme der Kriegsführung von seinem
Vater fordert.
Nach dem Apfelstreite: Vor dem Apfelstreite:
B. V. 3904: H. V. 387:
Sire, se vos le volez bien, And if ye wull be leven her
Gie i irai molt volentiers, I wull go with your poere
(Mes que gie aie buens Chevaliers,
Qu'en lor terre poissons forfere;)
Aioz que seons mis el repere,
Lor aurons tel damage fei And I will batayll and werryn
Qui a toz jorz sera retret. Men shall speke J>er of forenermoo
Nach dem Apfelstreite,
V. 471:
Therfore I have will to wend
In to Grece all hem to shend.
Was nun die Darstellung des Apfelstreites betrifft, so
lassen sich zwar hier und da die Spuren B.'s noch wahr-
nehmen, doch erscheint sie im Ganzen wesentlich verändert,
an der einen Stelle verkürzt, an der anderen erweitert. Sie
wird uns im zweiten Teile unserer Abhandlung nochmals be-
schäftigen. Hier haben wir nur zu erörtern, in welchem
Grade diese in der mittelalterlichen Poesie so oft behandelte
Episode des me. Gedichtes mit der Darstellung B.'s überein-
stimmt. Die Hs. L. macht im Anschluss an die französische
Vorlage 84 ) den Apfelstreit zum Gegenstand eines Traumes, den
Paris träumte, als er einst im Walde, von den Anstrengungen
der Jagd ermüdet, niedersank. Indem die Hs. H. diesen Teil
*) a. Greif, S. 161.
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23
der Episode fort gelassen hat, wird letztere zum wirklichen
Ereignis und gewinnt so an dramatischer Lebendigkeit, die
durch Zusätze erhöht wird. Wir werden zeigen, wie B. selbst
durch die Art und Weise seiner Darstellung denjenigen Ab-
schreibern, bez. Übersetzern, welche auf Erweiterungen ihrer
Vorlage ausgingen, genügende Anregung gegeben hat:
Mercur spricht zu Paris —
B. V. 3861:
Treis deesses vienent ä tei,
Por lo jugement d'un otrei.
V. 3863:
Une pome lor fu gitee
erzählt:
H. 400:
Thre goddes an apull fonde
D'or massice, tote letree.
Lea letres dient en grezeis
H. 405:
That apull was with gold begreue
L. 487:
|)er on was in lettrure
H. 406:
And seyd the fayrest it shuld have.
Qu'a la plus bele d'eles treis
Sera la pome quitement.
Entr'eles a descordement
V. 3869:
Chascune plus bele se fait.
Bei B. V. 3863 könnte man nun fragen oder weiter aus-
führen, von wem und warum der goldne Apfel den Göttinnen
vorgelegt ward — s. H. VV. 403—4. Der in W. 3868—9
bei B. nur angedeutete Streit der Göttinen Hess sich leicht
dramatisch gestalten, indem der Dichter jede der letzteren
redend vorführte — s. H. 407 — 16.
H. W. 417—26:
Mercur spricht zu Paris. —
B. V. 3877:
Conseil quistrent, gie lor donai:
Juno regt die Wahl eines
Schiedsrichters an; als solchen
schlägt Venus den Paris vor :
3887:
Par tei lor covient ä saveir
Qui la pome devra aveir.
3883:
Eies otroient bonement,
Que tu faces lo jügement.
Also auch der bei B. V. 3877 ausgesprochene Gedanke
war eines dramatischen Ausbaues fähig, da ja diesem Ent-
schlüsse eine Beratung — s. H. VV. 417 — 21 — vorausgehen
musste. Nach B. erzählt ferner Paris:
H. V. 427:
Best it is oor juge J>at he be
Who shall it have of vs thre
AU [) e y graunted J)erto iwisse
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24
B. V. 3889: B. V. 3891:
Cascune conseilla ä mei Soz ciel u'a rien que gie volsisse,
Priv6ement et en segrei. Qu'ä icele ore n'en traisisBe,
N'i ot cele molt ne m'offrist.
Die drei Göttinnen besuchen also einzeln den Paris und
suchen seine Gunst durch hohe Versprechungen zu gewinnen.
Hier lag die Veranlassung nahe, jeden Besuch einzeln zu
schildern, sowie die Art der Versprechungen anzugeben. B.
beschränkt sich auf das Versprechen der Venus:
B. 3894: H. V. 445:
Et Venus me preia et dist, Ther fore Parys J pray the
Que se la pome Ii donoie, That appull {>at j)OU graunte me
B. V. 3897: H. V. 450:
Feme de Grece me donreit A feyre leman J will yeve {>e
La plus bele qui i sereit. Thon shallt have the fayrest leman
V. 458:
La pome issi H otreiai, Venesse was fayrer J>anne J)re
Et de bialte* plus la loai. Ther fore I graunt her to have
That appul.
Nach dem me. Gedichte sagt Venus zunächst nicht, dass
das schönste Weib eine Griechin sei. Erst nachdem sie den
goldenen Apfel erhalten hat, sagt sie ihm ihre Unterstützung
in einem Feldzuge gegen Griechenland und bei der Erwerbung
der schönsten Frau zu — s. H. v. 463 — 70.
Paris spricht zu Priamus — Venus zu Paris:
H. V. 466:
B. V. 3902 : Whanne thou will to Grece gone
Gie 86 trös bien que la deesse For no byng the no drede
M' aidera, gie n'en dot rien. With out dought J>ou shat welle
spede
und die schönste Frau gewinnen — W. 469 — 70.
Aus Vorstehendem ist ersichtlich, dass die me. Darstellung
des Apfelstreites teils umgestaltet, teils erweitert, aus der ent-
sprechenden des B. hervorgegangen ist. Die weiteren hieran
sich knüpfenden Fragen werden späterhin zur Beantwortung
gelangen.
Nach dem me. Gedichte sind sämtliche Söhne des Pria-
mus gegen die Führerschaft des Paris. B. lässt dagegen
sprechen Helenus, Cassandra und den Seher Panthus. Allen
ist gemeinsam die Befürchtung, dass Troja einst von den
Griechen zerstört werden würde, wenn Paris jetzt gegen sie
zu Felde ziehe, bezw. sich ein Weib aus Griechenland hole:
H. V. 473:
1) Helenus : g ir Ectour and his bredryn alle
B. V. 3949: 475:
Se il de Grece ferne ameine, . . . seyd if Alisaunder Paris
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25
3952:
. . . les Grezeis vendront sor nos, Goo to Grece to wynne the pryss
Ylion abatront sanz faille , Men of Grece will stynte no stounde
Par vive force et par bataille. ErthatTroyebebrought togronde.
2) Panthus: 3) Cassandra:
B. V. 4082: B. V. 4131:
. . . tote Troie et tot l'enpire Se ferne a de Grece Paris,
A Paris molt enpirereit, Destruite iert Troie et le pais
Se il de Grece ferne aveit.
Die Rede des Helenus mag entschieden dem me. Dichter
als Vorbild gedient haben. — Trotz des allgemeinen Abratens
betraut Priamus Paris mit der Leitung des Krieges. Da be-
kanntlich die Flotte schon bereit steht, kann Paris ohne
Weiteres die Anker lichten. Zuvor ermahnt Priamus Paris,
sich seiner hohen Stellung würdig zu zeigen. Es ist hier eine
Anlehnung an B.'s Darstellung nicht nachweisbar. Die kurze
Schilderung der Flotte — VV. 489 — 93 — fehlt ganz bei B.
Die Verhältnisse, unter welchen der Aufenthalt des Paris in
Griechenland — H. V. 497 u. ff. — stattfindet, sind zum
grossen Teil verschieden von den entsprechenden in B.'s Ge-
dicht. Wir werden sie im zweiten Teile unsrer Abhandlung
eingehender betrachten. Nach dem me. Gedichte ist die Resi-
denz des Menelaus und der Helena Capharnoum — s. H. V.
525 — die Cythera B.'s. Weder David, noch Salomo, 85 )
noch Alexander der Grosse, 35 ) sagt der me. Dichter, hatten
eine so herrliche Burg. Helene besitzt so grosse Schönheit
und Herzensgüte, dass sie selbst ein Vergil, ein Aristoteles 35 )
und Nectanabus , 35 ) den Olympias ob seiner Gewandtheit im
Lobe schöner Frauen mit dem Ehrenkranz schmückte, würdig
zu preisen nicht vermocht hätten. Das Zusammenbringen der
Namen Nectanabus und Olympias bekundet allerdings die
Kenntnis der Sage von Alexander dem Grossen. Weiterer
Anschluss an dieselbe, wie Zietsch ihn annehmen will, ist
nicht nachzuweisen. Die Hs. L erwähnt jene beiden Namen
überhaupt nicht, ebensowenig die des Vergil und Aristoteles.
36 ) Nach Pseudo-Kallisthenes, Kap. I ff., ist Alexander der Grosse
der Sohn der Olympias und des Nectanabus. Dieser, ein ägyptischer
König von grosser Gelehrsamkeit, flüchtet sich nach Macedonien.
König Philipp ist abwesend. Nectanabus verliebt sich in Olympias
und weissagt ihr, der unfruchtbaren, dass sie von Jupiter Amnion
einen Sohn gebären werde. Olympias wird das Opfer eines Betrugs.
Vergl. Lamprecht, Alexander, Gedicht des 12. J. H.; Ausg. v. Weissmann,
Bd. 2, S. Sff.j Ausg. v. Kinzel, Halle 1884, Baseler Einleitung, V. 69 ff.;
Strassburger Alex, erwähnt V. 70 ff. die Herrlichkeit Salomos. — Von
Aristoteles redet Pseudo-Kallisthenes, Kap. 16.
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26
B. beschränkt sich im Preise d«- -La „ ,
allgemeine, volkstürnUchrCriethe S""? Äuf ««"
nicht hat entgehen lassen: ' der me ' Dichto «ch
B. V. 4304: _
De totes dames 1» plus bele n,« t , , 36 :
Ain Z aus ae vit plus aveaaat ^ 1&dy hrjeH Md
Unques ne nasquit ea cest monde Favrer fi,™.^
Dame si bele *ayrer formed was neuer
5109: none ~ In m * World . . .
Sormontot de bialte Heleine Tote ri.„ •
.. Auch der Bericht, dass *T T? T**
gunstigem Winde beschleunigt 8 Ü u der Grie eben von
B.'s su beruhen: 8SCWeun, S t Wlrd . »ehemt auf der Darstellung
B. V. 4197:
Dreit vent oreat et coie mer, Thev H ' V ' „ 494:
4201; ' Ihey hadd y n good wynde
Vers Grece out dreciees lor Teiles t
4237 : ' and forth gothe
X arrif/rent1,Tai a nagiSrent ' Nyght Md *»• forth the y drive,
Qni esteit ä lor enemis „
Man vergleiche hierbei H VV eT «iT« *** th6re m
B.W. 959-67, H20 -M «Ja« „f 8 ' 11 *— 14,316-17!
W««, in ähnlicher Welse'« b u" 88 ' 3266 ~71. ™ Meer-
_ , Nach dem me. oXhT^V «S^
Helena von der AnwescnheU deT pL 2 *J ~ ist der
Kunde geworden, un d aie «, «! T U des » edlen Ri "e™ u ,
Wunsch, den schöncnV r'^ 6 " 1 Damen
benachrichtigt hiervon dTftTi ZU WoUen - Ein
bietet diesem die willkommene GeLÄ Ü^ 086 Pe8tIic hkeit
=e,gen. Diese Art der D aP »^P e " dar ' 8ich der Helena
a*' den ersten Blick auch ™2 * DU °' 80 fremd si « <™
^e B.'s zurückführen S^TT läSSt sich d °<*
hat Helena von der Anwesenheit H i> ■ V " 4299 u " ff - ~
'b^en Frauen mit, dass IL ^ch V ^ gehört Sie teiIt
Festes in den Tempel begeben w 7 Gef °' ge 8m Ta <?° *»
'osen. Es i8t also P hier S e 7"!' T «*
Helena von dem Wunsche Tar ! den , Ze,Ien ™ lesen, dass
gefuhrt wird. Deutlicher '^n ^ " aCh dem Tera P eI
»um Alexander in in 8U la cS * ' X: At He leua . .,
Aber dass Helena den iJl 8S8et ' P lacnit * ; <>° ire.
■hren Frauen ausspricht, zu dl e S ern gerU ,? d ihres Handelns vor
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27
Helena kommt mit glänzendem Gefolge zum Tempel:
B. V. 4314: H. V. 573:
Puis espleita de chevalchier, With her went moche grete chy-
ualrye
AI temple vint o sa mesni6e. And cometh to £>e temple on hye.
Paris, der herbeigeeilt ist, und Helena, betrachten einander
mit sichtlichem Interesse :
B. V. 4324: H. V. 575:
Et — ■ P. — tant revint, et tant ala, With outyn the temple ej)er oder
Quo il la vit, et ele lui: metis
575:
Molt s'entregarderent andui Ether beholdeth oder lovely
Wonder long sekyrly.
Paris kann nicht umhin, sich an Helena heranzudrängen,
und ihr Worte der Bewunderung zuzuflüstern , die — nach
B. V. 4339 u. ff. — jene zum mindesten freundlich hinzu-
nehmen scheint. Nach dem me. Gedichte findet einfache Be-
grüssung statt:
B. V. 4337:
Anceis — P. — se mist tant en
avant, H. V. 576:
Qu' alqnes Ii dist de son talent. And gentely ether other gretis.
Sie trennen sich. Nach B. begiebt sich Helena in den
Tempel, während der me. Dichter sie in ihre Burg zurück-
kehren lä8st. Paris, entschlossen, das schöne Weib zu ent-
fuhren, eilt nach den Schiffen und waffnet seine Mannen.
Dieselben erstürmen unter Leitung des Paris den Tempel, bez.
die königliche Burg. Nach B. nimmt nun der Kampf folgen-
den Verlauf: Die Trojaner machen das männliche Gefolge
der Königin zum grossen Teile nieder und bringen Helena,
die übrigen Frauen und die Tempelschätze nach den Schiffen.
Der Tempel befindet sich aber in der Nähe des Hafens, ent-
fernt von der Stadt. Erst als das Kampfgeschrei bis dorthin
gedrungen ist, eilt die Besatzung herbei, schlägt den Trojanern
empfindliche Verluste, kann jedoch nicht hindern, dass die
Feinde mit ihrer Beute entkommen. Indem nun der me. Dich-
ter den Kampf in die Stadt verlegt, stellt er den Gedanken-
gang B.'s auf den Kopf. Zwar erleiden anfänglich die Tro-
janer grosse Verluste , aber die Tapferkeit des Paris entscheidet.
Es gelingt den Trojanern , die Feinde niederzuwerfen , Helena
zu entführen. Dass trotz des Umstandes, dass Menelaus am
Kampfe teilnimmt, die Darstellung des me. Gedichtes in der
oben angegebenen Weise auf die französische Vorlage zurück-
zufüliren ist., soll im Folgenden eingehender bewiesen werden.
Nach B. zerlallt der Kampf in zwei Teile :
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28
H V 59 Kampf =
The folke of Ihe 5 Cile defended * V ' 4823 ~ V " 4634
hem faste
601 T> TT
Alisaunder leseth manv men t l' 30 '
That lay to dreve in thaT L nP J't 1 .. SOüffrirent ^ ranz Oschles
m uat fenne. Li Troien por eis deffendre
4535:
Cil d' Elee molt les ledissent
Dank der Tapferkeit A„ a p A - POi qU j toz ne desconfisent.
die Seite der Trojaner ***** ßich der Sie * auf
H. V. 603 bis V. 608- ^ „
he fauht as a g„d baroun ^ ^
Many grete >„rd he drave adewn. Tuit ^fJrtTdU^
B. V. 4485:
Tlmltim» rm „ , B - V. <*493:
■ • • doughtyth him -ore of Ms W temP ' 8 8 ° nt eskai '
And fleth awey and forth goth
No man wote wher he is becom M„„ . , ,
„ Paris entführt die Helen» nTf T" 64 ^
Seine Mannen plündern _ mancher edlen Frau.
H. V. 6U:
And Alisaunder the Ouene h.tk t . B " V- 4487 :
«neue hath L a be l e , , a cortej8e
V. 618: Pristrent tote primeraine
AndmonjcounteyesandladiesaUn m • . B ' 44911
The fayrest hat tnyght „ ™ 0 SSlta^T ff"*"
H. V. 620- "Mtrent o he riches et beles.
Therewhylehismenrobvn.n^ , B - V - U9S -
In all J, at countre "o^eT ff B tem * Ie ° «*-
Ob di« v lessierent or ne argent.
B.'. auf BeÄdS^^y»'«^ d <* D^teHung
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29
Paris im Hafen von Tenedus. Vielmehr treffen wir den Paris
sogleich — H. V. 623 — zu Hause an. Wir springen also
zu B. V. 4795 u. ff. üher, wo erzählt wird, dass Priamus dem
heimkehrenden Sohne entgegengeritten ist. Dieser stattet jenem
Bericht üher seine Erfolge ab. Die Bemerkung, dass Menelaus
leider entflohen sei, kann natürlich hei B. nicht erwartet werden.
Im Übrigen darf Anschluss an B.'s Darstellung angenommen wer-
den. Paris erzählt,
1) dass er die Griechen im Kampfe besiegt, 2) ihre
Königin entführt und 3) reiche Beute gemacht habe:
1) B. V. 4815: H. V. 627:
Conta Ii la desconfiture, I have distroyed in all ]>yngis
Que il firent par nuit obscure, Of Grece j)e grete lordyngys
631:
2) Et moatra Ii cele qu'il meine, The Quene I have whyte aa flour
3) V. 4811:
Coment Ii temples fu brisiez 633:
Et Ii granz aveirs gaaingniez. Gold and siluer grete and smalle
The tresour of j>e conntre all.
Priamus freut sich seines Sohnes :
B. V. 4807: H. V. 635:
Son fils Paris aime et jo'ist. Sir Priamus was glad tho
That Alisaunder had sped soo.
Nach B. zeigt sich der König sehr höflich gegen Helena
und bemüht sich, sie, die Klagende, zu trösten. Der me.
Dichter schiebt an dieser Stelle — H. VV. 637—44 — die
Klage der Helena ein und lässt Paris selbst den Tröstenden
sein. Dieselbe Scene spielt sich bei B. schon früher im Hafen
von Tenedus ab — s. B. V. 4619— V. 4648. Doch haben
die beiden Darstellungen der Klage nichts mit einander gemein.
Nur auf einen Punkt sei hier aufmerksam gemacht. B. sagt
von der klagenden Helena, V. 4625 u. ff.: Et si regretot . . .
s'enor et sa richece . . . et sa haltesce. Die Entführte ist
also der Meinung, dass sie an Stand und Ehre verloren habe.
Dasselbe will die Bemerkung sagen, welche der me. Dichter an
den Bericht der Vermählung des Paris mit der Helena knüpft —
H. V. 649—50:
First she was quene and Empres
And she is now but a conntes.
Nach dem me. Gedichte ist Helena von vornherein mit
ihrer Entführung nicht einverstanden — s. H. VV. 617 — 18.
Nach B. und Dares gelangt Helena erst während der Reise
zur bessern Einsicht.
Im me. Gedicht erscheint Paris selbständiger im Handeln
als bei B.:
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B- V. 4845: „ .
A Paris Heleine esposee, * V ' 6481
K reis Prianz Ii a donee. her *° his
Molt Ii a riches noces fetes a .> ,. 653 :
4849 ' And holdeth a ft8 *« ™he aX ryall
Tldt eil de Troie celebrerent. «!.„„,„ k «' S
Inmitten der Festfreude Jl^T
Riffen. Die sich freuen ahn- S J"" VOm Sch ™™ er-
Bemerkung f eU ^ Ä^',*"?^ Leid. Di ese
Weissagung der Cassandra " V ^k**** *" beWlb «»*'
das Ereignis fi r Menelaus. Die Kiage _" s Ä *
v. 671 — fehlt bei B.: — s. H. V. 668 —
B. V. 4767:
Molt fu Menelax anguissox H> V ' 663 ;
dolans et tristes et hontoz- a vt A* * Monalft y
Molt ft, destreiz, molt Pen'pesa He wk Vffht ttd ^
He leveth m mornyng and strife
Er lässt seinen B ra( W A ^ remembrith ■ ■ .
B. V. 4775;
Meneitt nn message prent, H ' V ' 674 '
1 envoia isnelement n
A son frere qu e i\ ave it 8eDt fast after Wb brod ir
W molt bnens Chevalier esteit. That was cl^rf a
4781: cleped Agamenonn
Agamennon iert apelez. rr
Man bemüht sich, Menelaus m J£. * "* ' n ° bÜ ^
B. V. 4927:
Agamennon H. V. 679:
Son frere conforte sor toz n l t0 in aI1 maD <* thyng
ff Agamemnon schlägt den, Brud ^ ^
waffenfähigen Männer t^Ü?^* **** an alle
B. V. 4968: 8 ZU la8Sen;
Mes or pensons del enyoier « , , H - V. 681 :
Par totes terres sns et jus f ad him ^ ve I>anne send
A reis, ä contes et a dus ' m hla kyndom *> eche ende
100 eneri m ™ yong and elde
Semons seient d'aler ä Troie t 686:
Menelaus befolgt den" Ratsch W ^ hi — n.
B - V. 4986: S '
Ont par Qrece l e mes tramis q- ™ K Y ' 687 •
» ot -i, ne dne, n'anma; 1 :; « on hyyng
loo Duke Erle and eueri lordyng
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31
Riehe conte, ne vavassor That eneri of hem to Mm bryng
Qui n'i venist s'il fu semons. Too ther power in all J>yng.
Den Sammelplatz Sparta — B.'s Parte — macht der me.
Dichter nicht namhaft:
B. V. 4995: H. V. 693:
Vindrent a Parte oü eil esteient. And comyn in to a certeyn stede
Qui de l'oyre s'entremeteient. And ryght soo eueri lordyng dede.
Mit H. V. 695 hebt das Verzeichnis der griechischen
Helden und der Schiffe, die sie mit sich führen, an. In dieses
Verzeichnis, den Schiffskatalog, verwebt der me. Dichter die
Charakteristik der einzelnen Helden. Mit einer solchen werden
nur Menelaus, Agamemnon und Ulixes bedacht. Der Anschluss
sowohl an B. wie an Dares ist z. T. deutlich erkennbar.
Von Menelaus heisst es H. V. 697: His hede was rede
Iiis her also. B. weiss nichts hiervon. Dagegen nennt Dares,
XIH, den Menelaus „rufum". Die Erwähnung seiner Tapfer-
keit weist auf B. hin:
B. V. 5134: H. V. 699:
Reis ert biaux et pronz et hardiz. He was egre and hardy also.
Die kurze Schilderung des Agamemnon schliesst sich eng
an B.:
B. V. 5131: H. V. 706:
Molt esteit nobles et penos, jjat was a duke a nobill man
D'aveir riches et gracios. ffayre of body queynte and ryche.
Nach B. ist die Hautfarbe Agamemnons weiss wie der
Schnee. In der Schilderung des Ulisses scheint der me. Dichter
das vereinigt zu haben, was B. von Achilles und Ulixes sagt.
Denn bis hierher macht sich im me. Gedicht die Rückwirkung
der Achillesepisode — H. V. 984 — V. 1154 — fühlbar.
Achilles befindet sich ja als Mädchen verkleidet, aller Welt ver-
borgen, am Hofe des Lycomedes auf Scyrus. Die Griechen
wissen augenblicklich gar nicht, wo Achilles ist. Daher wird
sein Name nicht im Schiffskatalog genannt.
An Gewandtheit im Gebrauche der Waffen kommt dem
Achilles Niemand gleich. Die Bemerkung B.'s wendet der me.
Dichter auf Ulixes an:
B. V. 5147: H. V. 717:
Grant pris avoit d'armes porter, In armes he was a nobill knyght
En nule terre n'ot son per. Noon hardier man bereth bonys.
6151:
Mort ert hardiz et corageus.
Achilles, bez. Ulixes, ist höfisch gesittet, freigebig; von
Ansehen heiter und frisch; B. nennt auch den Ulisses „höfisch"
— V. 5192.
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32
B. V. 6143: H . V. 714:
La chiere avoit lie et joiose. Glad of semblant and rody
5145:
Larges esteit et despensiers.
6192:
Mes larges esteit et corteis. Hende») and large for the nony 9 .
Menelaus hat 100 Schiffe , wie Agamemnon von Dares
an erster Stelle mit 100 Sehiffen aufgerührt wird. Agamemnon
hat somit nur 60 Schiffe. Ulixes hat deren 50, wie Ircesilaus,
der von Dares an dritter Stelle mit 50 Schiffen genannt wird.
Im Verzeichnis der übrigen griechischen Helden ist der me.
Dichter vorwiegend dem Dares gefolgt, wie Zietsch") zur
Genüge dargelegt hat. Dass gleichwohl der me. Dichter die
franzosische Vorlage nicht ganz bei Seite gelegt hat, dafür
scheinen folgende Punkte zu sprechen.
den Verse" 51 " ents P recoen «'»ander die folgen-
B. V. 6593: H y m .
ttl. aVT, * 1,en ° r Sk ArcheI< * I» 6 B »y»
Untre Archelax. 0f a]1 the ^ ^ ^
°f good men and hardy.
M„ £°a j 1 ",,' Archeley, kommt mit der auserlesenen
Mannschaft - de l'enor _ seines Landes. Diesen Gedanken
hat Dares nicht Auffällig ist die ähnliche Schreibart der
Bgcnnamen doch zeigen bereits Dares LG - Dares G aber
W,', «" , na ? h S ewiesen ™den ist, vom me. Dichter
benutzt — die Schreibart: Archelaus
V 7$ ^ Z r" tSCh " 8) ent8 P ricl >t »Sennes of Cypres« - H.
derselbe N vT" *S Cyi>r0 des Dares 6 ; ebensogut kann
derselbe Name mit B.'s „Euneus de Cipre« — s B V 5673 -
zusammengebracht werden, zumal unmittelbar darauf B -
käteloL g H " S ' T/t erhärten ' dass W^ichtlich des Schiffs-
Cz der 1! * • G t d,Ch ^' beS ° nder8 der ^ H, der Ein-
nuss der französischen Vorlas niMif m 1 * j
kann. In der Lesart L S Ä weggeleugnet werden
weitert; zweifellos mit Hütfe Z Darf S ~
Benehmt gtbraS andt ' hÜb8Ch ' ftia . "er jedenfalls vom Susseren
JJ) s. S. 12—13.
19, 3 inm 3 ' Zi6t8Ch ' a 13 - Dare8 - ed - Meiner, 17, 14 Anm. und
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33
Infolge der schon oben erwähnten Rückwirkung der
Achillesepisode ist ferner erklärlich, wenn nach der me. Dar-
stellung Ulixes das delphische Orakel befragt, was nach B.
Achilles thut. Zu diesem Schritte giebt nicht Agamemnon, wie
bei B., sondern Menelaus die Anregung, da Agamemnon erst
nach der Befragung des Orakels zum Kriegsherrn ernannt wird.
B. lässt dies vor der Befragung geschehen. Im me. Gedichte
tritt Agamemnon überhaupt ganz in den Hintergrund. Menelaus
erscheint auch nach der Übernahme des Oberbefehles durch
den Bruder als die leitende Persönlichkeit.
Abgesehen davon, dass Ulixes sich nach Delphi begiebt,
ist diese Scene im me. Gedichte im Anschlüsse au B. geschildert.
Dafür spricht schon der Umstand, dass die Darbringung eines
Opfers nachdrücklich hervorgehoben wird, was Dares, XV,
nicht erwähnt. Ausserdem schiebt Dares zwischen die Abreise
des Achilles von Sparta, dem Sammelplätze des Heeres, und
die Ankunft in Delphi den Bericht ein, dass die Trojaner,
welche von den kriegerischen Absichten der Griechen Kunde
erhalten, sich ebenfalls rüsten. B. und der me. Dichter haben
dies nicht gethan.
Agamemnon : Menelaus spricht zu den Fürsten :
B. V. 5768: H. V. 762:
A Apollo enveissons. We must doone Apolyn sacrifyse.
Das Opfer erwähnt A. am Schlüsse seiner Rede — V.
5780. — Die Fürsten geben ihre Zustimmung. Achilles, bez.
Ullixes, wird nach Delphi gesandt.
B. V. 5781: H. V. 764:
Ceste parole ont craantee And al J>e Baronage graunted
Tuit eil qui ele fu mostree. {)er too
Par lo comun esgard de toz, The kyng
V. 768:
1 vait danz Achilles Ii proz. . . . cleped Eluxes })at was uiekyl
to byhold.
Die Weihgeschenke, welche der Bote mit sich nimmt,
H. VV. 765 — 8, nennt B. nicht. — Wenn nach B. Agamemnon
den Fürsten vorschlägt,
B. V. 5768:
A Apollo enveissons — Prendre conseil de cest affaire,
Savoir ä quel chief porrons traire. —
so überreicht im me. Gedichte Menelaus die Weihgeschenke
dem Ulixes mit Worten ähnlichen Inhaltes:
H. VV. 771—2:
And herkyn at him hat we ne fayle
How we shall spede at ourbatayle.
3
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34
Nach B. nimmt Achilles mit sich Patroclus. Der Opfernde
trag dem Gotte im Gebet sein Anliegen vor. Der me. Dkh te
giebt den Inhalt des Gebetes - H VV 776-9
B. V. 5788:
Entrent el temple Appollinis
0 crieme et o devocion,
1 ont fete lor oreison,
H. V. 773:
And go{>e to e{> temple of Apolyn
775:
Andfalleth adown on his knees too.
Es folgt das Gebet, W.
776—9. —
H. V. 774:
And offered as J)e maner was J>o.
Sacrefice ont appareillte,
Achilles a sacrefie\
Was die Antwort des Gottes anhefriffV t,„* j
Dichter p a j„ l wu*» anoetriixt, so hat der me.
achter ^Gedankengang B.'s auf den Kopf gestellt:
As Grezeis, fet il, nonceras
Qu'el diesiesme an sanz nulle faille
Sera la fins de la bataille:
6800:
. . . el diesiesme an auront victoire.
5802:
• • . lors aurez tot acheve,
Car Troie iert prise et abatue.
H. V. 785:
... er this ten yere be gon
Ye shull ouercome hem euerichon
H. V. 783:
And loke J>at ye stynt nonght
Or Troye be to erthe brought.
B 's ™TZf' eht T,' daSS der me - Dicht <* die Darstelle
ö. « zum Te.l umgestaltet, zum Teil erweitert hat.
deu ÄTpru^- berichtet im ^ der öriech« über
Eluxes
H. V. 788:
• • . cometh to Monaly J>e kyng
He tellith him gynnyng and ende
How j>e ymage had isayde.
B. V. 5850:
* Athene«*») sont repairie.
Achilles conta as barons
Qo que Ii ot dit Ii respons.
Tote l'ovre lor a retraite,
Et la promesse qui est faite.
Heer -Yh. ^79^™ 0berbefehI
in Axü£ T 8ot ™U ? V d6r Calchas noch ^ ^eignisse
Tr^J'G^SS^^^ ***** ** ^chen
^nrückzufordern, erhalten aLf k PnamU8 ' Um HeIena
") Z U erwarten wäre Sparta, Parte - s. B. V. 4996.
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weniger offen zu Tage, ist jedoch aus mehreren Gründen un-
abweisbar. Zunächst werden Abreise und Ankunft der Ge-
sandten nicht durch Berichte andrer Thatsachen — wie bei
Dares XVI — getrennt. Dann giebt Priamus den Gesandten
gegenüber seiner Furchtlosigkeit Ausdruck, indem er auf seine
Macht hinweist. Bei Dares findet sich dieser Gedanke an
derselben Stelle — Kap. XVII — nicht. Eigentümlich ist
dem me. Gedichte, dass Priamus in seiner Rede nachdrücklich
hervorhebt, dass er die Nichtherausgabe der Helena als billige
Sühne für das von den Griechen an den Trojanern ehemals
verübte Unrecht betrachte. Im Übrigen ist natürlich besagte
Rede im me. Gedichte bedeutend abgekürzt. Vorstehendes
möge durch einen Vergleich noch mehr beleuchtet werden.
Nach B. macht Agamemnon u. A. den Vorschlag —
B. V. 6171: H. V. 808:
Manderns Prianz, parnozmessages, They sent to J>e kyng anon
And bad hem J)at J>ey shuld to
J>em sende
6173:
Que il nos face rendre Heleine; Dame Elyn her Quene hende
6176:
S'il ne nos fet dreit del meffait, And if he will soo god is
6177:
Donc aura il tort et nos dreit. Or we shull slene him and alle bis.
Priamus erteilt abschlägigen Bescheid. Der Ablauf der
Gedanken erscheint im me. Gedichte zum Teil verändert.
B. V. 6326: H. V. 817:
Prince8 destruistrent ceste terre. And ye distroyed al my lond
6328: 815:
. . . mes plus me peise Ye of Grece my fader slowe
De 50 qu'il m'oeistrent mon pere,
Ne me remest seror . . . And my suster fro hens drowe.
Darum kann der König den Wunsch der Griechen nicht
gewähren. Er fühlt sich stark genug, mit diesen den Krieg
aufzunehmen —
B. V. 6355:
<,!o sachent Ii Grezeis de veir
H. V. 823:
Que gie lor ferai a saveir, For I have here I vndirstond
Quel euer gie ai, et quels amis All J)e power of my lond
Assez ai gent en cest pai's. For to defende etc.
Troye . . .
Priamus schliesst seine Rede nach B. mit derselben Drohung,
welche im me. Gedichte Hercules vormals dem trojanischen
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Gesandten hinwarf Die Ähnlichkeit ist so auffallend, das S sie
nicht unbemerkt bleiben kann —
B. V. 6366: g y 341-
Se vos ne fussiez messagiers, And if bou were not a mesyngere
Ja vos esteut malement. Too wrother hele com bou Le
344-
Alez vos en hastivenient. Trnsse |>e out of bis lond Myve.
H VV J"7 ^ Räckkebr ^ Ge ^'
1 Z. 7 9 r 8 8 ö; e 3 r !S: e Dar8teIlung ähnIicher Vorgä ^
... * !t 1: V - 829 die Schilderung der Belagerungs-
kampfe. Sie zeigt Anschluss an die entsprechende bei B.
Letzterer erwähnt nirgends die Schleudermaschinen: ingyn -
n. V. ttö.1 — alttrz. engin; maungeneles — H. V. 838 -
altfrz mangonel ; treybochet - H. V. 838 - altfrz. trebuchet
Es M anzunehmen dass B., der seinen Roman in den achtziger
übeZ, !* u Jah ^ A ^ schriebt) die ScbleudermascbL
Äs::Äi, DeM der Trebuche ; wsr
B V 7i9n ' m . t ' eD ™" c «- ) Die „engeignes enpenies —
mit «-—i« - 8md . befiederte Boken, also gleichbedeutend
^■q««rel quamals cupenez bei B. V. 18878; me. qua-
B i. j „ T nichtc rarelle, wie Zietsch annimmt.
Auel der t» de °. E l , e e e \ der Grosse mit einem Hagelschauer.
Auch der me. Dichter hat dieses Bild angewandt.
B. V. 1717: H y m .
Ne^u* gre8le V6Dt And » hett «" ' with' dartis and
chai plus espessement b] t
Darz et engeignes^enpenees. As pyke as ony hayle ston.
Trei d M n et o 0 .rlr rbeleSteS 1 dazu H. V. 845 und vorhergehende
rrei M. et plus ä traire prestes / Verse
Kein Sterblicher sah je blutigeren Kampf _
-V. .110. TT TT Q 4 Q.
Horn vivanz ne porreit conter a * ' vT
v cit uonrer boo strong assaught as J>er be-
Lo duel qui fu a Tarriver c gaüne
Di« q^l L /' SaWe * ett neuei * n ™ erthely man.
Die J h ^waffe der Massen ist die Streitaxt _
As granz haches, trenchany Pf ifi öa mv , H - v - 8Ö3:
Se porfendent ff, ^ 0n ^ ° f 8teIe
J U 8 COrr6e8 ' An dfaughttogederhardyandwele.
b. Joly, I, S. 67.
J s Schulze, höfisches Leben, II S 828 n 9 17a
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Die Trojaner beschiessen von den Türmen der Festungs-
mauer herab die anstürmenden Griechen —
B. V. 7190: H. V. 857:
Mes eil qui furent es chastiax Eche toure is füll abought he
Qui par leg nes erent drecie" wa U e
Ont ensenble tret et lancie, Of arblast etc.
Par force les font trere en sus. Kenne arous etc.
Slengis stonys for to throuwe.
Der me. Dichter hat somit das französische trere et lan-
cier — schiessen — weiter ausgeführt.
Auch die Schilderung der Zweikämpfe verrät die fran-
zösische Vorlage. — Hektor und Protesilaus sprengen mit ge-
fällter Lanze auf einander los. Nachdem sie die Lanzen ver-
stochen haben, spaltet Hektor mit gewaltigem Schwerthieb
des Gegners Leib.
B. V. 7483: H. V. 925:
Tel Ii done parmi l'escu, Sir Ectour thanne a stroke wonde
Et par Taubere qu'il ot vestu, H. Y. 929:
Qn'en dous meitiez lo euer Ii part. The fleshe quyte he paryth adowu
Both [)orow hauberk and akton.
Was B. von den Heldenthaten des Griechen Palamedes zu
erzählen weiss, scheint der me. Dichter auf die Person des
Paris übertragen zu haben. B. berichtet — V. 7453 u. ff. —
dass sich auserlesene Helden um Palamedes scharen und
Hunderte von Trojanern niedermachen. Der me. Dichter sagt
von Paris, H. V. 890: He fellid an hundred on a rewe.
Ferner lesen wir von den beiden Helden —
B. V. 7459 ; H. V. 889: j
Palamedes granz cols lor done. And Alysaunder begänne to hewe i
Molt en ocit, molt en estone, Many a grete lord of Grece
Molt en ocit, molt en mehaigne. He them heuwes al to pecie.
Ähnlich heisst es von Hektor —
H. VV. 886-8:
Many a lord he drewes adown — Therewas helme shelde ne targe —
That myght stond his strokis large.
Das Gefilde schwimmt im Blute der Verwundeten --
B. V. 7165: H. V. 893:
Molt chairent espessement, Grete slauter was made on eueri
syde.
895:
Tot lo rivage en fu sanglant: The valeys ron on blöde.
De sanc i aveit granz ruissiax
De cels qui muerent as tropiax.
Dass der me. Dichter im Vergleiche zu seinen Quellen
die gewaltigsten Sprünge macht, ist bei dem geringen Uro-
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lange seines Gedichtes selbstverständlich. Es hätte wenie-
Zweck, hier genau anzugeben, wieviel der nie. Dichter fort
gelassen hat. Der Gedankengang der französischen Vorlag,
wird im Allgemeinen beibehalten. Mit den Namen der Helden
nimmt es der nie. Dichter nicht genau. Er ist überhaupt ke„
Freund von vielen Namen „nd beschränkt sich in der Auf
tuhrung derselben auf das Minimum. Die Namen, denen wir
ZZ , Sß T Darstelluu e *<* Belagerungskämpfe Z
gegnen , sind auf trojanischer Seite Priamus, Hektorf Paris,
Troilus, Aeueas, Antenor; auf griechischer Seite Menelaus
Agamemnon, Protesilaus Patroclus - Parpadode, Padradod
- Menestheus Palamedes - Palmydes _ Achil es, Neopto
lemus Diese kleine Zahl verschwindet vor dem NamenlJere
B s und des Darcs. Gleichwohl macht uns der me. Dichter
m.t einem Griechen Annys _ H. V. 1275 - bekannt, den
Dar s nicht hat, und es ist schwer zu entscheiden, ob e's B 's
™ a i- k. ! ,~ ? un<5us > uns ™* deCipre, ist. Nach dem
me Gedichte folgt dem Tode des Protesilaus sogleich der Tod
des Patroclus durch denselben Helden, durch Hektor Wir
!Äe\ ?P B - , V - 83U - Im f-nzosischen tfe im m
Protesüau^ " f «roclus all f dieselbe Weise um, als vor ihm
Hektor dringt dem Patroclus durch Schild und Halsberg -
B. V. 8312
Que tot lo piz Ii vait fendant, H v m .
Li euer Ii part en dous meitiez. Pa d ra dodes body he ^ &t00
mittelbar?,';/ 1 ?' T- eiD(aeh: R P-twcImn occidit. ün-
Ä „„L R V t W1 r , me - 6edichte ~ H - V - »SO - die
vciwundung Hektors durch Menestheus erwähnt Wir werden
schw ;r> wennlucb nicht «^cT^undet SfveT
B. V. 10021: n v QA „
Uli espie tint d'aeier treuchaiit nt.. *r f* , ,
Et lasse corre ^^^±TJ=T
Li a IWc^esmaüüe, And with a spere he yede hin, ny*
Kaie i ot grande et merveillose. And smote sir Ectour J,orough b e
thygh.
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B. V. 10040: H. V. 951:
. . . enpres 50 qu'en Tot navre, Ector seth bis blöde ryn down
En ociBt plus que de devant, And wexith egre as ony lyon
Müliers , si com gie truis liaant, He gynnyth to sie with dilfull dynt
Eu a lo jor mort de ses mains. (And) thowsaund men er euer he
stynt.
Dares sagt kurz — s. Kap. XIX — M. Hectori femur
sauciat, saucius quoque niulta milia occidit. Nach Dares wird
der Tod des Patroclus durch Hektor und dessen Verwundung
durch Menestheus nur durch den Kampf zwischen Meriones
und Hektor getrennt, während wir bei B. eine grosse Anzahl
von Zweikämpfen an derselben Stelle vorfinden. Der me. Dich-
ter hat sich hinsichtlich der Aufeinanderfolge der Thatsachen
aus Liebe zu einer möglichst knappen Darstellung dem Dares
angeschlossen, während die Schilderung Spuren der französischen
Vorlage aufweist.
Im me. Gedicht folgt der Verwundung Hektors durch
Menestheus die des Menelaus durch Paris — H. V. 955 u. ff".
Die Scene ist in wenigen Worten, aber in echt dramatischer
Weise dargestellt, und dieser Umstand verrät den Einfluss B.'s.
Nach B. V. 11449 u. ff. sprengt Menelaus mit hundert Rittern
gegen Paris, der, ein guter Schütze, unbemerkt und unbehelligt
viele Griechen tötet. B. schildert hierauf den Hass des Menelaus
gegen seinen Erzfeind — B. V. 11453: S'entente a mise
Menelax — — De lui grever et entreprendre — Sa ferne Ii
quide chier vendre — L'ame del cors Ii quide traire —
Mes alques Ii est grief ä faire. Volontiers Tocireit
sanz faille. Paris ruft ihm zu — VV. 11465—70: „Verfolge
mich nicht, sonst werde ich auf dich schiessen." Er verwirklicht
alsbald die Drohung und verwundet Menelaus durch einen Bogen-
schuss am Schenkel. Der. me. Dichter ändert nun die Dar-
stellung dieser Scene dahin, dass Menelaus seinem Hasse gegen
Paris in Worten Luft macht, indem er denselben auffordert,
Helena herauszugeben, und droht, ihn töten zu wollen. Paris
will zuerst den Zweikampf mit Menelaus aufnehmen, findet es
jedoch einfacher, einen Pfeil auf jenen abzuschiessen. Menelaus
wird an der Schulter verwundet. Der Schluss der Scene ist
in beiden Gedichten derselbe. Menelaus sieht sich gezwungen,
vom Rosse herabzusteigen, damit ein Arzt den Pfeil heraus-
ziehe und die Wunde verbinde. Nach B. geht Menelaus dann
wieder ins Gefecht. Dasselbe ist im me. Gedichte nur zu ver-
muten. Behufs Vergleiches lassen wir hier diejenigen Verse
folgen, welche die Verwundung des Menelaus zum Gegen-
stande haben —
B. V. 11471: H. V. 966:
Une saiete a encochiee, And drewe an arowe vp to |>e hoke
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11473:
Bien l'a et trait d'aYr, And shet it to J>e kyng anon
Menelax fiert, et navre et plaie
De la coisse Ii sans Ii raie. It fley J,orow hie ehulder bon.
Menelaus steigt vom Rosse herab —
11482:
.. f« estanchiez, A leche anon the arow ont drow
Et remontez ... And helid ^ kyng
Eine ähnliehe Schilderung findet sich bei B. V. 9726 u
AuaulT f™ J' arC entei8e - D ' une saiete °«"e -
Auques en cbar por la coste.
„, *j* t T , otcn . ist das Schlachtfeld besät. Der Streiter Zahl
schwmdet derarüg, dass der Kampf aufgegeben werden M ,
B. V. 10059: H. V. 979:
U jor tat «as de la bataille, And whanne J>e pepill begänne to
En co ne polst aveir faille, V *Tl
Ouant Destinee ne lessa y
Qui cels de Troie querreia.
Thanue departed {,at batayle.
«md^TZ^It ü i0ht de " Bericht deiner Schlachten,
sondern ganzer Jabre geben - s. H. V. 869, VV. 906-7
f T't es *r
stellt - s H VV 82? fift n S " YordQr g™** S e "
vorrlgenasten H;.d p " nd PaHs Sind wicdCT ™
ffit^T; ^otesilaus und Patroclus werden von
Den Sefelat J«rT P^-.T Menesthe " 8 »chwer verwundet,
der Dar Ste lhinJ m n" Paris - Nicht bloss Kürze
S o„der a : eh dl Ä *1 *" V ° rIagen i8t auffalIe ^
gang seiner V l. der me - Dicnter d ™ Gedanken-
vorausgreift Tei TV"*' «^h, ^em. er teils
früir g ereinet Z v ^k 61 ™ läSSt > wa9 sict andersw °
eine Thatsache ^ VerWUndun S d <* Menelaus ist nach B.
Jahre D 6r te Diot"" T*" FeIdscMa ^t oder dem vierten
verschmnl,«, n ,„ ter nat s0 <nit zwei Schlachten zu einer
Schlacht dt griechischen e ^ 01 : der QUn fo, e 6nden
diesen den AuXrtch xr V ° r Menelaus k ~ und
Ausspruch thun _ H. VV. 989-98, dass das
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Hauptziel der kommenden Schlacht die Vernichtung Hektors
sein müsse. Erst nachdem diese erfolgt sei, dürften die Griechen
auf eine siegreiche Beendigung des Krieges hoffen. Die That-
sache ging aber ursprünglich der Verwundung des Menelaus
voraus, indem besagte Versammlung — nach B. V. 10864
u. ff. — nach Beendigung der dritten Feldschlacht stattfindet.
Man vergleiche auch Dares, XX u. XXI. Nach B. V. 10930
äussert Agamemnon, dass er Achilles für den ebenbürtigen
Gegner Hektors halte. Achilles versichert, dass seine ganze
Kraft der Vernichtung des Gewaltigen geweiht sein solle. Ein
Gleiches kann an der entsprechenden Stelle des me. Gedichtes
gar nicht erwartet werden , da Achilles überhaupt — und
zwar planmässig — noch nicht erwähnt worden ist. Der Ritter
Palamedes — H. V. 1000 — entgegnet auf die Ansprache des
Menelaus — wir erinnern daran, dass derselbe im me. Gedicht
immer die leitende Persönlichkeit ist — dass nur er den Mann
kenne, der Hektor zu fällen vermöge. Es folgt somit — bis
H. V. 1156 — die Achillesepisode, deren Besprechung dem
zweiten Teile unsrer Abhandlung zugewiesen werden muss.
Der Schluss der Episode — s. H. 1135 u. ff. — greift natürlich,
um das Fortschreiten der Handlung zu ermöglichen, auf den
Punkt zurück, der die Einschiebung der Episode veranlasste,
auf die Ansprache des Menelaus an die Fürsten, die nunmehr
zu einer Ansprache an Achilles wird, ihrem Inhalte nach aber
dieselbe bleibt. Die Antwort des Achilles — H. V. 1150 u. ff. —
entspricht ihrem Sinne nach vollständig dem, was nach B. V.
10943 u. ff. jener dem Agamemnon entgegnet. Dieser Umstand
ist nun für uns ausserordentlich wichtig. Denn Dares weiss
am Schlüsse des K. XX, wo er die Ansprache des Agamemnon
an die Fürsten erwähnt, durchaus nichts davon, dass sich der
König an Achilles im Besonderen gewendet habe. Der Ein-
fluss der französischen Vorlage liegt somit hier offen zu Tage.
Man vergleiche ferner folgende Verse, Worte aus dem Munde
des Achilles —
B. V. 10957: H. V. 1150:
Tres bien poez de n saveir That I may I wol doo
Que mon enging et mon poeir Be the trowth that is myn.
I metrai tant que mort le rende.
B. lässt den Achilles in seiner Klage um Patroclus u. A.
ausrufen —
B V. 10298:
Bien sache Hector, si gie le truis, The first batayle J>at he cometh ione
1154:
Qu'il ocirra mei, ou gie lui. He shall me slee or I will him.
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Zu bemerken ist, dass nach B. Achilles in seiner Antwort
auf die königliche Ansprache auch des von Hektor getöteten
Patroclus gedenkt. Es ist also möglich, dass dieser Umstand
den me. Dichter veranlasste, die Klage des Achilles nochmals
zu lesen, obgleich er der Freundschaft zwischen diesem und
Patroclus nirgends Erwähnung gethan hat.
Der übrige Teil des me. Gedichtes zeigt stärkere Ab-
weichungen von der Darstellung der Vorlagen, als der der
Achillesepisode vorangehende. Dazu befleissigt sich der me
Dichter mehr als sonst der Kürzung, die im Hinblick auf
beide Vorlagen kühner nicht sein kann. Wenn B. von der
Verwundung des Menelaus durch Paris — B. 11475 — bis
zum Tode der Polyxena — B. V. 26443 — noch gegen
15000 Verse braucht, umfasst der der Achillesepisode folgende
Teil des me. Gedichtes — H. VV. 1157—1897 — bis zum
Tode der Polyxena nur 720 Verse. Der me. Dichter hat B.'s
grosse Gemälde der 5., 6. und 7. Schlacht — B. V. 11549-
V. 14552 — vollständig fortgelassen. Von dem Liebesver-
hältnis zwischen Troilus und Briseida — B. VV. 13235—831 —
von der Chambre de Beaute" — B. VV. 14583—892 — vom
verliebten Diomedes — B. V. 14927— V. 15112 - ist im
me. Gedichte keine Spur vorhanden. Nachdem der me. Dichter
erzählt hat, dass sogleich nach der Ankunft des Achilles im
Lager der Griechen der Kampf wieder eröffnet wird, macht
er uns alsbald H. V. 1161 u. ff. — mit dem ahnungs-
vollen Traum der Andromacha bekannt, der bei B. V. 15203
u. ff. mitgeteilt wird. Auch hier hat der me. Dichter möglichste
Vereinfachung angestrebt. Andromacha bittet Priamus, Hektor
nicht an der Schlacht teilnehmen zu lassen, da ein böser Traum
sie um das Leben des geliebten Gatten besorgt gemacht habe.
Hektor meidet auf des Vaters Wunsch ohne Weiteres den
Kamp _ H. V. 1161- V. 1175. B. hat dieser Scene im
Anschluss an Dares, XXIV, eine Anzahl andrer Scenen voraus-
geschickt. Andromacha erzählt zunächst dem Gatten selbst
den Traum und sucht jenen, jedoch vergebens, vom Kampfe
zurückzuhalten: B. VV. 15225-75. Hektor gerät in Wut,
als sein Vater auf Anregung der Andromacha ihn bittet, dem
Ä ST Z bl6,ben ' Und le # die Rüs ^g an - B. W.
ibdld-dl Mutter und Schwestern, selbst Helena stimmen
lXt m J l t B f « dei '^ dr °*acha - B. V. 15360 u. ff. Diese
G ^ ten Um Erbarm ™S an, indem sie den
«ch nf J°V ? mederle ^ - B. V. 15393 u. ff. Als das
Prilr n l t tQ h wiederholt persönlich ihre Bitte bei
HeZr 7 m V ' 15430 U ' * - ^ dessen Wunsch endlich
Et^ vom Rosse steigt und zu Hause
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In der verkürzten Darstellung des me. Dichters finden
sich einige Anklänge an die französische Vorlage.
Andromacha ist dem Gatten mit innigster Liebe zugethan.
B. V. 15191:
Molt iert leiax vers son seignor,
Et molt Fama de grant amor
B. V. 15340:
Molt fet grant duol et angoissox;
15345:
Merci Ii crie molt sovent.
H. V. 1162:
That lovede her lord as her lyfe.
Sie kommt zu Priamus:
Wepyng and cry(y)og on hy
Sir Priamus merci I cry.
Sie erzählt den Traum Hektor, bez. Priamus, und schliesst
mit der Bitte, Hektor möge dem Kampfe fern bleiben.
H. V. 1165:
Too nyght abowte mydDyght
In my swevyn I sey a syght
Sir Ectour my lord to batayle goth
He shall be slayne with dolful deth
1170:
Lete him dwell at home with me.
B. V. 15208:
Li Deu Ii ont fet ä saveir,
15210:
Par signes et per visions
15212:
La nuit ainz qne venist le jor:
15215:
S' Hector s'en ist a la bataüle
Ods i estera sans faille,
Ja ne porra del champ issir.
Zu Priamus:
Va, sire, tost, et si'l retien.
Priamus zu Hektor:
B. V. 15495:
Bialz filz, fist 0, vos remandreiz,
B. V. 15498:
... des Dex de la nostre lei,
Te conjur, et te faz deviö
Que n'isses fors . . .
15504:
. . . n'istras de ceste cite.
Hektor nimmt also auf des Vaters Wunsch zunächst nicht am
Kampfe teil. Von H. V. 1176— V. 1200 wird eine zusammen-
hängende Schilderung einer zweitägigen Schlacht gegeben. Der
me. Dichter aber behauptet — s. H. V. 1179 — dass der
Kampf vierzig Tage gewährt habe, und entwirft hiervon
— H. bis V. 1200 — ein oberflächliches Bild: Die Ritter,
aus dem Sattel gehoben, werden von den Rossen über das
Feld geschleift, indem sie mit dem Fusse am Steigbügel hängen
bleiben. Da werden die Helme vom Haupte geschlagen oder
durchhauen, Speere und Schilde verstochen. Gross ist die Zahl
der Toten und Verwundeten. Vom Blute rot erscheint das
Gefilde. Soviel muss zugegeben werden, dass der me. Dichter
H. V. 1172:
Ector sone on my blessyng
Be here with J>y lady hynde.
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das Gemälde in seinen Umrisseu bei B. an zahlreichen Stellen
vorfinden konnte, von denen wir nur zwei zum Vergleiche
heranziehen. In der Schilderung der dritten Schlacht lesen
wir hei B. V. 10574 u. ff. —
B. V. 10574:
Parmi les eseuz ä peinture,
10577:
Et parmi les broines safrees
H. V. 1185:
Sont les lances enastelees, Many a spere and many a sheld
Qu'andui chairent en l'erbei. ffley abowte in to he feld
10588: F
hialmes vert gemez
1183:
I ot senpres escartelez, Many an helme j)ere was of wevyd
Si qu'ä mains perentles cerveles, And many a basnett \>ere was cleved
1182:
Et que morz trebuchent des seles. Good knyghtis be her styroppis
Par grant ire se sont requis, hyng.
1195:
Assez i en ot des ocis. Many a doughty man in he feld
Layne j)ere slayne vnder shelde.
Eine ähnliche Stelle findet sich bei B. in der Schilderung
der achten Schlacht B. V. 15557: Brisent lances, percent eseuz
— Et par haubercs . . . Froissent lances et enastelent —
Et cors de Chevaliers desselent. 15570: Tant i a des morz
et des navrez — Que toz Ii chans en est joinchiez.
Wenn der rae. Dichter sagt, dass die Schlacht vierzig
läge hindurch angehalten habe, so hat er uns nur die zwei
letzten Tage schildern wollen.
Als Achilles vernommen hat, dass Hektor sich nicht auf
dem Schlachtfelde befindet, wird er den Trojanern verderblicher
als zuvor - H. V. 1201 u. ff. — B. V. 15824 u. ff. Er
tötet einen „Erle of Troy« — H. V. 1205 u. ff. — den
königlichen Prinzen Margariton — B. V. 15768 u. ff., den
Dares nicht kennt. Die Trojaner mit ihrem Könige an der
bpitze fliehen. Hektor, welcher diesen Vorgang von einem
lurme herab beobachtet, macht sich Vorwürfe, dass er sich
„durch den Traum eines Weibes« habe verleiten lassen, dem
Kampfe fern zu bleiben — H. V. 1219 u. ff. — B. V. 15943
u. ü. B. spricht jedoch nur von der Entrüstung Hektors.
Uie Bemerkung, dass ein Traum die Niederlage der Trojaner
verursacht habe, legt B. in den Mund des Trojaners Polydamas,
der sich Troilus gegenüber beklagt, dass Priamus Hektor von
der Teilnahme am Kampfe abgehalten habe, er schliesst:
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B. V. 15619 :
N'oi" mes dire, ne conter,
Que Chevaliers lessast porter
Armes, por songe et por alue.
Hektor legt die Rüstung an , steigt zu Ross und eilt aufs
Schlachtfeld —
B. V. 15958: H. V. 1227:
Ea son chief a son hialme assis. He armith him in stelyn wede —
15970:
Monte el cheval l'espee ceinte, And leppe vppon a nobill stede
Son escu prent, et si s'en ist. He priketh forth with all his mayn.
Auf dem Schlachtfelde entfaltet Hektor seine ganze Helden-
kraft. Den Mittelpunkt der Schlacht bildet der Kampf zwischen
Hektor und Achilles — H. V. 1239 — V. 1266. In der
Darstellung desselben schliesst sich der me. Dichter an B.'s
Schilderung eines Zweikampfes zwischen denselben Helden in
der dritten Feldschlacht an, indem er die Helden ihre Rollen
vertauschen lässt.
B. V. 10646:
Achilles H. V. 1243:
Hector a fem en tres hait ffirst Ector Achilles smotte
Dens si granz colps qne toz chan-
cele,
Por un petit ne guerpi sele. That in his sadell onnethis he satte
Hector s'irest de maltalent, And Achilles with all his mayne
L'espee trait o le cler brant, On Ectonrs helme he smote agayne
Tex treis l'en a sor 1'ialme assis
Que tot en a sanglant lo vis. So hard he smote . . .
That al his helme shon fyre.
Der Darstellung des me. Dichters zufolge versetzt dann C
Hektor dem Achilles einen Hieb durch Schild und Panzer hin-
durch , Achilles zerschlägt dem Hektor Schild und Helm. Der
zweite Teil des Kampfes ist somit eine umgestaltende Wieder-
holung des ersten. Der Zweikampf bleibt unentschieden. Die
hereinbrechende Nacht trennt die Streiter. Aber schon am
folgenden Morgen wird der Kampf wieder aufgenommen. Der
Mittelpunkt der Schlacht ist der Kampf Hektors mit dem
Griechen „syr Annys", dessen Tod den des Siegers im Gefolge
hat. Die DarsteUung schliesst sich z. T. an die B.'s an, in-
dem sie für B.'s Politenes — Annys setzt:
H. 1274:
A lord of Grece of grete renown
B. V. 26105:
P. esteit uns das, That was called syr Annys
16108:
Molt ot grant force et grant valor, He was a man of moche prise —
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16110:
Et molt aveit riche conrei,
He was atyred in good armour
16113:
D'or et de pierres precioses,
Resplendissanz et merveilloses,
That shone as gold and asure
The Leime was . . .
Isette abowte withprecious stouys.
Furent si garnement covert.
Der me. Dichter setzt also für garnement — helme.
Ferner macht er die Edelsteine namhaft : rubies , safers orientall,
Cassedowns — H. VV. 1181 — 2. In ähnlicher Weise schildert
der Dichter späterhin den Helm des Achilles — H. VV. 1493
u. ff. — Nachdem Hektor Politenes — Polypoetes : Dares XXIV
— bez. Annys, getötet hat, steigt er vom Bosse, um jenem
die prächtige Rüstung abzunehmen —
In diesem Augenblick wird Hektor von Achilles an-
gegriffen und getötet. Nach B. geht die Sache nicht ganz so
schnell. Achilles wird zunächst durch Hektor schwer ver-
wundet. Nachdem er sich die Wunde hat verbinden lassen,
steigt er wieder zu Ross und sprengt wieder gegen Hektor,
der zu Fuss mit einem Griechen kämpft. Achilles stösst dem
Hektor das Schwert in die Brust, welche augenblicklich nicht
durch den Schild gedeckt ist. Priamus und die Trojaner
fliehen. Der me. Dichter beschliesst seine Schilderung mit
folgenden Worten: H. V. 1297 u. ff.: And lyght of day be-
gänne to fayle — And thus departeth that batayle — They
of Troye gone (to) town — And they of Grece to pavylion
— Treuws J)ey toke for that dede — Twelf month be botheyrs
redde — And fer whyles J>e kyng füll wyde — Gadered more
folko be eueri s y de. Diese Verse sind fast wörtliche Wieder-
holung der W. 979—86. Sie sind im Anschluss an B. ent-
standen, welcher am Ende der Darstellung der dritten Feld-
schlacht sagt — B. V. 10847 u. ff.: Por l'oscurte de l'anui-
tant — Se sont departi aitant. — Li jorz faillit et vint la
nuit: . . . Vers la cite* vont Tro'ien . . . Et as herberges Ii
Grezcis.
Aus dem Vorstehenden haben wir ersehen, dass der me.
Dichter B.'s Gemälde der dritten und achten Schlacht — -
B. V. 16125:
Tot le fendit dessi qn'as denz
B. 16126:
H. 1286:
Bothe helme and he de of he sraette
H. V. 1288:
Sir Ectour sey f)at ryche atyr
Et qnant il vit les garnemenz
Si riches, et si preciox,
Molt fu de l'aveir coveitox
Oster les Ii voleit et traire.
And ther to had grete desyre
The helme to take adown he
stopeth.
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47
s. B. V. 10561 u. ff. und V. 15548 u. ff. — zu einem ver-
schmolzen hat, während er B.'s Darstellung der vierten Schlacht
zum grössten Teil, die der fünften, sechsten und siebenten
Schlacht vollständig fortgelassen hat.
Tiefe Trauer herrscht in Troja um Hektor, der glänzend
bestattet wird — H. V. 1305 u. ff. Priamus, vom Schmerze
überwältigt, sinkt ohnmächtig zusammen — H. V. 1321 — 2.
So auch bei B. V. 16308 u. ff. : Sor lui se vait Prianz pasmer
— Sor lui se gist reides et freiz — Sor lui se pasme tantes
feiz — Que il n'en ist funs ne aleine. Uns ein Bild von der
glänzenden Bestattung Hektors , B. VV. 16527—810, zu
geben, erspart sich der me. Dichter. Auch weiss er nichts
davon, dass bald nach dem Begräbnisse eine grössere Schlacht
stattfindet — B. bis V. 17457 — sondern er beeilt sich, uns
mit der Liebe des Achilles zur trojanischen Königstochter
Polyxena bekannt zu machen. Er lässt unerwähnt, dass die
Trojaner den Jahrestag des Todes Hektors durch eine Prozession
nach dem Grabe des Helden , das sich ausserhalb der Festungs-
mauer befindet, festlich begeben, dass bei dieser Gelegenheit
A einlies Polyxena zu sehen bekommt. Der nie. Dichter lässt
an einem unbestimmten Tage Polyxena einsam klagen am
Grabe des Bruders. Die Klage erinnert uns an die der Helena :
H. V. 637: V. 1330:
But £e Quene weped sore She weped and wrong hir hondis . . .
640:
She wepis and wryngis euer more V. 1339 :
Her heer She all to drewo here ryche gere
She to drowe and her nobill atyre She rent here vice and tare her
her
V. 1342 :
Alas 1 am to long on lyfe And seyd to longe in me last lyf
V. 1335:
Why nyll myn hert breke on fyve . . . ny her hert brak in too
V. 1345:
Soche dole she made and pyte.
Kurz zuvor lesen wir — H. V. 1313: ... all the folke
of the Cete — Weped and for him made grete pete — And
sir Priamus .... Wepes and sorouwes nyght and daye —
He wrong his handis and drewe his here — Alas he seyd . . .
Why nylle myn hert breke on too.
B. sagt von der klagenden Andromacha — B. V. 16422:
. . . Ii ont la chiere arosee. — Molt s'est malmise et enpeinee,
— Tote lassee et depeciee; — Toz ses chevels a esrachiez,
dazu H. W. 641—2; 1339—40. Achilles verliebt sich so-
in die schöne Polyxena - —
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48
B. V. 17522: H. V. 1343:
La grant bialtez et la facon, Achilles behalt ryght
Qu' AchiUes vit en la pucele, p at may j,at was soo redy and
Le cuist el euer de l'estencele b J
Que ja par lui n'en ert esteinte, The lere of her he taS be
17632: j
. . . Ii face mortal plaie. That nygh his hert all to ryve
Achilles wirbt sogleich durch einen Boten bei Priamus um
die Hand der Polyxena und verspricht, ewigen Frieden herbei-
fuhren H. bis V. 1362. Priamus und seine Söhne er-
teilen abschlügigen Bescheid _ bis V. 1376. Die Koniein
aber sagt dem Achilles die Hand ihrer Tochter zu unter der
Bedingung dass er das Versprechen thatsächlich einlösen
W H," .K S « 1382 - ^eben d^n, dass die Darstel-
lung derse ben Scene sowohl bei B. wie bei Dares viel ver-
wickelter ist, unterscheidet sich von derselben die de me
Botl A Kn^" 1 ^. dUrCl1 de " Umstand - d *<" Wer Z
Bote des Achilles sein Anliegen vor versammeltem Hofe vor-
tragt, wahrend dort die Werbung bei der Königin Heeuba an-
geb aeht wird die das Weitere mit ihrem Galten bespricht.
DmJ2te£f T n k VOrlaffCU AM W ^ einer
Umgestaltung? Ln Hinblick auf Dares müssen wir diese Frage
v^neinen. Dagegen giebt »ach B. V. 17825 u. ff. Heeuba
IT f r ! Um vorläu % e » Bescheid, dass sie ihm eine ent-
„nd P» t D - WOrl LT?' ertei,en kÖDne ' be ™' «• mit Priamus
W t \ t Rucksprache genommen. Die Entscheidung
vordem! n r ht r, V ° m WÜlen des K ° ni S*. somten „J
Tme G P dT,U°T n e " P,i , nZen ab - Die Antworten, welche
ünd seinen ^ erbält ' «ine ablehnende von Prumu.
Dolol i. ™> Heeuba, sind aus der
zu eÄn g n ^^'T' des P ™™ » den Vorlagen
ü VV oo, ,r TeU d6r entsprechenden Rede bei B.
Teil bi« v 17Q.T trägt einen ^"einenden, der zweite
Hs L dT™. r uj r ^~ einen "elenden Charakter. Die
^"vS" ScWnSSe SeiBer E ede _ Heeuba spricht:
Et ne porqnant s'il le pnet faire If h. ™n H ' T' X , 38 °L,
Que Griu se metent el repaire dmbto P6eS
De Im sera pta et de nos,
17939 -
M& Wie'nun'b " „ He " h&U h ™ my dowter fre.
ist im me Gedichte die E ff? de ° so
Gedichte die Entschemung der Heeuba massgebend.
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49
Weiterhin erlaubt sich der me. Dichter hinsichtlich seiner Vor-
lagen immer grössere Freiheiten. Dem Achilles gelingt es
leider nicht, sein Versprechen einzulösen und zum Ziele seiner
Wünsche zu gelangen. Während aber nach B. V. 18125 u. ff.
Achilles vor den versammelten Fürsten den Friedensschluss
befürwortet, ohne dabei seiner Leidenschaft Erwähnung zu
thun, während die Mehrzahl der Fürsten ihm widerspricht,
spielt sich im me. Gedichte der entsprechende Vorgang gleich-
sam als Privatangelegenheit ausschliesslich zwischen Achilles
und Menelaus ab, und jener bekennt ehrlich und offen seine
Liehe zur Trojanerin — H. V. 1388 u. ff. Menelaus besteht
jedoch auf der Weiterführung des Krieges. Die Sehnsucht
nach der Geliebten und der Zorn gegen seine Landsleute halten
Achilles auf längere Zeit von der Teilnahme am Kampfe zurück
— H. VV. 1409—22. Dass der me. Dichter den Liebe-
schmerz des Achilles — H. W. 1410—20 — zu schildern
versucht hat, scheint uns für den Einfluss B.'s zu sprechen,
der denselben Gegenstand mit sichtlicher Vorliebe behandelt
hat — s. B. V. 17515 — V. 17715; V. 17978 u. ff. Doch
nur wenige Verse lassen sich zu einem Vergleiche heran-
ziehen.
B. V. 17526: H. V. 1414:
En son euer l'a escrite et peinte, Often he menys J>at lovesum May
Ses tres clers ielz vers et son front. Here fayre semblant and lovely
chere
17635:
Sis nes, sa face et sis mentons Here lovely vice here leppis swete
Le resprennent
17541: V. 1413:
• . . ja n'ert mes ne nuit ne jor He drowpis and dares nyght
and day
1419:
Qu'il ne sente les traitz d'amor. And J)US he syghyeth day and
nyght.
Der Kampf wird wieder eröffnet, der infolge der Abwe-
senheit des Achilles einen für die Trojaner günstigen Ausgang
nimmt. Paris und Troilus sind die Haupthelden. Dieser ver-
wundet Menelaus und Agamemnon. Jener plündert mit seinen
Mannen das Lager der Griechen. Es sind hier Thatsachen
aus der 12. und 15. Feldschlacht des B. v. 18455 — v. 20330
zusammengetragen. Die Reihenfolge derselben ist verändert.
Die Verwundung des Menelaus — nach B u. Dares : Diomedes
— Agamemnon — H. v. 1451 u. ff — hat der Plünderung
des Lagers und der Verbrennung der Schiffe — H. v. 1456
u. ff — zu folgen.
4
f
50
B. V. 18882:
V. C. paveillons bona et biax
Toz plains d'argent et de vaisselle,
I ont gaaignie eil dedenz,
18890:
Si out les nös fet aluiner.
18894:
En i arstrent plus de V. C.
H. V. 1466:
And Alysaunder robbed hir pa-
uelyous
Of grete hors and good armour.
1458:
And thre hundred shyppes be
sette on fyre.
Dagegen berichtet B. die Verwundung des Diomedes und
Agamemnon durch Troilus erst V. 20066 u. ff. und V. 20123
u. ff. Dass Menelaus verwundet wird, weiss auch B. Doch
erwähnt er nicht, dass dies durch Troilus geschehen sei.
Letzteres schloss vielleicht der me. Dichter aus dem Umstände,
dass B. im Laufe der Schilderung der 15. Schlacht die Namen
Diomedes und Menelaus neben einander stellt, so 1) V. 19963:
Diomedes et Menelax — Ront grant plante de buens vassax. —
2) V. 20185: Diomedes et Menelax — Cil ont plaies granz et
mortax.
Der me. Dichter weiss nun nichts davon , dass die Griechen
sich alle mögliche Mühe geben, um Achilles zur Teilnahme
am Kampfe zu bewegen. Vielmehr begiebt sich Achilles aus
freiem Antriebe — H. V. 1459 u. ff — aufs Schlachtfeld zu
Menelaus, und erkundigt sich höflichst nach dessen Befinden.
Dieser dankt für die gütige Frage, klagt aber, dass er und
sein Bruder verwundet worden seien, und dass ihr Heer eine
schmähliche Niederlage erlitten habe. Beides komme auf Rech-
nung des Trojaners Troilus, des besten der Helden. Achilles
fühlt sich in seinem Ehrgeize gekränkt, nennt Troilus ver-
ächtlich ein Kind und waffnet sich zum Kampfe — H. bis
V. 1485. Also der Ehrgeiz treibt Achilles wieder in die
Schlacht. Nur in diesem Punkte stimmt der me. Dichter mit
B. überein, wenn er Achilles wieder in die Schlacht führen
will. Im Übrigen ist er an dieser Stelle ganz selbständig
verfahren. Nach B. lässt sich Achilles weder durch die Bitten
noch durch die Niederlagen seiner Landsleute zur Sinnes-
änderung bewegen. Als aber der Thatenruhm des Troilus
immermehr wächst, als derselbe die Mannen des Achilles zum
grössten Teil vernichtet und den Rest bis an das Zelt ihres
Herrn treibt, da endlich greift dieser zu den Waffen.
B. V. 21060:
Isnelement, sans demorance, H. V. 1487:
Gete son hauberc en son dous. And vpon him a nobil corset
21063:
El chief Ii ont son hialme assis. The helme vppon f)e hede is set
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51
21065: H. V. 1501:
Mes montez est 61 misoldor, His sheld aboute his neke he cast
Prist soii escn peint de color. And lepe to hors all in hast.
Von dem prachtvollen Helme des Achilles — H. VV.
1489—1500 — erwähnt B. nichts. Wir haben früher 48 ) darauf
hingewiesen, dass der Helm zum Teil dem des Sir Annys
gleicht, doch ist er noch prächtiger. Denn zu den „rubies
and savers orientall" gesellen sich ausserdem „pipes of gold
and ryche pery, Charbuncles, Peritotes." Der Helm hat sogar
eine Geschichte. Hercules und Laomedon trugen ihn zuvor
— H. V. 1490 u. ff. Wie der me. Dichter zu dieser Be-
merkung gelangt ist, lässt sich nicht bestimmen.
Als Achilles den Troilus zu Gesicht bekommt, fordert er
diesen in trotziger, fast höhnischer Weise zum Zweikampfe
heraus, zu dem sich Troilus bereit erklärt — H. V. 1507—16.
B. weiss nichts hiervon. Die Schilderung des Zweikampfes
ist für uns deshalb interessant, weil sich im Verlaufe derselben
— H. VV. 1517 — 29 — der me. Dichter auf eine französische
Vorlage beruft — H. V. 1522. Doch erweist sich diese Be-
rufung im Hinblick auf B.'s Darstellung des entsprechenden
Zweikampfes als unwahr. Jedenfalls hat der me. Dichter hier
absichtlich mit seiner Quelle Versteck spielen wollen. Nach
B. V. 21137 u. ff. verstechen die Streiter ihre Speere. Dabei
stürzen sie samt den Rossen zu Boden. Achilles ist schwer
verwundet und muss für diesen und den folgenden Tag vom
Kampfe abstehen. In der nächsten Schlacht bricht das ver-
wundete Ross des Troilus — B. V. 21403 u. ff. — zusammen.
Da eilt Achilles herbei und tötet Troilus durch einen Hieb
auf das entblösste Haupt. Im me. Gedicht ist der Zweikampf
von Anfang an ein Schwertkampf und endigt mit dem Tode des
Troilus. Achilles schlägt zunächst den Helm des Gegners in
Stücke, dieser zerhaut den Schild des Achilles. Lange bleibt
der Kampf unentschieden. Endlich bringt Achilles dem Gegner
einen tödlichen Hieb auf die Brust bei. Die Darstellung zeigt
nicht den geringsten Anschluss an die entsprechende bei B. ;
vielmehr ist sie der Darstellung des Schwertkampfes zwischen
Hektor lind Achilles — H. V. 1246 u. ff. — nachgebildet. 44 )
Für diese aber haben wir den Einfluss B.'s nachgewiesen.
Achilles macht hierauf noch viele edle Trojaner nieder
und verfolgt die fliehenden bis an die Mauer — H. bis V.
1538. VV. 1531 — 6 = VV. 1205—10.
Hecuba betrachtet Achilles, den Mörder ihrer Söhne, als
einen Verräter und beschliesst auf verräterische Weise an ihm
43 ) s. S- 46.
**) s. S. 45.
4»
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52
Rache zu nehmen. Zu diesem Zwecke setzt sie sich in Ver-
bindung mit Paris.
B. V. 21804:
Un jor commenca ä penser,
Com seroient si fil vengie
Del traitor, del reneie,
Qui les a si morz et toleiz.
B. V. 21814:
Paris a fait ä sei mander.
21828:
Mes preier te voil une rien:
21885:
Filz, fai le desirrier ta mere,
Si que soient vengiö ti frere.
H. V. 1546:
Bnt I of him be awreke
Achilles £at tretour that thef
Hath slayne my sones J)at were
me soo leef.
H. V. 1548:
Alisaunder sone come too me
ffor my love I prey now J)e
On niy blessyng doo after my rede
Awreke J>y brodren J)at ben dede.
Paris bedauert, den Wunsch der Mutter nicht erfüllen zu
können, da Achilles unverwundbar sei — H. bis V. 1557.
Die Mutter aber teilt dem Sohne mit, dass Achilles an den
Fusssohlen verwundbar sei, dass er somit auf hinterlistige
Weise umgebracht werden könne. Hierzu biete den Weg die
Neigung des Achilles zu Polixena. Von der Unverwundbarkeit
des Achilles weiss B. nichts, sondern ihre Erwähnung an dieser
Stelle erklärt sich aus der Achillesepisode des me. Gedichtes.
Im Übrigen ist der Einfiuss B.'s noch erkennbar. Hecuba
spricht zu Paris über Achilles.
B. V. 21862:
Pramis nos a et affiiß,
Que ta serors prendrot ä fenne,
V. 21868:
Et molt m'en a fet grant preiere.
21876 :
Gie Ii voil trametre un message,
Que il vienge parier ä mei
21881 :
Dedenz le tenple Appollinis.
Der Bote sagt zu Achilles —
B. V. 21939:
(Hecuba) Vos maude et dit que
vos vengiez
Dedenz lo tenple Appollinis
Et Polixenain au cler vis
H. V. 1667:
He hath desyred many a day
To wede J>y suster . . .
Therfore I will to him sende
That he in too our temple wende
Doura k vos en mariage.
H. V. 1571:
And (A.) wedde £y suster with
. grete honour
Dame Pollexene as whytte as flour.
Hecuba befiehlt dem Paris, im Tempel eine gehörige Zahl
von Rittern aufzustellen, damit Achilles nicht entkommen könne.
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53
B. V. 21882: H. V. 1573:
Et tu seies dedenz mis And therfore to J>e temple goo
A tant de gent que ne t'estorce, With a hundred men or moo
21891:
Et tu garde qu'il seit ocis V. 1576:
Et por riens nule n'eschat vis. Quyk or dede thathe (A.) benome.
Paris führt den Befehl aus. Er nimmt auserwählte Leute.
Hecuba weist ihren Sohn an —
B. V. 22027:
Conpaignons pren, des plus eßliz, H. V. 1578:
Des plus vaillanz, des plus nar- Men of armes gadered of grete
diz. renown
22042:
Pris a XX Chevaliers preisiez. An hundrid men {>at cowde well
22046: fy(gn)te
A l'anuitant se sont tnit mis
Dedenz le tenple Appollinis. And did hem in to J>e temple be
nyghte.
Der Bote entledigt sich seines Auftrages knieend —
B. V. 21926: H. V. 1587:
Devant lui s'est agenoilliez And knelled adown and seyd J)us.
21931:
Cil Ii raconte son message.
Hinsichtlich des Inhaltes der Botschaft hat sich der me.
Dichter einige Abänderungen und Zusätze erlaubt. Zunächst
ist es unlogisch, wenn sich der Bote für einen Gesandten des
Königs ausgiebt — s. H. V. 1588 u. V. 1583. Zu den Zu-
sätzen gehört die Bemerkung, dass Priamus zum Frieden ge-
neigt sei, weil es ihm an Streitern mangele — H. VV. 1589
u. ff.; dass Achilles beliebig viel Leute mit sich zum Tempel
bringen könne — H. V. 1597. Gleichwohl erscheint die
Rede im Hinblick auf B. VV. 21932—70 bedeutend verkürzt.
Im Üb rigen finden wir dieselben Gedanken wie bei B.
B. V. 21946: H. V. 1589:
Entr'als et vos n'aura mes ire. And sayde he (Priamus) nolde
no more batayle —
dazu H. VV. 1591-2.
Es folgt die Einladung an Achilles, zum Tempel zu kom-
men, woselbst er Polyxena zum Weibe erhalten werde —
H. VV. 1593-4; dazu B. V. 21939 u. ff.; s. vorige Seite.
Dass Achilles mit der Königstochter zugleich das Königreich
empfangen werde — H. V. 1595 — erwähnt B. nicht.
Achilles soll sich eidlich verpflichten.
B. V. 21964: H. V. 1598:
Ainz que d'elz seiez departanz And come to J>e temple sekernesse
Sereiz tuit un par serement. t0 make -
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54
Er soll sich beeilen.
n . *V.M9B7: H. V. 1596:
Demam ä seir sanz demoree . . . 8pede t he leve m
Vos mande et dit que vos vengiez.
und ar£ä 6 He ™ ei e™e ist Achilles leichtgläubig
B. V. 22074: H y lm .
Ne redete nnl feien plait, He wist nehyng of bis tresen
Ne dota penl, n'eneonbrier, Ne of her f^e eeuepiraceun
1604*
Qu' Amors Ii fönt lo sens changier. For he loved that may in herte.
Achilles macht sich sogleich auf den Weg. Er legt fest-
liches Gewand an — H V IfiO*. «ff 7 a s & •
h* a tu n « . i 0UÖ u * ö * ~~ Wlrft einen
kostbaren Mantel über. Diesen erwähnt B. erst bei Gelegen-
heit des Kampfes im Tempel - B. V. 22134. Doch bemerkt
auch B V. 22109 u. ff., dass Achilles und sein einziger Be-
gleiter keine Rüstung anlegen, sondern sich nur mit dem
benwerte umgürten. Nach B. V. 22120 findet Achilles den
lempel leer, indem sich die Ritter versteckt halten. Der me.
Dichter laset hierüber nichts verlauten. Aus dem Zusammen-
bange erklärt es sich, dass im me. Gedichte Achilles im
lempel niederkniet und so von einem Trojaner an den Fuss-
sohlen verwundet wird.
Im Übrigen ist der Anschluss an B.'s Darstellung deutlich
bemerkbar. Als die Ritter mit Geschrei auf Achilles ein-
dringen, umhüllt er den rechten Arm mit dem Mantel und
greift zum Schwert —
B. V. 22123: H. V. 1620:
a Z Pa !V° nt a88aiUi Theknyghtisstertvponeuerysyde
A une voix et ä un cri.
And al j,ey leyden him vppon
Onnn* A KOI ^ Cr * ed tret0Ur fr*
Quant Achilles set et entent, Achil]es
Son hr l« Z T Plainement * * ' * e bene tret °™ • • '
A bien ir \ ^ m0lt iSnel Ab °^ ht his harme his —
A bien entors de son mantel, , th
S'espee trait et lor cort sore tt* u * ^
Main* 1™ ß U. ' He dr0W P e SWerd and t0 hem
Mamt lor en ocit en poi d'ore. swapeth
n He wondid many . . .
bei Betin« % C ^ 6r S""* den Ge ^rten des AchiUes gleich
1630 TS l mpf6S fall6n - H ' V ' 1628 ' ™* Verse
vort«7i a ?, W b6SSer auf die ^Igenden, als auf die
A1S ° AchÜleS WUrde an Stell- verwundet
und tötete sechzig seiner Gegner. Der me. Dichter macht
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folgenden Zusatz — H. V. 1632 u. ff.: Nachdem Achilles
sein Schwert zerschlagen hat, verteidigt er sich noch lange
mit der hlossen Hand. Diesem bricht er das Genick, jenen
schleudert er zu Boden oder wirft ihn an die Wand oder zum
Fenster hinaus. Aber der Blutverlust beraubt den Todes-
mutigen zuletzt seiner Kräfte. Ohnmächtig sinkt er zusammen.
Wir glauben liier den Einfluss B.'s bemerken zu können —
B. V. 22154: H. V. 1630:
Mes en mainz leus les — Achilles, In sexe stedes{)eyyaf him awounde
Antilogus — ont plaiez,
H. V. 1647:
Li sans lor ist des cors & fais. The blöde out of his body ganne
22157: swelle
N'est merveilles s'il affeibleient.
22164: H. V. 1650:
Por lo sanc qui des cors lor raie. His hert blöde begänne to blede
Falt lor Ii cners et espasmist
He wax all feynt he moste nede.
Als Paris das Ende des Achilles herannahen sieht, ruft
er diesem siegesfroh zu —
B. V. 22232: H. V. 1653:
Mar ont par vos perdu les vies Now J>ou shalt J>y lyf forgoo
Hector et Troylus nion frere, J>ow slow Ectonr . . .
22235:
Les vengerai de vostre cors. And Troyell broder lefe and dere.
Er lässt den Leichnam aus dem Tempel schleifen:
B. V. 22251: H. V. 1657:
Fors del tenple les a gitez. And out of tbe temple he hira drow.
Weiterhin befiehlt er, den Leichnam mittelst einer Schleuder-
maschine hinüber ins griechische Lager zu werfen, damit ihn
dort die Hunde fressen — H. V. 1658 u. ff. Solche Roh-
heit findet sich bei B. nicht.
Tiefe Trauer ruft das Ereignis bei den Griechen hervor —
B. V. 22259: H. V. 1670:
Quant Griu le sorent ... Sir Monaly of Grece J>e kyng
22261 :
One si grant dels ne fu veuz, Herith teile of [)is tyding
22264: H. V. 1674:
De duol plorent et de pitie\ He maketh dole and his füll woo.
Die folgende Schlacht, ein Kampf der Rache, wird mit
der denkbar grössten Erbitterung geführt. Wie der me. Dichter
aus „bokes of gramer" — H. V. 1703 — wissen will, dauerte
diese Schlacht zwölf Tage. Am letzten aber geschah grosses
Unglück: Paris starb. Ein solcher Hinweis auf das Kommende
findet sich auch bei B. in der Schilderung derselben Schlacht.
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56
B. sagt, dass Paris zornig das Schlachtfeld betreten habe und
ruft dann aus:
B. V. 22671:
Halas! com fiere destinee - Li ert cel jor determinee.
Die Schilderung des verhängnisvollen Zweikampfes zwischen
Paris und Aiax _ H. VV. 1711-40 - ist im Anschluss
an B. s Darstellung entstanden. Freilich hat sich der me
Dichter eine Abweichung gestattet, indem er den Zweikampf
zunächst zu einem Speerkampfe gestaltet. Der Speer des Paris
bleibt im Leibe des Aiax stecken. In dem nun folgenden
Schwertkampf erhält Paris einen tödlichen Hieb über die Brust
Bei B. werden in dem entsprechenden Zweikampfe überhaupt
keine Lanzen verstochen, sondern Aiax wird durch einen Bogen-
schuss des Paris verwundet. Trotzdem gilt obige Behauptung
wie aus dem nachstehenden Vergleiche ersichtlich sein wird'
Der me. Dichter hat einfach für das französische saiete — spere
gesetzt. Aiax kommt zum Lanzenbrechen auf Paris zugeritten
Dieser durchschaut die Situation rechtzeitig, und sprengt nun
gegen Aiax — - r &
B.V. 22711: H. V. 1715:
Une saiete a ^chiee, Alisaunder tak a spere forth f)anne
Fem l'a bien et sanz faillir And madethe spere so in him glyde
Parmi les deux costez l'enpoint. That J>e hede left in his syde
22717:
Cil a sentu le colp mortal Sir Aiax is hurt füll sore
Adonques broche lo cheval. He come dryvyng Alisaunder ayeu
22744:
Molt Ii done fiers cols et granz.
H. V. 1722:
And smote a stroke J>at was on gayn.
Bei B. erhält Paris den tödlichen Hieb ins Gesicht -
B * V ' 22747 : H V 1723-
DeT t fTi^ ^ Th ° r0W the 8held in *o ^
la pointe del brant molu. y
22761:
En la place chiet morz Paris. Alisaunder dyed at worddis Short.
«™- Z ° B iI ri ^ Y ? em me - Dichter der b « B. unmittelbar
vorausgebende Zwe.kampf zwischen Menestheus und Polydamas
als Vorbüd ged.ent. Derselbe zerfallt in a) das Lanzenoreche»
zumVsLf *XZ V\ T™^' der aber nicht
ersten T„;} A- 1 „ halten 68 ffir angemessen, den
paru„ T d eil Ait e8 :; Sffir dem Speerka ™ pfe —
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57
B. V. 22650:
Menesteus vint esleissiez,
L'escu al col, lance levee.
Er durchrennt den Schild des
Gegners.
2265Ö:
L'auberc Ii treuche et le samiz;
Ne 1'ateinst pas el gTos del piz.
Der Gegner erhält nur eine
Streifwunde an der Seite.
(Aiax) come dryvyng with spere
and shelde
Alisaunder tak a spereforth |>anne
H. V. 1732:
Toke vp Alisaunder and honie him
bere
Ayen sir Aiax fast he ryde begänne.
Er verwundet den Gegner
tödlich an der Seite.
Der Leichnam des Paris wird von den Seinen nach der
Stadt getragen. Priamus ist tief betrüht. Aiax hat noch
soviel Kraft, sich nach seinem Zelte begeben zu können, stirbt
jedoch daselbst, sobald man den Pfeil, bez. Speer, heraus-
gezogen hat —
B. V. 22780:
Porte en ont lo cors Paris
En la cite sor son escu.
22828:
Qie ne vos porroie retraire
Lea merveillos dels et les granz
Que de lui fait Ii reis Prianz.
22759:
Vers les tentes l'en ont men6
22765:
Si tost com il orent sachiee
La saiete qu'ert entoschiee
22768:
Fenist tantost entre lor mains. Sir A. diede as he was dyght.
Menelaus giebt seiner Freude über den Tod des Paris
Ausdruck — H. V. 1741 u. ff. Denn er glaubt, dass nun-
mehr die Trojaner, der besten Helden beraubt, vom Kampfe
abstehen werden. Er lässt daher einen engen Belagerungsring
um die Stadt ziehen, um dieselbe durch Hungersnot zur Über-
gabe zu zwingen. Eine entsprechende Rede des Agamemnon
findet sich nicht bei B. Doch dürfte der Schluss derselben, be-
treffend die völlige Einschliessung der Stadt, dem Einflüsse B.'s
zuzuschreiben sein, der dieselbe Thatsache dem Tode des Paris
folgen lässt, während Dares an dieser Stelle — Kap. XXXVI —
weniger bestimmt sagt: postera die Agamemnon coepit exercitum
ante portas instruere. Von den Amazonen, von der Abholung
des Neoptolemus , des Sohnes des Achilles , vom Hofe des
Lycomedes auf Scyrus weiss der me. Dichter nichts. Das
letztere Ereignis bot ihm vielleicht zuviel Ähnlichkeit mit seiner
Achillesepisode. Nach Dares, XXXVII, erfolgt die völlige
His fader made grete dole . . .
Sir Aiax . . gan kome ryde
H. V. 1739:
But j)0 it was take out füll ryght
58
Einschliessung der Stadt erst nach dem Tode der Penthesilea:
Argivi cum exercitu murum circumdant, ut foras Trojani exire
non possent. Im Anschluss hieran berichtet der me. Dichter,
dass der Anordnung des Menelaus zufolge — H. VV. 1572 — 4 —
All f>er . . . be segen Troye in ilke a side — that noman
myght out go ne ryde. Er beeilt sich nun, uns mit dem
Verrate der Stadt bekannt zu machen. Indem er sich bestrebt,
diesen Vorgang so einfach als möglich darzustellen, gestattet
er sich im Anschlüsse an seine Vorlagen die grösste Freiheit.
Nach B. und Dares beantragt Antenor im Kriegsrate des Priamus,
dass Helena und Alles, was mit ihr nach Troja gekommen
sei, den Griechen ausgeliefert und Frieden geschlossen werde.
Amphimachus, des Priamus jugendlicher Sohn, schmäht den
Antenor ob seines Antrages und befürwortet die Weiterführung
des Krieges. Gleichwohl bekunden Aeneas und Poydaraas ihre
Zustimmung zum Vorschlage des Anteuor. Priamus beschliesst,
die Friedensmänner umzubringen. Diese erhalten Kenntnis von
dem Beschlüsse des Königs und sinnen darauf, ihr Leben durch
Verrat der Vaterstadt zu retten. Der me. Dichter dagegen
erzählt, wie Priamus in der Versammlung der Fürsten sein Alter
und seine Kampfunfähigkeit beklagt, die streitbaren Männer
aber ermahnt, den Kampf mit den Griechen weiter zu fuhren.
Antenor drückt dem Könige seine Ergebenheit aus. Doch er
ist ein elender Verräter und will nur den König täuscheu.
Denn im nächsten Augenblicke beschliesst er mit Aenaes, sich
um den Preis des Hochverrats Leben und Gut von den Feinden
zu erkaufen — H. VV. 1758—86. Der Verrat wird somit
in dem me. Gedichte durch andere Verhältnisse vorbereitet als
bei B. und Dares. Wenn der me. Dichter im Allgemeinen
von der Darstellung der Vorlagen abgewichen ist, so konnte
er doch daraus manche Einzelheiten entnehmen. Dass er dies
wirklich gethan hat, zeigt zunächst die Klage des Priamus —
H. V. 1761 u. ff. Ähnlich klagt Priamus bei B. V. 25089
u. ff., als er dem Willen des Volkes, den Frieden von den
Griechen zu erkaufen, nachgeben muss. Beiden Klagen ist
nämlich der Gedanke gemeinsam, dass die gegenwärtige Nieder-
lage der Trojaner eine Folge des Verlustes ihrer trefflichsten
Helden, des Hektor und Paris, sei. Zuvor habe es besser um
Troja gestanden —
B. V. 25094:
Escif me sont tuit et salvage.
N'a onquor pas treis anz passez, H. V. 1761:
Se eist consalz me fust donez, . . . were Ectour on lyve
Ainz qu' Ector mis filz fust oeis, He wold our fomen all to dryve
Troylus Ii prouz et Paris, Or his broder Alisaunder Parys
Qu'il me fust graut profit de faire. Litill durst we dowt our enmys.
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59
Gleichwohl ermalmt Priamus die Seinen, den Kampf mit
den Griechen wieder aufzunehmen, während nach B. des Königs
Sohn Amphimachus diesen Vorschlag macht. Antenor und
Aeneas wollen die Stadt unter der Bedingung an den Feind
verraten, dass ihnen und ihren Verwandten Leben und Gut
gesichert werde. Nach B. wird der Verrat dem Priamus durch
Amphimachus mitgeteilt, im me. Gedichte vereinbart Antenor
mit Aeneas —
B. V. 24642: H. V. 1785:
. . . il tra'iront la cite . . . we will him the town yeide
V. 1783:
0 co que lor possessions, Andbiddewe hem yeve vsourlyves
Et lor aveirs et lor mesons, Our katell our chyldren and our
Et lor ami et lor parent wyves.
Eussent pez tot quitenieut.
Die beiden Verräter gehen selbst bei Nacht ins griechische
Lager. Nach B. und Dares, XXXIX, thut dies Polydamas.
Ihr Anerbieten wird angenommen. Sic selbst müssen sich
eidlich verpflichten. Das hölzerne Pferd kennt der nie. Dichter
nicht: die Thore der Stadt sollen einfach den Feinden durch
die Verräter geöffnet werden — H. V. 1798. Einzig ist die
Darstellung des me. Gedichtes, wonach Antenor sich auf listige
Weise die Führerschaft des Heeres anzueignen versteht, indem
er sich vom Könige die Erlaubnis zur Wiedereröffnung des
Kampfes erbittet — H. V. 1820. Für den Einfluss des Dares,
XLI, spricht der Umstand, dass Neoptolemus die Zerstörung
der Stadt leitet. B. schreibt Pyrrhus für Neoptolemus und
stellt denselben nicht mit solcher Entschiedenheit in den Vorder-
grund. Mit dem Rufe „Antenor und Aeneas" soll Neoptolemus
in die Sta,dt eindringen, während Menelaus mit einem Teile
des Heeres die Thore besetzen will, damit kein Trojaner ent-
fliehen könne — H. bis V. 1848. Letzterer Punkt weist auf
den Einfluss B.'s hin.
B. V. 25974: H. V. 1847:
Li portal furent bien garde\ And we will here with outyu be
Que nus n'en issist, n'eschapast. To kepe that non shall fle.
Der Bericht über die Zerstörung der Stadt zeigt manche
Anklänge an den entsprechenden bei B.
Vom Geschrei erdröhnt die Luft —
B. V. 25955: H. V. 1853:
Li criz et la noise est levee. Cry arosse £>orough the Cete.
Alles wird niedergemacht, selbst Frauen und Kinder finden
kein Erbarmen.
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60
B. 25948:
Ainz que del jor paire clarte
En orent il X. M. ocis,
H. V. 1865:
All the nyght füll fast they aleth
25953:
N'i esparnierent rien vivant,
All that j>ey fownden with dolfull
/deth
Doughter an dsone moder and fader
Morent i meres et enfant.
25960:
N'i remaint povre, n'orfelin,
Jones ni vielz qu'il i ateignent.
And ]>e yong chyld in the cradell
Olde blynde men . . .
25977:
Es bras des meres aletanz
Ont detrenchiez les biax enfanz.
Das Blut fliesst in Strömen —
B. V. 25962:
Del ocise Ii pales seingnent,
Tuit decorent Ii pavement,
De sanc sont vermeil et sanglent: H. V. 1865:
N'i a ne rue, ne sentier, There was shed soo moche blöde
Ou n'ateigne jusqu'al braier 45 ). That man and horstoj>e kneesyode.
Als König Priamus vom Turme herab das blutige Schau-
spiel beobachtet, überzeugt er sich sogleich davon, dasserdas
Opfer eines schändlichen Verrates geworden ist. Die Klage —
H. V. 1869 u. ff — setzt sich zum grossen Teil aus Wieder-
holungen zusammen. So kehrt H. V. 1877 u. f. — der Ge-
danke wieder, dass solches Unheil bei Lebzeiten des Hektor
und Paris nicht hätte geschehen können — H. V. 1761 u. ff.
Ferner wiederholt v. 1871 — V. 639 — V. 1879 — V. 202 —
V. 1880 — V. 643.
Wenn auch B. an derselben Stelle den Priamus nicht
klagen lässt, so ist doch im Übrigen sein Einfluss erkennbar.
Nunmehr dringt Neoptolemus in den königlichen Palast
ein, haut Priamus mit dem Schwerte nieder und tötet Polyxena
durch einen Faustschlag ins Genick. Nachdem er das ganze
königliche Geschlecht vernichtet hat, führt er Helena dem
r
Vergl. braies, lat. bräcae = kurze Hosen.
B. 25997:
Li reis Prianz o"i les criz,
Sot et conut qu'il ert tra'iz,
Esba'iz fu et entrepris.
B. V. 26001:
C. feiz se pasme de dolor.
H. V. 1867:
Priamus the kyng
Stant in his towre seth all {>yng
Alas quod he treson treson
H. V. 1881:
For soo grete sorow {>at he saye
He fallith adown . . .
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61
Menelaus wieder zu. Man bemüht sich, das Geschehene zu
vergessen. Die Griechen nehmen sämtlich in Troja Quartier
undfeiern ein dreissigtägiges Siegesfest — H. bis V. 1908. Diese
Darstellung erweist sich als völlig abweichend von der der
Quellen. Nach B. und Dares wird Polyxena längere Zeit von
Aeneas versteckt gehalten und dann von Pyrrhus, bez. Neop-
tolemus, am Grabe des Achilles getötet. Menelaus holt sich
selbst seine Helena aus dem königlichen Palaste — B. V. 26091
u. ff. B. und Dares wissen nichts davon, dass Neoptolemus
die Ermordung der Polyxena rechtfertigt, H. V. 1891 u. ff'.,
indem er dieser die Schuld am Tode seines Vaters zuschreibt.
Reich mit Schätzen beladen kehren die Griechen in die Heimat
zurück, wo sie glücklich weiter leben — H. VV. 1910—16,
eine Wiederholung von W. 179-84. Dass dieselben der
französischen Vorlage entnommen sind, ist schon früher nach-
gewiesen worden. 46 ) Nachdem der Dichter seine Helden wohl-
behalten zu Hause hat ankommen lassen, schliesst er sein
Gedicht mit einem kurzen Gebet für das Wohlergehen seiner
Zuhörer und das Seelenheil aller guten Christen. H. V.
1917 u. ff.
Vorstehende Untersuchung hat ergeben, dass
der me. Dichter vom Anfange bis zum Ende seines
Gedichtes vorwiegend der Darstellung B.'s an der
Hand des Dares gefolgt ist. Als Hauptquelle für das
me. Gedicht Seege oder Batayle of Troye ist somit
der altfrz. Roman de Troie des Benolt de St. More
anzunehmen. Dieses Ergebnis steht aber im Gegensatz zu den
Behauptungen sowohl von Zietsch, der vom altfrz. Troja-
roman als Quelle für das me. Gedicht überhaupt nichts wissen
will, als auch von Greif, der nur für den vierten Teil des me.
Gedichtes B.'s Roman als Quelle annimmt
Abgesehen nun von dem geringen Umfange des me. Ge-
dichtes im Vergleiche zum altfranzösischeen erscheint die Dar-
stellung des letzteren in jenem oft völlig umgestaltet, an der
einen Stelle bedeutend gekürzt, an der andern mit Neuem
bereichert. Diese Umgestaltungen und Zusätze führen uns zum
zweiten Teile unserer Abhandlung.
4Ü ) s. S. 16.
IL Das Verhältnis des me. Gedichtes Seege oder
Batayl e of Troye zum mhd. Gedichte vom troja-
nischen Kriege Konrads von Würzburg hinsicht-
lich der Abweichungen und Zusätze, welche beide
Gedichte gemeinschaftlich im Vergleiche mit B/s
Trojaromane aufweisen.
Wie schon in der Einleitung angedeutet worden ist, soll
im Nachstehenden wahrscheinlich gemacht werden, dass dem
me. und dem mhd. Dichter eine erweiternde Bearbeitung des
altfranzösischen Roman de Troie von B. bei der Abfassung
ihrer Gedichte vorgelegen hat. Zu dieser Vermutung fuhren
folgende dem me. und mhd. Gedichte gemeinsame Punkte.
A. Die Verhandlungen des Königs Priamus 'mit den Trojanern
und Griechen zum Zwecke der Befreiung der Hesiona
aus der Gefangenschaft,
B. der anfangliche Aufenthalt des Paris in Griechenland
werden abweichend von B. dargestellt.
C. Der Bericht über den Apfelstreit der drei Göttinnen er-
scheint im Hinblick auf den entsprechenden B.'s erweitert.
Bei B. finden sich überhaupt nicht die folgenden Episoden :
D. der Traum der Hecuba und die Jugendgeschichte des
Paris ;
E. die Jugendgeschichte des Achilles und dessen Wegholung
vom Hofe des Lycomedes auf Scyrus durch griechische
Gesandte.
Da im Übrigen der me. und der mhd. Dichter der Dar-
stellung B.'s gefolgt sind, so liegt gewiss die Vermutung nahe,
dass die soeben angedeuteten Abweichungen und Zusätze be-
reits in der vom me. und mhd. Dichter benutzten Fassung
des altfranzösischen Trojaromans vorhanden gewesen sind. Da
aber eine derartige Hs. bis zu diesem Augenblick nicht be-
kannt ist, so ist es notwendig zu untersuchen, ob die dem
me. und mhd. Gedichte gemeinsamen Abweichungen und Zu-
sätze in so hohem Grade übereinstimmen, dass eine Hand-
schrift des altfranzösichen Trojaromans von der soeben be-
zeichneten Beschaffenheit angenommen werden kann. Dass es
eine solche Handschrift wirklich gegeben hat, ist keineswegs
unmöglich. Wir haben in der Einleitung an der Hs. G des
Roman de Troie von B. gezeigt, dass die Abschreiber zuweilen
durch Kürzungen, Abänderungen und Zusätze das Original
verunstalteten oder verstümmelten. Nach diesen Bemerkungen
können wir zur näheren Begründung unserer Ansicht schreiten.
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63
A.
Über die Verhandlungen des Königs Priamus mit den
Trojanern und den Griechen zum Zwecke der Befreiung
der Hesiona.
Dieser Punkt ist zum Teil schon früher — s. S. 19 u. f.
— Gegenstand unserer Betrachtung gewesen. Dort wurde
auch die Art und Weise angedeutet, in der die Darstellung
B.'s vom me. Dichter umgestaltet worden ist. Wir wiederholen
hier das Nötige. Nach dem Berichte B.'s beruft Priamus, so-
bald der Wiederaufbau der Stadt vollendet ist, das Parlament
und eröffnet dasselbe durch eine Rede, worin er zunächst auf
Eröffnung des Krieges gegen Griechenland dringt, schliesslich
aber zur Erhaltung des Friedens sich bereit erklärt unter der
Voraussetzung, dass die Griechen der Forderung, die Hesiona
zurückzugeben , nachkommen würden. Der me. und der mhd.
Dichter haben nun diese Darstellung dahin geändert, dass sie
den ersten Teil der Rede dem Priamus belassen, den zweiten
Teil dagegen zum Beschlüsse des Parlamentes gemacht haben,
so dass dieses als das friedliche , der König als das kriegerische
Element erscheint. Liegt auch eine derartige Umgestaltung
der Darstellung B.'s sehr nahe, so spricht doch der Umstand,
dass sie sich in zwei durch Zeit, Ort und Sprache von einander
völlig getrennten Gedichten vorfindet, deren Quelle B.'s Troja-
roman ist, mit Entschiedenheit für die Annahme, dass besagte
Änderung bereits in einer Hs. des altfranzösischen Trojaromans
vorgenommen worden war. Nach Konrad lässt das Parlament
seinen Beschluss durch Hektor dem Könige überbringen. Im
me. Gedichte wird der Vertreter des Parlaments nicht genannt.
Das Weitere wird aus dem nachstehenden Vergleiche des me.
mit dem mhd. Texte erhellen. Priamus eröffnet das Parlament
mit folgenden Worten —
K. V. 17816: H. V. 291:
ir wizzent 47 ) leider alle wol Ye wote whanne J)ey of Grece
come
den schaden und daz nngemach
daz von den Kriechen uns geschach. And this lond robbed aud nome.
Unter dem Hinweis auf die starke Befestigung der Stadt
befürwortet der König den Krieg mit den Griechen und er-
bittet sich die Ansicht des Parlamentes —
K. V. 17860: H. V. 301:
mir rate üz sime sinne . . . ye will geve {>er to counsayle.
daz beste ein iegelicher man.
Das Parlament aber wünscht zunächst friedlichen Aus-
gleich mit den Griechen —
47 ) Der Einfachheit halber haben wir die dentale Fricativa v.
d. Affricata äusserlich nicht unterschieden.
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64
K V. 17902: H. 301 V.:
doch rätent si daz alle . . . sir do as we yon desyr
daz ir geruochent balde z'in
nn senden einen boten hin:
17907:
ob si ze buoze wellent stän And of your Barouns send thedyr
des schaden der in si getan. To hem that our eiders sley
ir sult des heizen vrägen And her goodis did bere awey
waz ir bezzerunge si And loke if Jjey wull wage
dar umbe daz ir worden vri Eavnsom or ony trevage.
sint iners vater von ir hant.
Der König aber soll den Griechen das verübte Unrecht
ungestraft hingehen lassen unter folgender Bedingung —
K - V - 17929: H . V. 305 u. ff.:
dur daz 8i • • • And loke if f>ey wull . . .
. . . mwer swester wunnevar . . . brynge ageyne they sustir
in geruochent wider geben
17924: 8
daz man ze Troye sende Dame Isyon J)at is so bryght.
diu claren und die wol gesiten.
Bei Konrad erscheint Hektor als Vertreter des Parla-
mentes. Nehmen wir nun an, dass die unserm Konrad vor-
liegende Fassung des altfrz. Trojaromans bereits eine derartige
Darstellung aufwies, so ist es begreiflich, wenn im me. Ge-
dichte Hektor als Gesandter nach Griechenland geht. Das
Parlament ist im Voraus davon überzeugt, dass die Griechen
der billigen Forderung nicht nachkommen werden. Je nach
dem Entschlüsse der Griechen wird daher die Gesandtschaft
frieden oder Krieg im Gefolge haben.
K. V. 17958:
man sol in allen widersagen
6 daz man si mit srite H V 310-
beste ze dirre zite. K J>ey no wull doth jonr avyse.
Des Königs „avyse" aber ist der Krieg gegen die Griechen,
im Berichte über den Aufenthalt Antenors in Griechenland
weichen das me. und das mhd. Gedicht wiederum von der
Darstellung B s ab. Während dieser Antenor eine Rundreise
an die Hofe der einzelnen griechischen Fürsten machen lässt,
fcndet der trojanische Gesandte im me. und mhd. Gedichte
V «nm S ™ h T U ***** be — : nach Konrad
TXoh?» \ ;r b « Te,amoni ™ auf Salamis, nach dem me.
ühP r l ~ finV 19 U - * - bei Hercules, „dem Herrscher
f 11 '^ ' an ^genanntem Orte. Diese Umgestal-
tet »^™B *.'B bewahrte den me. und den mhd.
Dichter vor dem Fehler der Wiederholung. Man hat bisher
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angenommen , dass jene Änderung- von Konrad selbständig be-
wirkt worden sei. Man könnte dieselbe Ansicht auch für den
me. Dichter geltend machen, indem dieser schon zuvor ein-
mal in ähnlicher Weise von der Darstellung B.'s abweicht,
und zwar, um zu berichten, wie Hercules die griechischen
Fürsten zu einem Rachefeldzug gegen den Trojanerkönig
Laomedon aufruft — H. V. 83 u. ff. 48 ) Hiermit steht der
me. Dichter vereinsamt da. Denn Konrad hat sich an der-
selben Stelle getreu der Darstellung B.'s angeschlossen. Der
me. Dichter hat daher dort selbständig geändert, so dass man
ihm auch hinsichtlich seines Berichtes über den Aufenthalt
Antenors, bez. Hektors, in Griechenland Selbständigkeit zutrauen
könnte. Hiergegen kann man zunächst behaupten, dass der
me. Dichter die zweite Kürzung in der vorliegenden Hs. des
Roman de Troie vorfand und im Anschluss daran die erste
Kürzung vorgenommen hat. Dass Konrad dieselbe Fassung
des altfrz. Trojaromans benutzt hat, dafür spricht der Um-
stand, dass jener und der me. Dichter gemeinschaftlich von
den vier Reden des Antenor bei B. die an Telamonius, an
dessen Stelle im me. Gedichte Hercules getreten ist, heraus-
gegriffen haben, dass ferner dieselbe von beiden Dichtern
durch gleichartige Zusätze erweitert worden ist. Wir lassen
zunächst den Text B.'s folgen.
B. V. 3380:
Sire, fet il, ses messagiers —
Li reis Prianz en cest pais.
B. V. 3384:
Par mei vos mande molt etprie —
Qu' avez ja tenue maint jor.
Ne la devez en soignantage —
Vos a envoiez et tramis —
Que vos Ii rendeiz sa seror —
Fille ä rei est de halt parage —
Tenir, n'aveir, car molt est lait.
Der me. und der mhd. Dichter lassen den Gesandten
sprechen —
K. V. 18026:
• • . ir herren tugenthaft
der werde künic riche
von Troye Priamus genant
der hät ze boten mich gesant
vttr iuwer angesiht dä her.
V: 18035:
er hiez iuch vrägen alle
wan iu daz wol gevalle
daz ir büezent im den schaden
H. V. 323:
Lordyngis he seyde J am now her
Com from Troye as a mesenger
The kyng Pryamus me hedur send
And asketh howe ye will be
demened
is ) s. o. S. 12.
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dä mite er von in wart geladen
bi sine s vater zite
den ir an eime strite
ze töde sluogent äne schult.
V. 18088:
. . . ir widersenden
geruochent im die swester sin.
V. 18066:
daz man diu frouwen höchgeborn
hat anders denne ir schone ste,
daz tuot im alsö rehte we\
V. 18078:
(er) heizet iuch geliche
und algemeine biten hie
daz ir geruochent eteswie
ze buoze siner heade stan
der dinge der im si getan.
Of that ye comyn ayens his pees
And slouwe his fader gylteles
And wheche of you haue his
suster . . .
I rede J>at ye ayen her send
For sekerly it is nought ryght
A kyngis doughter to serue a
knyght.
I rede that ye to him gone
And in his grace put you anone.
B.'s Antenor erwähnt nicht, dass der Vater des Priamus
unschuldig von den Griechen getötet worden sei. Konrads
Antenor rät den Griechen nicht, nach Troja zu gehen, und
sich dort bei Priamus zu entschuldigen, aber er verlangt Genug-
tuung für das verübte Unrecht. Als solche schlägt er die
Herausgabe der Hesiona vor. Die Griechen fassen die
Forderung Antenors als eine Beleidigung auf. Denn sie wollen
weder Genugthuung geben, noch vollends gar um die Huld
des Trojanerkönigs werben.
K. V. 18103:
Den Kriechen was diu rede unwert
daz von Priande wart gegert
buoz unde bezzerunge also
daz ieman z'in getorste dö
dekeine vorderunge hän.
Wenn auch die Antwort, welche der griechische Gesandte
erhält, im me. Gedichte ungleich kürzer ist als im mhd., so
ist sie doch im Übrigen dieselbe.
Telamonius, bez. Hercules, begründet den Feldzug der
Griechen gegen Laomedon von Troja:
K. V. 18156: H. V. 339:
ein laster wart gerochen Goo sey his fader did vs wrong
an ir daz uns aldä geschach And we him anoder also strong.
d6 man die selben stift zerbrach.
H. V. 336:
Soche a dispyte don to vs
neuer was
Bhulld we in his grace abyde.
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Solchen Bescheid erhält nach B. Antenor von Castor und
Pollux -
V. 3449: Mes co set len certainement,
Que sis peres premierement
Forfist vers nos et vers les noz,
Don domages vint puiz a voz.
Antenor wird angewiesen, hei Gefahr seines Lehens das
Land sofort zu verlassen —
K. V. 18208:
niht anders kan ich iu gesagen
wan daz ir strichent hinnen H. V. 343:
e daz ir hie gewinnen And if you fynkest hens on lyfe
mtiezent schaden unde leit. Trusse J)e out of {>i8 lond blyve.
B.'s Telamoniu8 empfiehlt dem Antenor — V. 3420:
• • . gardeiz sor tote rien — Qu'en cest pai's ne demorez —
Isnelement vos en alez. Wir erachten es für unmöglich, dass
diese dem me. und dem mhd. Gedichte gemeinsamen Ab-
weichungen von B.'s Darstellung zufälliger Natur sind. Wir
behaupten vielmehr, dass dieser Umstand aus der Benutzung
derselben Fassung von B.'s Trojaroman durch den me. und
den mhd. Dichter zu erklären ist.
B.
Über den anfängliehen Aufenthalt des Paris in Griechenland.
Wir werden uns hier mit der Prüfung der Verhältnisse
zu befassen haben, unter welchen nach der Darstellung der
mittelalterlichen Autoren die Ankunft des Paris in Griechen-
land stattgefunden hat.
Nach Dares, IX, und B. V. 4203 u. ff. begegnet Paris
auf der Meerfahrt dem Menelaus , der auf der Reise zu Nestor
von Pylus begriffen ist. Die Entführung der Helena von der
Insel Cythera erfolgt somit während der Abwesenheit des
Menelaus. Anders ist die Situation im mhd. und im me. Ge-
dichte dargestellt. Nach K. V. 20367 u. ff. kommt Menelaus
mit Helena zum Tempel. Er ladet den Paris ein, mit in den
Palast zu kommen , und dort für die Dauer seines Aufenthaltes
Wohnung zu nehmen. Nach Verlauf mehrerer Tage verlässt
aber Menelaus Cythera, um mit seinen Schwägern Castor und
Pollux in den Krieg zu ziehen — K. v. 20860 u. ff. Er
unterlässt nicht, zuvor seinen Gast Paris der aufmerksamen
Pflege der Dienerschaft wie auch seiner Gattin zu empfehlen
— K. V. 20876. Wir wollen nichts Neues bringen, wenn
wir bemerken , dass diese von B. abweichende Darstellung K.'s
6*
68
unter dem Einflüsse von Ovids 16. Heroide 49 ), an die sich be-
kanntlich K.'s Geschichte der Entführung der Helena anlehnt,
entstanden ist — Her. XVI. V. 150 ff.: Helena ladet Paris
ein , sie zu besuchen. Die Gelegenheit sei besonders günstig,
da Menelaus plötzlich habe abreisen müssen — V. 156:
Magna fuit subitae justaque causa viae.
Beim Abschiede habe er gesagt — V. 159 :
„resque domusque
Et tibi sit curae Troicus hospes".
Es fragt sich nur, ob sich K. ganz aus eignem Antriebe
von B.'s Darstellung entfernte, um sich der antiken zu nähern,
oder ob er die Anregung dazu durch die ihm vorliegende Hs.
des altfranzösischen Trojaromans erhalten hat. Diese Frage
aufzuwerfen, veranlasst uns wiederum die Darstellung des me.
Gedichtes, wonach Menelaus nicht nur zur Zeit der Ankunft
des Paris in Cythera — H. 525: Capharnoum — anwesend
ist, sondern auch für die ganze Dauer des Aufenthaltes des
Paris. Denn er nimmt am Kampfe gegen den Entführer der
Gattin teil, flüchtet sich aber heimlich, um der Gefangenschaft
zu entgehen — H. V. 520 u. ff. — 609 u. ff. Es ist also
wahrscheinlich, dass in der dem me. und mhd. Dichter vor-
liegenden Fassung des altfranzösischen Trojaromans Menelaus
als in Cythera anwesend dargestellt wurde, was leicht durch
Fortlassung von D.'s und B.'s Berichte über die Begegnung
des Menelaus und Paris auf dem Meere erreicht werden konnte.
Übrigens lag ein solches Verfahren sehr nahe. Denn die Reise
des Menelaus zu Nestor wird nicht begründet. 50 ) Warum sollte
also der König zur Zeit einer grossen religiösen Festlichkeit
seine Residenz verlassen haben!
Nicht weniger billig erscheint die Umgestaltung der folgen-
den Darstellungsweise des B. und Dares. Nach diesen 51 ) bekennt
Paris auf die Fragen der Griechen, woher und warum er ge-
kommen sei, ehrlich und offen, dass er von Priamus gesandt
worden sei, um die Befreiung seiner Tante Hesiona zu be-
wirken. Diese Antwort ist ebenso unklug, als es unbegreiflich
ist, dass die Griechen, die doch kurz zuvor den Gesandten
Antenor so grob abgewiesen haben, den Paris samt den Seinen
nicht verhaften, ja nicht einmal Vorsichtsmassregeln gegen ihn
treffen. Ein denkender Bearbeiter fand hier hinreichende Ver-
anlassung, die unlogische Darstellung B.'s zu verändern und
zu bessern, indem er den Paris einfach den Schlauen spielen
49 ) s. Greif, 8. 111, Cholevius, S. 140; Bartsch, Albrecht von
Halberatadt, XXVI, ff., Dünger, S. 53.
M ) B. V. 4208: Mes. gie ne se dire por quei.
61 ) B. V. 4283 u. ff.
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69
und hinsichtlich des Ausgangspunktes und Zweckes seiner Reise
eine Lüge begehen Hess. Einer derartigen Darstellungsweise
haben sich sowohl der me. als auch der mhd. Dichter bedient.
Nach K. — V. 19582 u. ff. — scheint Paris zunächst auf
die Fragen der Griechen garnicht geanwortet zu haben. Erst
auf die Frage seiner königlichen Wirtsleute — K. V. 20466
u. ff. — woher er komme, giebt er sich für einen Karthager
aus. Nach dem me. Gedichte — H. V. 505 u. ff — befrie-
digt er die neugierigen Griechen durch den Bescheid, dass
er, ein Kaufmann, vom Gestade des „ottomanischen Meeres"
komme und vom Sturme an die griechische Küste verschlagen
worden sei. Da wir nun Nordafrika als das Gestade des otto-
manischen Meeres bezeichnen können, so verweist uns der Paris
des me. Gedichtes auch nach Libyen und Karthago —
K. V. 20466: H. V. 502:
giietliche wart der cläre And curteysley asked hem what
gevräget dä der maere £ey wold
von welhem land er waere.
Des antwurt in dö Paris Sir Alisaunder . . .
als ein bescheiden herre wis ... anwerd hem with wordis wyse
20476: H. V. 506:
ich wart erzogen ze Lybia Out of the see Octaman comen we.
20478:
geheizen ist Karthäge
ein stat von der ich bin geborn.
Paris bittet um gastfreundschaftliche Duldung — K. V.
20501 u. ff. _ H. V. 500. — Dieses Zusammengehen K.'s
mit dem me. Dichter erklärt sich am besten aus der Annahme,
dass die beiden Dichtern vorliegende Fassung des Trojaromans
von B. eine entsprechende Darstellung aufgewiesen hat. Ovid,
dessen Menelaus den Paris als „Troicus hospes" bezeichnet,
hat hier keinen Einfluss gehabt.
C.
Über den im Hinblick auf B.'s Darstellung erweiterten
Bericht über den Streit der drei Göttinnen um den goldnen
Apfel der Eris und das Parisurteil.
Wir haben im ersten Teil der Abhandlung 52 ) gezeigt, wie
B.'s Bericht über den Apfelstreit interpolierenden Abschreibern
und Übersetzern mehrfache Gelegenheit zur Erweiterung darbot.
Dazu war der Gegenstand ein dem Mittelalter wohl bekannter,
wie es nicht minder Ovid war, der die Quelle dafür abgab.
') s. o. S. 22 u. ff.
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70
Weiterhin aber hat Greif 58 ) aus dem Zusammengehen mehrerer
mittelalterliehen Autoren, nämlich Konrads von Würzburg mit
den Verfassern der Trojumanna Saga, ferner einer südslavischen
Bearbeitung der Saga vom trojanischen Kriege und unseres
me. Gedichtes Seege oder Batayle of Troye , in der Beschreibung
der Hochzeit des Peleus und der Thetis und des Parisurteiles
auf eine andre ihnen gemeinsame lateinische Quelle geschlossen.
Auch diese muss sich, wie schon aus Vorstehendem ersichtlich
ist, grosser Verbreitung erfreut haben und war jedenfalls dem
Verfasser der erweiternden Bearbeitung des altfranzösischen
Trojaromans von B., wie wir sie als gemeinschaftliche Quelle
für Konrad und den me. Dichter annehmen, bekannt, der mit
Hülfe derselben die Darstellung B.'s durch Zusätze in der
Weise bereicherte, welche wir früher angedeutet haben. 52 )
Wir gehen nun auf jene Zusätze, wie wir sie bei K. und
dem me. Dichter finden, näher ein.
An B. V. 3863 — Une pome lor fu gitde — konnte
der interpolierende Abschreiber leicht die Beantwortung der
Frage nach dem Urheber und dem Zwecke des Ereignisses
anknüpfen. Als ersteren bezeichnet der me. Dichter das
Schicksal, als letzteren Zwietracht zwischen den drei Göttinnen —
H V. 403:
That fortune 51 ) cast with outyn lees — Too makynwerre J>at ere waspees.
Konrad lässt die Göttin Discordia ungeladen zur Hochzeit
kommen —
V. 1384: si wollte kriec, nit unde haz
da saejen under dise dri
1390: enmitten under si zehant
warfs' einen apfel schoene.
Der Zweck wird besonders infolge der Inschrift, die der
Apfel, trägt erreicht. Der in B. v. 3869 — Chascune plus
bele se fait — ausgedrückte Gedanke liess sich leicht weiter
ausführen und dramatisch gestalten, indem man über den Auf-
tritt einer jeden der Göttinnen berichtete —
H. v. 407: Thanne seyd Juno myn shall it be
For I am fayrest of vs three.
Pallas seyd it schall be myn
412: The fayrest I am of that is in ony lond.
Dame Venesse seyd now be stylle
That appul is myn be ryght skylle
For I am without lees — The fayrest that euer born was.
Jede will also die schönste sein. Nach Konrad verlangt
Juno — V. 1546 — den Apfel um ihrer Macht willen, Pallas
68 ) s. daselbst 8. 96 u. ff.
M ) Konrads Paris erzählt der Helena vom Apfelstreite der
Göttinnen — K. V. 21826: daz heil das mir gegeben hat — Fortöne.
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71
ihn als Preis ihrer hohen Weisheit — V. 1550
— und Venus fordert ihn als Lohn edler Liebenswürdigkeit
— V. 1559 u. ff. In Gegenwart des Paris aber kommt jede
auf das Lob ihrer unvergleichlichen Schönheit hinaus.
1) Juno —
K. V. 1933: wiplich creatiure — nie wart ... so rehte schcene als ich.
2) Pallas -
K. V. 1950 : der apfel soll billiche mir
V. 1952 : ze wünsche bin ich wol getan.
Juno und Pallas geraten nun in einen Wortwechsel. End-
lich erhebt sich
3) Venus —
K. V. 2099: ir mtigent iuwer kriegen län
ich wil den apfel selbe hän
wan er ist min von rehte
an libe und an geslehte
kan mir kein vrouwe sin gelich.
Man vergleiche hiermit die entsprechenden Verse des
me. Gedichtes — H. V. 413 u. ff.; s. vorige S.
Nach der Darstellung des me. Gedichtes — H. V. 417
u. ff. — kommt Juno zuerst zu der richtigen Einsicht, dass,
wenn der Streit überhaupt ein Ende nehmen solle , ein Schieds-
richter nötig sei. Als solchen schlägt Venus den Paris vor,
und die beiden andern Göttinnen erklären sich mit der Wahl
einverstanden. Ein gleicher Vorgang wird bei K. V. 1570
u. ff. berichtet, doch erfahren wir daselbst nicht, welche der
Göttinnen die Wahl eines Schiedsrichters angeregt hat. Ferner
empfiehlt ihnen Jupiter den Paris. Dasselbe thut nach B. V. 3877
u. ff. Mercur. Derselbe sagt zu Paris : Conseil quistrent, gie
lor donai; V. 3887: Par tei lor covient ä saveir — Qui la
pome devra aveir. An Stelle dieser wenigen Worte erscheint
im me. Gedichte eine kleine dramatische Scene. Bei Konrad
herrscht weit grössere Fülle, aber weniger Lebendigkeit.
Jupiter Venus schlägt Paris zum Schiedsrichter vor :
K. V. 1616: H. V. 425:
er hete alsö getriuwen sin Paris ia the trewest man.
1618:
daz er durch keiner shahte guot
1620:
zerbräche sine wärheit
Nach B. stattet nun jede der Göttinnen dem Paris einen
Besuch ab und bittet ihn unter grossen Versprechungen, ihr
den Besitz des Apfels zuzusprechen — V. 3889: Cascune
conseilla ä mei — Priveement et en segrei — V. 3891 : Ni
ot cele molt ne m'offrist. Auch dieser kurze Bericht ist im
72
me. und im mhd. Gedichte stark erweitert, indem der Besuch
jeder Göttin uns vor Augen gerührt und jedes Versprechen
seinem Inhalte nach angegeben wird. Bei B. finden wir nur
das Versprechen der Venus näher bezeichnet. K. — V. 1913
u. ff. — stellt die Sache so dar, dass zunächst jede Göttin
einzeln dem Paris die Gründe angiebt, mit welchen sie auf
den Besitz des Apfels Anspruch erheben kann. Keine ver-
gisst natürlich, dabei ihrer Schönheit Erwähnung zu thun, wie
wir bereits gezeigt haben. Diese Scene ist somit dieselbe,
welche sich im me. Gedichte vor der Anwesenheit des Paris
abspielt. K. — V. 2586 u. ff. — erzählt, dass Juno, als
Paris mit seiner Entscheidung zögert, den Anfang damit macht,
sich durch hohe Versprechungen die Gunst des Paris zu er-
werben. Die beiden andern Göttinnen folgen ihrem Beispiele.
Die Schilderung dieser Scene befindet sich im me. Gedichte
H. V. 430 — V. 452. Den Vergleich derselben hat schon
Greif — s. S. 101 u. f. — geführt. Wir fügen nur noch
hinzu, dass in der Hs. H. das Versprechen der Pallas nicht
angegeben wird, und Juno's Versprechen ist ursprünglich das
der Pallas — H. V. 436: Thou shalt be wyse . . . Paris
aber erteilt den Apfel der Venus, die ihm das schönste Weib
versprochen hatte.
K. V. 2800:
kein frouwe mac in sin gelich Paris erzählt seinem Vater —
H. V. 458:
an eren und an werdekeit Venesse was fayrer thanne {>re
der cröne ist wol an iuch geleit
und der apfel schoene. Therefore I grauntt") her to have
That appul . . .
Sowohl bei Konrad als auch in der Hs. H. des me. Ge-
dichtes ist das Parisurteil nicht zum Gegenstande eines Traumes
gemacht, wie es B. und nach ihm der Verfasser der Hs. L.
des me. Gedichtes dargestellt hat. Wir haben früher nach-
gewiesen, dass abgesehen von den Zusätzen die Darstellung
des Apfelstreites im me. Gedichte, besonders in H., sich eng
an diejenige B.'s anschliesst. Wir können daher annehmen,
dass der me. Dichter die Erweiterungen bereits in der ihm
vorliegenden Hs. des Trojaromans von B. vorfand. Wir haben
schwerwiegende Gründe dafür geltend gemacht, dass Konrad
ebendieselbe Fassung des altfranzösischen Trojaromans benutzte,
und erklären aus diesem Umstände die gleichartige Erweiterung
des Berichtes über das Parisurteil im me. und mhd. Gedichte.
Indem nun Konrad den Apfelstreit zu einer Episode der Hoch-
zeit des Peleus und der Thetis machte, somit vorweg nahm,
was in der altfranzösischen Vorlage Paris zur Begründung
* Ä ) So die Hs.; Zietsch; ther fore, graunt.
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73
seines Anspruches auf die Leitung des trojanischen Heeres
anfahrte, sah er sich genötigt, an letzterer Stelle eine Änderung
vorzunehmen, wenn er sich nicht der Wiederholung schuldig
machen wollte. Er hat diese Aufgabe in der denkbar glück-
lichsten Weise gelöst. Er lässt zunächst im Anschluss an B.'s
Darstellung den Paris erzählen — K. V. 18812 u. ff. — wie
derselbe sich auf der Jagd verirrt und sich an einer Quelle
niedergelassen habe, um auszuruhen. Das Weitere gehört
K.'s eigner Erfindung an. Paris beklagt sich in der Einsam-
keit, dass Venus das ihm gegebene Versprechen noch nicht
eingelöst habe. In demselben Augenblicke erscheint Mercur
und überreicht jenem einen Brief der Venus. Diese teilt dem
Paris mit, dass sie ihm in einem Kriege gegen die Griechen
zum Siege und zugleich zum Besitze der Helena , der schönsten
aller Frauen, verhelfen werde. Im me. Gedichte sagt Venus
zuerst nichts über die Nationalität der schönsten Frau. Nach-
dem ihr aber Paris den Besitz des Apfels zuerkannt hat, sagt
sie ihm aus Dankbarkeit ihre Unterstützung in einem Kriege
gegen die Griechen und bei der Erwerbung der schönsten Frau zu —
K. V. 18906: H. V. 466:
du solt bald in der Kriechen lant Whanne thou wilt S5 ) to Grecegone
nfi strichen unde keren.
da maht du wol gemeren For no J>yng the no drede
din lop und dine wirde. With out dought J)ou shat welle
spede
K. V. 18912:
Helene diu wirt dir gegeben
H. V. 469:
ze wibe und z'einer frouwen The fayrest lady {>at bereth lyfe
18915:
. . . ir wunneclicher lip
vil schoener ist den alliu wip Thou shat wynne to be J>y wyfe
diu man siht üf der erden.
Aus dieser dem me. und dem mhd. Gedichte gemeinsamen
Darstellung können wir folgern , dass eine ähnliche in der ge-
meinschaftlichen altfranzösischen Quelle vorhanden gewesen ist.
Wir kommen nun zur Besprechung derjenigen Episoden des
me. und des mhd. Gedichtes, welche B. überhaupt nicht kennt.
D.
Die Erzählung vom Traume der Hecuba und die Jugend-
geschichtc des Paris.
Die Erzählung vom ahnungsvollen Traume der trojanischen
Königin ist der XVI. Heroide Ovids entlehnt und findet sich
auch in der Hs. G des Trojaromans von B., über die wir in
der Einleitung eingehender gesprochen haben. Die Interpolation
74
Malkaraumes, der die Hs. G gefertigt hat, verdient es, mit
den inhaltlich ihr entsprechenden Partien des me. und mhd.
Gedichtes verglichen zu werden.
Nach der Rede des Helenus 50 ) schiebt Malkaraume folgende
Rede der Hecuba ein, welche, wie die des Helenus, den Zweck
hat, die Feldherrnschaft nicht in die Hände des Paris gelangen
zu lassen. Nachdem der me. Dichter die Rückkehr des Priamus
und seiner Familie in die zerstörte Stadt gemeldet hat, macht
er die Söhne des Priamus namhaft und knüpft an den Namen
des Paris die Erzählung vom Traume der Hecuba und die
Jugendgeschichte des Paris.
H. V. 209:
. . . ains qu'anfantai That nyght that Alisaunder was
begetetk
Alixandre Paris songeai A mervelous dreme his moder
dremeth
Que j'anfantoie I grant brandon That out of her body sprong a brond
De feu ardant qui anviron That brent Troye and all the lond
Ardoit de Troye la noblesse
Tex visions mon cuers trop Wesse H. V. 214:
Consilla moi ä la clergie She sent for clerkys in grete
kastyng
Si me dirent celle maignie: And tolde hem herdremyng . . .
Wenn sich Paris eine Frau aus Griechenland hole, so
werde er die Zerstörung Troias verursachen.
Die Weisen deuten den Traum —
H. V. 220: In thi body a chyld {)ere is
That shall Troy to shame bryng
Thorough his foly
Konrad teilt den Traum gleich am Anfange seines Epos
mit —
V. 350: und dö si (Hecuba) swanger worden was
dö viel üf si der sorgen soum
wände ir kom ein leider troum
in ir släfe nahtes für
V. 356: . . . von ir herzen luhte — ein vakel des geloubent mir —
diu gewahsen wsere üz ir — und alsö vaste woere enzunt —
daz si Troye unz an den grünt — mit ir fiure brande.
Die Königin erzählt aber ihren Traum nicht den Sehern,
wie es Ovid und nach ihm Malkaraume und der me. Dichter
darstellen, sondern ihrem Gatten, der auf Grund des Traumes
befiehlt, den Säugling zu töten. Diese Darstellungsweise erklärt
sich, wie Greif ft7 ) nachgewiesen hat, aus der Benutzung der
66 ) nach B. V. 3966.
67 ) s. daselbst S. 95.
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Ilias des Simon capra aurea. Nach Malkaraume lässt die
Königin den Säugling im Walde aussetzen. Nach der Darstellung
des me. Gedichtes ist Paris bereits sieben Jahre alt, als Hecuba,
ihres Traumes eingedenk, auf den Gedanken kommt, den
Knaben einem Schweinehirten anzuvertrauen, damit er des
Gebrauches der Waffen unkundig bleibe — s. Hs. L. V. 249
u. ff. Malkaraume lässt Hecuba sagen: Esparnier cuida cette
voie — wonach Paris die Zerstörung Troias herbeiführen soll —
H. V. 224:
Je prins Paris et si l'anvoie And though it shuld not be soo
En la forest . . . Whanne he was born she sent bim
A la garde dou bois norrir. Too an herd to kepe swyn.
Weiterhin berichtet Malkaraume vom Liebesverhältnisse
zwischen Paris und Oinone, von dem Konrad V. 706 u. ff. erzählt,
das aber der mo. Dichter fortgelassen hat, obgleich er davon
wusste. Denn er sagt von der Rückkehr des Paris nach
Troja — H. V. 243:
His wiff Iiis chyldren he toke with him
And hastily in to Troy they entred in. 5 *)
Die me. Darstellung des Aufenthaltes des Paris beim Hirten
bringt uns wieder zu Konrad zurück. Paris veranstaltet in
Gemeinschaft mit den andern Hirtenknaben Kampfspiele —
H. V. 231 u. f. — K. V. 618 u. f. Wer sich durch Tapfer-
keit auszeichnet, dessen Haupt schmückt er mit einem Kranze
— K. V. 235 u. f. — K. V. 624 u. ff. Paris wird er ge-
nannt, weil er ein gerechter Schiedsrichter ist — H. V. 237
u. f. — K. V. 662 u. ff. Der me. Dichter erzählt, dass Paris
gern Bäre und Stiere mit einander kämpfen sah — H. V. 231
u. ff. — und sagt dann —
H. V. 235: And where he sawe {>oo j)at were stroiig
He crowned {>em with a garlond.
Dieser Ausspruch kann ganz allgemein aufgefasst, also
auf Personen, auf die Altersgenossen des Paris, die Hirten-
knaben bezogen werden, welche nach K.'s Bericht — V. 618 u.
ff. — sich gemeinschaftlich an Kampfspielen erfreuten. Bringt
man aber obige Verse in Verbindung mit den vorangehenden,
so folgt daraus, dass Paris starke und tapfere Tiere ehrend
schmückte. K. bestätigt dies — V. 646.
swaz da gesigte bi der stunt — ez wsere ein ohse, ez wsere ein wider •-
daz reht enleit er dö niht nider — wan er im eine cröne satzt üf sin
houbet schöne.
M ) Die Hs. hat so; dagegen schreibt Zietsch: hastely, entered.
76
Malkaraume hat ausser dem Liebesverhältnisse des Paris
zu Oinone nichts über den Aufenthalt desselben im Walde
erwähnt. Wir lassen daher mit Greif die Vermutung nicht
aufkommen , dass der me. Dichter un.4,, K. die Hs. G des
Trojaromans von B. benutzt haben. Übrigens hat Malkaraume
die Interpolation an ganz andrer Stelle -bewirkt, als sie im
Hinblick auf das me. und das mhd. Gedicht erwartet werden
könnte. Wir durften aber die Hs. G. hier nicht unerwähnt
lassen. Denn ihre Gestalt gestattet uns die Annahme, dass es
auch einen im Sinne Konrads und des me. Dichters erweiterten
Trojaroman des B. gegeben hat.
E.
Über die Herbeibolung des Achilles ins griechische Lager.
Die antike Quelle für diesen Bericht ist die Achilleis des
Statius. 50 ) Das steht ausser allem Zweifel. Wir haben hier nur
die Frage zu erörtern, ob der me. und der mhd. Dichter
selbständig und aus eignem Antriebe die höchst bedeutsame
Episode einfügten, oder ob dieselbe in der ihnen vorliegenden
Fassung des Trojaromans von B. vorhanden war. Wir ent-
scheiden uns für die letztere Annahme und bringen im Folgenden
die erforderlichen Beweisgründe dafür bei.
Zu diesem Zwecke müssen wir uns zunächst darüber Klar-
heit verschaffen, an welcher Stelle ihrer Gedichte Statius, Konrad
und der me. Dichter über die Herbeiholung des Achilles be-
richten, und in welcher Weise sie den Eintritt eines so wichtigen
Ereignisses vorbereiten, bez. begründen.
1. Die Achilleis des Statius.
Die Griechen sind in Aulis angekommen — I. V. 447
u. ff. Nicht fehlt es ihnen an kriegskundigen und erprobten
Helden, wie die Namen eines Menelaus, Agamemnon, Tydides,
Sthenelus, Antilochus, Aiax und Ulixes bezeugen. Gleichwohl
vermissen alle die Anwesenheit des Achilles, dessen kriegerische
Ausbildung durch den Centaur Chiron ganz Griechenland mit
stolzer Hoffnung erfüllt hat. Auch erinnert man sich, dass
Achilles im Styx gebadet worden ist — I.V. 480 u. ff. Achilles
allein ist dem Hektor gewachsen. Er allein wird das Schicksal
Trojas entscheiden können — I. VV. 467—81. Keiner der
Griechen aber weiss, wo Achilles sich augenblicklich befindet.
Daher fordert der kampfeslustige Protesilaus den Seher Calchas
auf, die Götter um Aufschluss über Achilles zu bitten — I.
V. 493 u. ff. Calchas bezeichnet — I. V. 532 — Lycomedis
. . . tellus als den gegenwärtigen Aufenthaltsort des Achilles.
Ulixes übernimmt die Abholung des Jünglings — I. V. 538 u. ff.
B9 ) s. Cholevius (S. 137, ff.) und Dunger (8. 46, ff; 62, ff.).
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77
2- Der trojanische Krieg Konrads von Würzbnr*
Die erste Feldschlacht vor Troia ist i n
.*ö<* u. ff, Ubereinstimmend mit B erzählt TT A aoo a-
■Um Irilp J Nach lagern Überlegen, wer dieser Held sein
ÄSSEj^rT* ^ Ach " leS > durch dess - Heldenkraft
er Weissagung zufolge Troja fallen soll — bis V 27127
5 »JZZSF'c d - Achilles unbekannt
bcfrair ÜK 7 C ^ ChaS anf allseili gen Wunsch die Götter
rS ' l , 0l, I das We tere vergleiche man Statins, nur ist
bemerken, dass K. V. 27372 Tjros für Scyrus schreibt.
3- Das me . Gedicht Seege oder Batayle of Troye.
des vierten'* lf ^ Herb I eiho1 «^ *» Achilles erst zu Anfang
fol JnT w T eSJ8 ^ reS ° der wabrend des der dritten Schlacht
unf Patlf Tl! IIStandeS - DCT T ° d der HeIden Praths
zu B V IOqU be,e,tS gemeIdet WOrden > und wir seb °° ™
der .„»fc 109 , 42 7 eisetzt - Dort endigt die Rede Agamemnons,
Helte Z a a v„ daS ? el f ° lgender Sehlachten die Vernichtung
fekln et \. a t d6n ebenb ^eeu Gegner Hektors be
?Ä J a Das Weitere hierüber befindet sich im ersten
di« P ] * Abhandlul >g- I°> me. Gedichte musste natürlich
M6 Kede Agamemnons, bez. des Menelaus - H. V. 991 u. ff _
lZ2t "Z"" ausfalIen ' da ia bis dabin Acbil1 « 8 »ieht
kZft l W °! ^ e " Wan Der Köni S e "nal">t die Griechen,
aunttighin die Vernichtung Hektars anzustreben. Drauf ent-
gegnet Palamedes — sir Palmydes: H. V. 1000 - dass nur
m bterblicher werde Hektar überwinden können. Dieser sei
cniiles Solches und vieles Andere will Palamedes in den Sternen
gelesen haben, und er nennt als gegenwärtigen Aufenthaltsort
"") s. o. S. 40 u. ff.
>
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78
des Achilles den Hof des Königs Lycomedes — H. V. 1043:
Sir Likamedes — von Parpaty: Parpachi H. V. 1039 u.
V. 1056. Dorthin schickt Menelaus Gesandte, weiche den
hoffnungsvollen Jüngling herbeiholen sollen — H. V. 1054 u. ff.
Diejenigen nun, welche behaupten, dass Konrad und der
me. Dichter die Einfügung der Achillesepisode ganz selbständig
unternommen haben, fragen wir: Warum lässt Konrad ab-
weichend von der Darstellung des Statius die griechische Ge-
sandtschaft nicht schon von Aulis aus nach Scyrus abgehen?
Hat doch Statius die Herbeiholung des jugendlichen Helden
ganz gut begründet! Warum müssen — nach Konrad — die
Griechen erst nach einer grossen Niederlage an Achilles er-
innert werden? In derselben Schlacht fallt sogar Protesilaus,
derselbe, der nach Statius darauf dringt, dass Calchas den
Aufenthaltsort des Achilles bekannt macht. Der me. Dichter
weiss von Aulis überhaupt nichts. In dem Bestreben, sowohl
Hektor in einem glänzenderen Lichte erscheinen zu lassen, in-
dem derselbe drei Jahre lang vollständig die Situation be-
herrscht, als auch den Ruhm des Achilles zu erhöhen, indem
die Ankunft des Achilles dem Tode Hektors möglichst nahe
gerückt wird, setzt er — der me. Dichter — die Herbeiholung
des Achilles in den der dritten Schlacht folgenden Waffenstille-
stand. Patroclus ist längst eine Leiche, als Achilles im
griechischen Lager sich einstellt. Obgleich nun die Herbei-
holung des Achilles in weit spätere Zeit verlegt ist , als es im
mhd. Gedichte der Fall ist, so wird doch in beiden Gedichten
dasselbe Ereignis durch denselben Umstand herbeigeführt, und
zwar durch den unglücklichen Kampf der Griechen gegen die
Troer. Diese Erscheinung lässt sich nur aus der Quellengemein-
schaft des me. und mhd. Gedichtes erklären. Wir nehmen daher
an, dass sich die Achillesepisode bereits in der dem me. und dem
mhd. Dichter vorliegenden Fassung des Trojaromans von B. vor-
fand. Ehe wir die weiteren Beweisgründe für die vorstehende
Behauptung beibringen , versuchen wir zu erörtern , an welcher
Stelle des ursprünglichen Roman de Troie von B. die Achilles-
episode eingefügt war, und wie weit sich die Rückwirkung
derselben fühlbar machte.
Da des Achilles Klage um Patroclus bei K. V. 38792
u. ff. Anschluss an B.'s Darstellung aufweist, und da Achilles
von seinem Freunde bei der Ankunft im Lager — K. V. 29512
u. ff. — herzlich empfangen wird , so steht ausser allem Zwei-
fel, dass in der von uns angenommenen erweiternden Bearbei-
tung des Trojaromans von B. die Achillesepisode dem Tode
des Patroclus voranging. Sie folgte dem Tode des Protesilaus,
wie es sowohl im me. als auch im mhd. Gedichte der Fall ist.
Die Schilderung der ersten Schlacht, in der Protesilaus fallt,
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79
chhesst mit B. V. 7561. An dieser Stelle erfolgte jedenfalls
die Interpolahon Zugleich machte sie einige Inderingen Z
Vorangehenden des Originals des Trojaromans von B. not-
B V MM * dGS Achilles im Schiffskataloge
«Ja • 7" "~ und in der Beschreibung der hervor-
ragenden griechischen Helden gestrichen werden. Die Be-
fragung des Orakels zu Delphi, welche nach B. V 5784
und Dares, XIV, Achilles unternimmt, musste einem Andern
übertragen werden. Im me. Gedichte — H V 768 ist
ühxes für Achilles eingestellt worden. Konrad hat die Be-
fragung des Orakels überhaupt fortgelassen, bietet uns aber
zum Ersatz die wunderbare Erzählung aus Ovids Metam. XII«*)
von der Schlange und den neun Vögeln - K. V. 24162 u. ff
Ferner bedingte die Achillesepisode das Fortlassen des Berich-
tes über den von Achilles und Telephus nach Mysien unter-
nommenen Feldzug - B. VV. 6497-635.
Wie wir oben dargelegt haben, begründen der me. und
aer mhd. Dichter gemeinsam die Herbeiholung des Achilles
durch die anfangs unglücklichen Kämpfe der Griechen gegen
die Iroer, während Statius die Gesandten nach Scyrus ab-
gehen lasst, ehe die Belagerungskämpfe begonnen haben. Wir
naben dieses Zusammengehen Konrads mit dem me. Dichter
as ersten Grund unserer Behauptung geltend gemacht, wonach
me Achillesepisode bereits in der von jenen beiden Dichtern
benutzten Fassung des Trojaromans von B. vorhanden gewesen
sein soll. Wir können unsre Ansicht durch weitere Beweis-
grunde stützen.
Nach Statius — I. V. 474 u. ff. - hat die vortreffliche,
kriegerische Ausbildung des Achilles unter dem Centaur Chiron
alle Griechen mit der Überzeugung erfüllt, dass Achilles der
ebenbürtige Gegner Hektors sein werde. Zugleich erinnert
man sich, dass Thetis einst den Sohn im Styx badete. Darum
verlangen alle die Herbeiholung des hoffnungsvollen Jünglings.
Wach K. stellen die Griechen dieselbe Forderung auf Grund
der Weissagung des Proteus, der zufolge Troja durch die
Heldenkraft des Achilles fallen soll — K. V. 27122 u. ff.
Der Palamedes — Palmydes — des me. Gedichtes hat in den
Sternen gelesen, dass Achilles den Hektor töten werde —
H. V. 1009 u. ff. Statius sagt nur —
I. V. 474: Nomen Achillis amant, et in Hectora solus Achilles
Poscitur. Hlum unum TeucrisPriamoqueloquuntur — Fatalem
und erwähnt dann die Erziehung des Achilles bei Chiron.
Nach Statius halten somit die Griechen den Achilles ob seiner
Tüchtigkeit für den Sieger über Hektor. Der Darstellung des
61 ) s. Bartsch, Albrecht von Halberstadt CVIII; Dünger S. 54.
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80
me. und des mhd. Gedichtes zufolge ist Achilles zugleich durchs
Schicksal zum Sieger über Hektor bestimmt. Doch allen Griechen
ist der gegenwärtige Aufenthaltsort des Achilles unbekannt ;
von siner muoter waere
verborgen bi den jären.
Iiier zeigen die beiden mittelalterlichen Gedichte mehr
Verwandtschaft zu einander, als zur Achilleis des Statius —
L V. 499. Protesilaus ruft dem Calchas zu:
Cernis, nt ignotum ctincti stupeantque petantque ^Eaciden?
Der Palamedes — Palmydcs — des me. Gedichtes er-
zählt — H. V. 1017 u. ff. — den Griechen das Wichtigste
über die Vergangenheit des Achilles, Er macht irrtümlicher
Weise den Peleus zum Centaur, verwechelt ihn also mit Chiron.
Schon der Säugling Achilles kündigte einen zukünftigen Hel-
den an. Darum badete ihn die besorgte Mutter in Zauber-
wasser — water of enchauntement : H. V. 1026 — welches
ihn unverwundbar machte bis auf die Fusssohlen. Diese
blieben infolge des Umstandes, dass die stützende Hand der
Mutter ihre Berührung mit dem Zauberwasser verhinderte, die
einzig verwundbare Stelle am Körper des Achilles. Der me.
Dichter unterlässt es nicht, schon hier auf diesen verhängnis-
vollen Punkt besonders aufmerksam zu machen — H. V. 1031.
In der Hs. L. lesen wir ferner, dass Achilles bereits als sieben-
jähriger Knabe hervorragende geistige und körperliche Fähig-
keiten besass, dass er unter der Leitung seines Vaters weit
hinaus schwamm ins Meer, Löwen und Wölfe bändigte —
L. V. 1171 u. ff. Hier ist also dem Peleus die Rolle Chirons
weiter belassen. Der Hs. H. fehlen diese Mitteilungen über
den Aufenthalt des Achilles bei Chiron. Als Thetis — Dame
Tytes: H. V. 1033 — in den Sternen gelesen hatte, dass
ihr Sohn vor Troja den Heldentod sterben sollte, legte sie
ihm Frauenkleider an und brachte ihn an den Hof des Königs
Lycomedes — Likamedes: H. V. 1043; Lycamydes: L. V. 1193
— im Lande Parpaty,— chy : H. V. 1039 u. 1056; Parchy:
L. V. 1189; Die Pseudo-Schwester des Achilles wurde als-
bald die Herzensfreundin der schönen Deidamia, der Tochter
des Lycomedes. Dieser schlüpfrigen Anekdote widmet der me.
Dichter nur drei Verse —
H. V. 1051 : Soo long was Achylles in her boure
With the Maydens of anowre
The kyngis doughter with chylde was.
K. V. 27130:
iedoch enwas niemanne knnt
wä der vil tugentbaere
H. V. 1013:
But how A. was ibore
It is nouht knowyn eueri where.
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81
während sie Koiirad — V. 14644 — V. 17321 — mit sicht-
lichem Behagen zu einem kleinen Roman erweitert hat.
Konrad hat die Jugendgeschichte des Achilles weder an
der Stelle eingefügt, wo sie der me. Dichter mitteilt, noch sie,
wie dieser, im Znsammenhange gegeben. Den ersten Teil
derselben, welcher hauptsächlich den Aufenthalt des Achilles
bei Chiron zum Gegenstande hat, schliesst K. — V. 5768 u. ff.
— an die Beschreibung der Hochzeit des Peleus und der
Thetis an. Der zweite Teil der Episode berichtet über die
Entführung des Achilles von Chiron zu Lycomedes auf Scyrus
und über die Erlebnisse des Jünglings daselbst und folgt bei
K. — V. 13398 u. ff. — der Mitteilung vom Wiederaufbaue
Trojas. Nach K. V. 13602 u. ff. erbittet sich Thetis ihren
Sohn unter dem Vorwande von Chiron zurück, dass sie ihn,
Achilles, durch baden in einem wundertätigen Brunnen unver-
wundbar machen wolle. Dieses Bad erfolgt aber nach Statius
weit früher und zwar, ehe Achilles dem Chiron übergeben
wird. Nach Stat. Achilleis I. V. 133 u. ff. stellt Thetis dem
Chiron Achilles mit den Worten vor:
. . . saepe ipsa, nefas! snb inania natum
Tartara et ad Stygios Herum fero mergere fontes.
Als Thetis zurückkehrt zu Chiron, um Achilles zu ent-
führen, spricht sie diesem gegenüber vom Bade im Styx als
von etwas längst geschehenem — Stat. Achill. I. V. 268, ff. :
. . . si terras humilemque experta maritum
Te propter, si progenitum Stygos amne severo
Armavi — totumque utinam! — cape tnta parumper
Tegmina, nil nocitura animo.
Die tuta tegmina sind die Frauenkleider, welche Achilles
jetzt anlegen soll. Bei Konrad erfahren wir nicht, ob das
Bad wirklich erfolgt ist. Entscheiden wir uns für die positive
Annahme, so bemerken wir bei Konrad als auch beim me.
Dichter eine im Hinblick auf die Darstellung des Statius um-
gekehrte Reihenfolge der Thatsachen. Dieser Umstand liefert
wiederum einen Beweisgrund für unsere Behauptung, dass die
Achillesepisode bereits in der vom me. und dem mhd. Dichter
benutzten Fassung des altfranzösischen Trojaromans vorhanden
gewesen ist. Es ist schon darauf hingewiesen worden, dass
der me. Dichter Chiron mit Peleus verschmolzen hat. Greif
nimmt daher an , dass der me. Dichter die Achilleis des Statius
bei der Abfassung seines Gedichtes nicht zur Hand gehabt,
sondern sie nur aus dem Gedächtnisse verwertet habe. Da
also die Achilleis dem me. Dichter nicht vorlag, jene Ver-
schmelzung aber in beiden Hss. wahrzunehmen ist, so war sie
jedenfalls auch im me. Original vorhanden. Wir erklären
dies in folgender Weise:
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82
Wir haben im Verlaufe unserer Abhandlung Öfter gesehen,
dass es der rae. Dichter mit den Namen der Helden und den
ihnen zukommenden Rollen nicht genau nimmt, dass er be-
sonders kein Freund von vielen Namen ist. Nun war viel-
leicht in der Achillesepisode der ihm vorliegenden Hs. des
altfranzösischen Trojaromans nächst den Eltern des Achilles
der Ausbildung desselben durch den Centaur Chiron nur in
Kürze gedacht. Daher Hess der me. Dichter die Person des
Chiron einfach fort, übertrug aber dessen Eigenschaften auf
Peleus. Weiterhin unterdrückte er jegliche Mitteilung über
die Erziehung des Achilles bei Chiron, behielt dagegen den
Bericht über das Bad im Styx bei. Letzterer wird somit in
der vermuteten französischen Vorlage auch der Beschreibung
der Erziehungsmethode Chirons gefolgt sein. Wenn wir in
der Hs. L. des me. Gedichtes Einiges über die Ausbildung
des Achilles an ursprünglich richtiger Stelle — L. V. 1171 ff.
— vorfinden, so verdanken wir dies dem Schreiber, nicht
dem Dichter.
Obgleich bei Konrad die Mitteilung vom Bade im Styx
nur in Gestalt eines Vorwandes erscheint, so ist sie doch in
derselben Weise eingeleitet wie im me. Gedichte —
K. V. 13602: H. V. 1023:
sit daz Achilles hat gewant ffor . . .
ze strite sin gemüete gar: that he shull be stronge in bataylle
so wolle sie, Thetis, „mit She baj>ed him verament
Arzenie" ihn unverwunbar machen; Of water of enchauntement.
sie kenne einen Brunnen —
K. V. 13635: ob er dar inne wirt gebadet — daz im kein wäfen
denne schadet.
Der me. Dichter sagt, dass durch jenes Bad die Haut
des Achilles hart wie die eines Walfisches wurde —
H. V. 1029 : Save the soles of bis fete
There his moders handes sett
And Sythen he was slayne {>ere.
Nach Stat. Achill. I. V. 480 u. f. erhielt sie die Härte
des Eisens:
Quemve alinm Stygios tulerit secreta per amnes
Nereis et pulchros ferro praestrinxerit artus?
Dass von dieser Vergünstigung die Fusssohlen ausgeschlossen
blieben, erwähnen weder Statius noch K. Letzterer musste
schon deshalb darüber schweigen, weil er das Bad als Vorwand,
nicht als Thatsache betrachtete. Welcher antiken Quelle der
Interpolator des altfranzösischen Trojaromans jene Bemerkung
entnommen hat, lässt sich nicht mit Bestimmtheit angeben.
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83
Doch ist die teilweise Unverwundbarkeit eines Helden ein im
Mittelalter sehr beliebtes poetisches Motiv. Dasselbe wirkte
umgestaltend auf B.'s Bericht über den Tod des Achilles, wie
im ersten Teile der Abhandlung — s. S. 54 — gezeigt
worden ist.
Ferner ist die Einleitung zum Berichte über die Entfuhrung
des Achilles nach Scyrus im me. und im mhd. Gedichte dieselbe.
Konrad — V. 13402 u. ff. — erzählt, dass sich Thetis bei
der Kunde vom Wiederaufbaue Trojas an die Weissagung des
Proteus erinnert, wonach Achilles vor Troja fallen soll. Dasselbe
liest nach dem me. Dichter — H. V. 1033 u. ff. — Thetis in
den Sternen. Sie beschliesst deshalb, ihren Sohn zu verbergen —
K. V. 13412: H. V. 1033:
daz er ze Troye würde erslagen . . . Tytes
daz hete man ir vor geseit: Loked vppon J>e furmament . . .
da von si trüren und leit And sauwe J>eryn with outyn fayle
slöz aber in ir herze dö. He xall be slayn in Troye batale.
K. V. 13440:
ich sol behüeten und bewarn His moder therfore was füll woo
daz er niht kom ze strite
vür Troye in siner zite And J)0ught it shuld not be soo
und er dä werde niht erslagen. She sent Mm in to Parpaty
In Maydens wede sekerly.
K. V. 13940 u. ff.: Entschluss der Thetis, Achilles nach Scyrus
zu bringen;
„ „ 14059 „ „: Ankunft in Scyrus;
„ „ 14902 „ „ : Achilles als Mädchen verkleidet.
Statius sagt nicht ausdrücklich, dass Thetis infolge der
Weissagung des Proteus auf den Gedanken kommt, Achilles
den Augen der Griechen zu entrücken. Er erzählt — Achill.
I. V. 194 — dass die glänzenden Erfolge der chironischen
Erziehung die Thetis veranlassen, den Sohn zn verbergen —
Achill. I. V. 198: At Thetis undisonis per noctem in rupibus adstans,
Quae nato secreta velit, quibus abdere terris
Destinet, huc illuc diversa mente volutat.
Jenes Zusammengehen des me. mit dem mhd. Dichter
erklärt sich wiederum nur durch unsre Annahme, dass ihnen
eine erweiternde Bearbeitung des Trojaromans von B. vor-
gelegen hat.
Mit H. V. 1053 haben wir uns die Rede des Palamedes —
Palmydes — geschlossen zu denken. Menelaus schickt Gesandte
zu Lycomedes , der sie freundlich bewirtet. Die Speisekarte —
H. W. 1066 — 70 — bietet grosse Auswahl. Eine starkbe-
setzte Tafelmusik sorgt gleichzeitig für die geistige Er-
frischung —
84
H. V. 1074: Diuerse melodye for to shewe
Of trumpis tabours and nakeres
H. V. 1076: Pypers sarsynners and symbaleris.
K. — V. 28204 u. f. — sagt bei derselben Gelegenheit:
man horte lüten under in — tambüren schellen phifen.
Dem Festessen folgt Tanz. Die Königstochter Deidamia
eröffnet den Reigen. Ihr Partner ist Achilles im Frauenge-
wande. Er verrät sich aber den griechischen Gesandten durch
seine breite und hohe Gestalt. Hier bemerken wir wiederum ein
Zusammengehen des me. mit dem mhd. Dichter —
K. V. 27752: H. V. 1082:
sin starker lip Achelles was long and gretewith all
der schoene was und üfreht. Brode brest and stought vysage
nü daz den vranne dicken kneht All J>e knyghtis J>at |)ere was
die boten heten an gesehen Behelden enermore on Achelles
und si begunden bede spehen And inwardly be hylden hün
daz er unvröuweclichen tete. And seyd it was neuer woman
So large . . .
Ulixes zu Diomedes —
E. Y. 27766: si müge wol sin Achilles.
Bei Statins findet sich nichts Entsprechendes.
Als sich die griechischen Gesandten zur Ruhe begeben,
beschliessen sie, ihrer Vermutung durch eine List Gewissheit
zu verschaffen — H. V. 1092 u. ff. Zu diesem Zwecke wollen
sie den Töchtern des Lycomedes und ihren Gespielinnen, unter
denen sich ja Achilles befindet, Geschenke, „Broschen und
Ringe", zugleich aber eine Ritterrüstung vorlegen, indem sie
überzeugt sind, dass Achilles nach derselben greifen werde.
Der nächste Tag verläuft ähnlich dem ersten. Als die Jung-
frauen nach dem Tanze die Geschenke vor sich ausgebreitet
finden, erwählt sich Achilles sogleich die Ritterrüstung, legt
dieselbe an und erklärt trotzig dem Könige Lycomedes, dass
er kein Weib, sondern der starke Achilles sei. Gott möge
ihn strafen, wenn er länger hier tanze. Vor Troja wolle er
kämpfen, Zuvor verlange er zum Ritter geschlagen zu werden.
Aus dem ersten Teil dieser Rede geht hervor, dass Achilles,
den doch die Natur vor allem zum kriegerischen Berufe be-
fähigt hat, Reue über sein müssiges, weibisches Leben am Hofe
des Lycomedes empfindet. Dieser Gedanke ist bei Statius nicht
zum Ausdrucke gebracht — Achill. II. V. 178 ff.
At fems jEacides . . .
. . . conspicit hastam;
Infremuit torsitque genas et fronte reücta
Surrexere comae; nnsqnam mandata parentis,
Nusquam occultus amor, totoque in pectore Troia est.
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Dagegen finden wir der me. Darstellung Entsprechendes
bei Konrad, V. 28356 u. ff:
H. V. Uli:
halsperge, lanzen unde swert Achilles beheld aryght
heim unde liehte schilte The fayre armur J)at was so bryght
besach der knappe milte H. V. 1117:
mit flizeclichen ougen And to J>e kyng he seyd thenne
K. V. 28376:
gedähte in sinem muote des:
bin ich der küene Achilles Wenyst J)Ow sir I were woman
den Schyron erzogen hät I am Achilles soo mote I the
wes trage ich denne wibes wät? Strenger thanne ony of f>y men.
Die Ansprache des Ulixes an Achilles — K. V. 28409
u. ff. — hat der me. Dichter fortgelassen, desgleichen die
Ausführung der oben verzeichneten Worte des Statius —
K. V. 28483 u. ff. Den Hornisten Agyrtes kennt er eben-
falls nicht — Stat. Achill. II. V. 201 ; K. V. 28470 u. ff.,
so dass das Sehen und Anlegen der Rüstung unmittelbar auf
einander folgen. Dass Achilles seinem Wunsche gemäss von
Lycomedes zum Ritter geschlagen wurde, erwähnt K. nicht —
H. V. 1127 u. ff. Die Deidamia hat der me. Dichter wieder
vergessen, und er meldet sogleich — H. V. 1134 — die
Ankunft des Achilles im Lager der Griechen , wo das Ereignis
allgemeine Freude hervorruft —
K. V. 29482:
sus kamen si dö sä zehant
ze Troie in sneller ile
K. V. 29490:
daz dühte ein wunnebserez dinc H. Y. 1133:
der Kriechen her geliche The Grekys were glad euerichon
si wurden vröuden riche
und hohes muotes alle. Whanne he was to Troye come.
Achilles wird herzlich begrüsst — von Menelaus —
K. V. 29496: H. V. 1138:
ahy, wie manic willekume Achilles . . .
des mäles im engegen flouc. Thow art hertely welcome to me.
Die Begrüssung des Achilles durch Menelaus hat K. nicht
ausdrücklich erwähnt. Dafür gedenkt er der Freundschaft
zwischen Achilles und Patroclus. Wir haben bereits darauf
hingewiesen, dass der me. Dichter hinsichtlich des Ortes der
Einfügung der Achillesepisode von der Darstellung der alt-
französischen Vorlage, der K. gefolgt zu sein scheint, ab-
gewichen ist, s. S. 77 u. ff. Doch stimmen der me. und
der mhd. Dichter darin überein, dass mit der Ankunft des
86
Achilles der Waffenstillestand ein Ende nimmt. H. V. 1155
u. ff. K. V. 29643 u. ff.
Schon in der Einleitung haben wir daran erinnert, dass
Malkaraume, der Schreiber der Hs. G des Trojaromans von
B., nach V. 22519 des Originals 29 Verse interpoliert und
die List des Ulixes am Hofe des Lycomedes irrtümlicher Weise
mit Neoptolemns oder Pyrrhus, dem Sohne des Achilles, in
Verbindung gebracht hat. Diese Interpolation zeigt übrigens
nicht die geringste Verwandtschaft mit der Darstellung unserer
beiden Gedichte. Dies ist ein zweiter Grund 02 ) für unsre
Behauptung, dass die Hs. G des Trojaromans von B. nicht
die gesuchte Quelle sein kann. Das Gesamtergebnis unserer
UntersuchuDg ist somit folgendes: Die gemeinschaftliche
Quelle für das me. Gedicht Seege oder Batayle of
Troye und für das mhd. Gedicht vom trojanischen
Kriege des Konrad von Würzburg war eine erweiternde
Bearbeitung des Roman de Troie des BönoH de Ste.-
More. Da eine solche bis jetzt nicht aufgefunden wor-
den ist, so werden wir im Folgenden auf Grund unsrer Unter-
suchung ein übersichtliches Bild von der Gestalt der vermuteten
Fassung des Trojaromans von B. zu entwerfen versuchen.
1) Die Einleitung B.'s — VV. 1 — 702 ist bedeutend ge-
kürzt. Jedenfalls fehlt die Inhaltsangabe — W. 141—702,
vielleicht auch die Bemerkung über Homer — VV. 45 — 70. 6S )
2) Während B. die Söhne des Priamus in der Reihenfolge :
Hector — B. V. 2921 — Paris — V. 2925 — Troylus —
2931 — aufführt, setzt der Interpolator Paris zuletzt, um im
Anschluss an diesen Namen den Traum der Hecuba und die
Jugend geschieh te des Paris zu erzählen: s. o. SS. 4, 6, 18, 74 u. ff.
3) B.'s Bericht über die Verhandlungen des Priamus mit
den Trojanern und den Griechen behufs Befreiung seiner
Schwester aus der Gefangenschaft erfahrt eine kürzende Um-
gestaltung — B. VV. 3195— 532: s. o. SS. 6, 19, 20, 63 u. ff.
4) Die Darstellung des Apfelstreites der drei Göttinnen
wird erweitert B. V. 3860 u. ff.: s. o. SS. 22—25, 70 u. ff.
5) Indem B.'s Bericht über die Begegnung des Menelaus
mit Paris auf dem Meere — B. VV. 4203—20 — fortgelassen
wird, ist Menelaus für die Dauer — ob für die ganze, lässt
sich nicht bestimmen — des Aufenthaltes des Paris in Cythera
anwesend: s. o. SS. 25, 27, 28, 67 u. f.
6) Paris täuscht die Griechen über den Ausgangspunkt
und Zweck seiner Reise, während er nach B. — VV. 4283—98
— die Wahrheit spricht: s. o. S. 68 u. f.
02 ) s. o. S. 76.
63 ) Vergl. auch Cl. Fischer, der altfrz. Roman de Troie etc.,
D. D., Münster, Paderborn 1883.
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87
7) Infolge der Rückwirkung der Achillesepisode ver-
schwindet der Name des Achilles aus dem Verzeichnisse der
griechischen Helden: B. V. 5137, ff. u. V. 5645, ff. Die
dem Achilles von B. zugedachten Eigenschaften werden auf
Ulixes übertragen. Dieser geht auch an Stelle des Achilles
nach Delphi: B. V. 5784, ff. Der Bericht über den Feld-
zug des Achilles nach Mysien fällt fort: B. VV. 6496—635, s.
o. SS. 6, 31 u. ff., 78 u. f.
8) Der Schilderung der ersten Schlacht vor Troia folgte
die Achillesepisode — nach B. V. 7561 — s. o. S. 78 u. ff.
9) Letztere wirkt teils erweiternd, teils umgestaltend auf
die Erzählung von den letzten Schicksalen des Helden — B.
VV. 21668—22243; s. o. SS. 54, 80, 82, 83.
10) Die vermutete Fassung des altfranzösischen Troja-
romans schliesst höchstwahrscheinlich mit dem Berichte über
den Tod der Polyxena und Hecuba: B.V. 26484.
Weiteres kann über das der Achillesepisode Folgende nicht
behauptet werden. Denn K.'s Gedicht bricht bereits mit B.'s
Gemälde der dritten Schlacht — B. V. 10968 — ab, während
der me. Dichter die drei ersten Schlachten und Ereignisse aus
der vierten der Ankunft des Achilles vorangehen lässt. Auffällig
aber ist, dass wir von B.'s Gemälden der 5., 6. und 7. Schlacht
keinen Strich im me. Gedichte vorfinden: B. VV. 11875—14552,
s. o. S. 42.
Alle übrigen Abweichungen des me. und des mhd. Gedichtes
von der Darstellung B.'s, welche unter den obigen zehn Punkten
nicht erwähnt worden sind, können auf die Rechnung des be-
treffenden Verfassers gesetzt werden. Der me. Dichter ist keines-
wegs originell, sondern reproduktiv. Aber sein Anschluss an
die altfranzösische Vorlage ist zum grossen Teil frei und unge-
zwungen. Nirgends wird derselbe zur sklavischen Nachahmung.
Der me. Dichter hat aus der reichhaltigen Quelle mit grossem
Geschicke geschöpft. Nur in wenigen Fällen hat er die Historia
des Dares zu Rate gezogen. Das Streben nach möglichster
Kürze hat ihn oft bewogen, die Darstellung der französischen
Vorlage zu ändern. Ein ungleich grösserer Dichter ist natürlich
Konrad von Würzburg. Er bildet den Gegensatz zu seinem
me. Kollegen. Er hat nicht nur die Absicht, sondern auch
die dichterische Befähigung und die erforderliche litterarische
Bildung, um die Darstellung seiner französischen Vorlage mit
Neuem zu bereichern. Schon die Anlage seines Gedichtes
zeigt ein hohes Mass von Selbständigkeit. Gleich am Ein-
gange macht uns K. — W. 325—6483 — mit den hervor-
ragendsten Helden seiner Dichtung bekannt und lässt unsern
Blick schweifen in weite Ferne. Denn er berichtet über den
Traum der Hecuba, die Jugenderlebnisse des Paris, die Hochzeit
88
des Peleus mit der Thetis. Zu diesem Feste kommt auch Hektor
mit seinen Eltern, wird Paris herbeigeholt, um den Apfelstreit
der drei Göttinnen zu schlichten. Weiterhin erfahren wir über
die Weissagung des Proteus vom tragischen Ende des Achilles,
über die Erziehung desselben durch den Centaur Chiron. Erst
mit K. V. 6484 beginnt der Anschluss an die Darstellung der
französischen Vorlage. Er hält an bis K. V. 13397. Der
Dichter aber will nicht nur den Krieg, sondern auch die Liebe
besingen. So erzählt er — K. W. 13398—17340 — von der
Übersiedelung des Achilles nach Scyrus und von der Liebe
•desselben zur Königstochter Deidamia. Mit V. 17341 kommt K.
auf die Darstellung der französischen Vorlage zurück und folgt
ihr mit grosser Freiheit bis V. 20366, wo der ersten Begegnung
des Paris mit Helena im Tempel von Cythera gedacht wird.
Der Rest der Entführungsgeschichte der Helena — bis K. V.
22518 — ist eine selbständige Schöpfung K.'s auf Grund der
Her. XVI und XVII Ovids. 64 ) Mit V. 22519 nimmt K. den
Anschluss an die Darstellung der französischen Vorlage wieder
auf und folgt derselben im Allgemeinen bis V. 26918. Doch ge-
stattet er sich bsdeutende Abweichungen. So ersetzt er z. B. den
Bericht B.'s über die Befragung des delphischen Orakels durch
die ovidische Sage von der Schlange und den neun Vögeln. 61 )
Unsrer Annahme zufolge fand K. in der ihm vorliegenden Hs.
des Trojaromans von B. die Achillesepisode nach dem Berichte
über die erste Schlacht — nach B. V. 7561 — bereits vor.
Die Hälfte dieser Episode hat aber K. vorweg genommen,
so dass er jetzt nur noch von der Herbeiholung des Achilles
durch Ulixe8 und Diomedes zu erzählen hat — bis V. 29695.
K. hat die Lebensgeschichte des Achilles mit grossem Geschick
in seinen Roman eingeflochten. Gleich einem goldnen Faden
durchzieht sie das Ganze. Die französische Fassung derselben
genügte K. nicht. Deshalb sah er die Achilleis des Statius
selbst ein und folgte ihr mit inniger Treue. 59 ) K.'s Schilderung
der der Ankunft des Achilles folgenden Kämpfe — bis V. 40424
— entspricht in den Hauptsachen B.'s VV. 8293—10997. —
Der Fortsetzer des konradischen Gedichtes kann unser Interesse
nicht beanspruchen, weil er der Darstellung des Dietys und
Dares gefolgt ist. 65 )
64 ) s. Cholevius, S. 140; Bartsch, Albrecht v. Halberstadt, S. XXVI,
Dunger 8. 53.
65 ) s. Dunger, S. 66.
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Berichtigungen.
Man lese jusqu' : S. 4* nule rien , S. 10; grant honte : S. 11;
alions, seurs: S. 12j sageS: S. 16; destruite: S. 17;
molt ert: S. 31^ u., est r.: S. 40.
Man streiche e in sie: S. 12j t in oit, nasquit, fendit: SS. 13^
26, 46, ein 1 in mollt, nulle: SS. 21, M.
Man vergleiche L. V. 620 anstatt 621: S. 2j
H, V. 1703 „ 1701 S. 3j
B. VV. 2869, 3739, 7117, 16105 anstatt
2879, 3798, 1717, 26105: SS. 17,
21, 36, 4&
Stanford University Libraries
Stanford, California
Retarn this book on or before date doe.
Vita.
Ich, Emil Theodor Granz, wurde geboren am 7. August 1861
zu Niederfrohna bei Chemnitz als Sohn des Gutsbesitzers
Johann Gottlieb Granz und dessen Ehefrau Amalie Auguste
Granz geb. Friedemann. Bis zu meiner Ostern 1875 erfolgten
Konfirmation besuchte ich die Volksschule meiner Heimat,
trat hierauf in die Quarta der Realschule I. 0. zu Borna ein
und bestand daselbst Ostern 1881 das Maturitätsexamen. Vom
20. April 1881 bis zum 30. Oktober 1885 war ich an der
Universität Leipzig als Student der neuern Sprachen immatri-
kuliert und besuchte die Vorlesungen der Herren Professoren
und Docenten Biedermann, Birch-Hirschfeld , Crusius, Ebert,
Hermann, Heinzc, Hofmann, Kögel, Masius, Ribbeck, Settc-
gast, v. Strümpell, Wenck, Wolff, Wülker, Zarncke. Zu
Michaelis 1883 bestand ich die Ergänzungsreifeprüfung am
hiesigen Nicolai-Gymnasium. Vom 1. Oktober 1884 bis zum
1. Oktober 1885 genügte ich meiner Militärpflicht im Königl.
Sächs. 8. Inf.- Reg. No. 107. Im November 1885 ging ich
behufs meiner weiteren Ausbildung in der englischen Sprache
nach London, arbeitete längere Zeit im Britischen Museum
und wirkte vom 1. März bis zum 23. Dezember 1886 als
Lehrer an einer Privatschule zu Brentwood, Essex. Vom 1.
Januar bis zum 31. Mai 1887 hielt ich mich zu Neuchätel in
der Schweiz auf, um mich in der französischen Sprache zu
vervollkommnen. Nach meiner Rückkehr nahm ich meine
Studien an der Universität Leipzig wieder auf, besuchte die
Vorlesungen des Herrn Professor Hildebrand und beteiligte
mich an den Übungen des deutschen Seminars.
Allen meinen verehrten Lehrern, besonders den Herren
Professoren Wülker und Zarncke, spreche ich hiermit meinen
innigsten Dank aus.
i